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"New York Times"-Scoop Warum Trump und Tochter Ivanka wegen der Steuerenthüllungen im Gefängnis landen könnten

US-Präsident Donald Trump und seine Tochter Ivanka Trump im Weißen Haus in Washington
US-Präsident Donald Trump und seine Tochter Ivanka Trump im Weißen Haus in Washington
© Yuri Gripas / ABACA / Picture Alliance
Die Enthüllungen der "New York Times" über Donald Trumps Steuervergangenheit könnten nicht nur dem US-Präsidenten, sondern auch dessen Tochter Ivanka gefährlich werden – und aus der Wahl am 3. November eine echte Schicksalswahl machen.

Der US-Sender CNN spricht von einer "Bombe", die in den Steuerenthüllungen der "New York Times" über Donald Trump versteckt sei: Die Zeitung hatte am Montag gemeldet, dass der US-Präsident in den vergangenen Jahren kaum oder gar keine Steuern auf Bundesebene gezahlt habe, indem er für seine Unternehmen mehr Verluste als Gewinne deklariert habe. Wie CNN jetzt berichtet, tat Trump das offenbar mithilfe seiner Tochter Ivanka - und eines Tricks, der beide womöglich sogar hinter Gitter bringen könnte.

Trumps Firma soll Ivanka Trump doppelt bezahlt haben

Donald Trump habe zwischen 2010 und 2018 26 Millionen Dollar an unerklärten "Beratungshonoraren" abgeschrieben, wovon fast 750.000 Dollar offenbar an Ivanka Trump gegangen seien, obwohl diese zeitgleich leitende Mitarbeiterin der Trump Organization, dem Konzern ihres Vaters, gewesen sei, erklärte CNN unter Hinweis auf den "New York Times"-Artikel. Zwar seien die Berater in Trumps Steuerunterlagen nicht namentlich aufgeführt, aber ein Vergleich mit den finanziellen Offenlegungen von Ivanka Trump bei ihrer Arbeitsaufnahme im Weißen Haus im Jahr 2017 belege, dass eine Beratungsfirma, deren Miteigentümerin sie war, insgesamt 747.622 Dollar erhalten habe. Das sei genau die Summe, die von der Trump Organization als Steuerabzug für Hotelprojekte in Vancouver und Hawaii geltend gemacht worden sei. Ivanka Trump wäre demnach also doppelt bezahlt worden, einmal als Mitarbeiterin und einmal als Beraterin des Konzerns.

Da Ivanka Trump damals Mitarbeiterin der Trump Organization war, könne es "keinen legitimen Grund" für diese Zahlungen gegeben haben, sagte der Rechtsanwalt und ehemalige Staatsanwalt Nick Akerman, der während der Watergate-Affäre auch die Steuerzahlungen des damaligen Präsidenten Richard Nixon unter die Lupe genommen hatte, auf CNN. Womöglich hätten die beiden das Geld hin- und hergeschoben, um Abgaben darauf zu vermeiden.

Auf die Frage, ob die Enthüllungen der Zeitung am Ende für Donald Trump sogar eine Haftstrafe bedeuten könnten, antwortete Akerman: "Das steht außer Frage. Und seine Tochter könnte auch ins Gefängnis kommen." Der Zeitungsbericht beschreibe eine ganze Reihe von Aktivitäten, die als Steuerbetrug qualifiziert werden könnten. Steuerhinterziehung sei ein Kapitalverbrechen, das mit fünf Jahren Haft bestraft werden könne, erklärte Akerman. "Es ist ein ziemlich schweres Verbrechen, und je mehr Geld gestohlen wird, desto länger muss man dafür ins Gefängnis gehen."

Donald Trump bestreitet Fehlverhalten

Und tatsächlich könnte es um deutlich mehr Geld als die rund 750.000 Dollar an Ivanka Trump gehen. Die Empfänger der restlichen etwa 25 Millionen Dollar, die von der Trump Organization in dieser Zeit als "Beratungshonorare" abgeschrieben worden sein sollen, gehen aus dem "New York Times"-Bericht nicht hervor. Angesichts der mutmaßlichen Zahlung an seine Tochter sei es aber "nicht schrecklich weit hergeholt, sich zu fragen, ob alle oder ein Großteil dieser 'Beratungsgebühren' einen ähnlichen Prozess durchlaufen haben", spekuliert CNN.

Donald Trump bestreitet jegliches Fehlverhalten. Er weigert sich jedoch auch, seine Steuererklärungen öffentlich zu machen, wie es seit fast einem halben Jahrhundert für US-Präsidenten üblich ist, um die Vorwürfe zu widerlegen. Das Büro von Ivanka Trump reagierte laut CNN auf Anfrage mit einem Verweis auf Trumps Wahlkampfteam, dessen Sprecher Tim Murtaugh die Berichterstattung als "Schwindel" bezeichnete, aber keine Erklärung für die mutmaßliche Zahlung lieferte.

Für Donald Trump und seine Tochter könnte die Präsidentschaftswahl am 3. November durch die "New York Times"-Enthüllungen zu einer echten Schicksalswahl werden. "Das Einzige, was ihn im Moment rettet, ist die Richtlinie des Justizministeriums, die besagt, dass man einen amtierenden Präsidenten nicht anklagen kann", sagte Akerman auf CNN. "Sobald er nicht mehr amtierender Präsident ist, kann gegen ihn Anklage erhoben werden." "Jeder anständige Staatsanwalt" könne einen "ziemlich tragfähigen" Fall aus den Vorwürfen machen. 

Quellen: "New York Times", CNN, "Huffington Post"


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