Australien lockert wegen der angespannten Lage auf den Energiemärkten infolge des Nahostkriegs vorübergehend seine Benzin-Standards. In den kommenden zwei Monaten dürfen wieder Kraftstoffe mit höherem Schwefelgehalt verkauft werden, die bisher überwiegend für den Export produziert wurden. Dadurch könnten monatlich rund 100 Millionen Liter zusätzlicher Treibstoff auf dem heimischen Markt bereitgestellt werden, teilte Energieminister Chris Bowen mit. Die Menge entspricht in etwa zwei Tagen zusätzlicher Versorgung für das Land.
Die Maßnahme soll vor allem Regionen außerhalb der großen Städte zugutekommen, wo es zuletzt verstärkt zu Engpässen kam. Bowen versuchte, die Bevölkerung zu beruhigen. Die Treibstofflieferungen nach Australien liefen weiter und die Vorräte seien stabil, sagte er. „Es gibt keinen Grund für Panikkäufe.“
Kraftstoffnachfrage in Australien verdoppelt
Ein hoher Schwefelgehalt im Kraftstoff verhindert üblicherweise, dass moderne Motoren effektiv arbeiten können. Schwefel ist jedoch ein natürlicher Bestandteil des Rohöls, der zur Herstellung von Diesel verwendet wird. Die kurzzeitige Lockerung der Emissionsregeln hat jedoch Auswirkungen auf die Umwelt. So führen hohe Schwefelgehalte im Kraftstoff vermehrt zu saurem Regen, der sowohl schädlich für die menschliche Gesundheit als auch für die Umwelt ist.
In Deutschland hat eine Welle von Panikkäufen die Kraftstoffnachfrage in den letzten Tagen verdoppelt, trotz der Zusicherungen der Bundesregierung, dass ausreichend Kraftstoff vorhanden ist.
Nach Regierungsangaben reichen die nationalen Reserven für etwa 30 Tage. Dieser Wert liegt aber unter der Empfehlung der Internationalen Energieagentur IEA, wonach die Mitgliedsländer über Treibstoffreserven für mindestens 90 Tage verfügen sollten.
Die iranische Blockade der Straße von Hormus hat den Nachschub von etwa einem Fünftel des weltweiten Öls unterbrochen und zu einem globalen Schock sowie zu Befürchtungen von Versorgungsengpässen geführt.
Quellen: ABC, Umweltbundesamt, mit DPA