Washington Massen-Protest gegen Irak-Krieg


Das Szenario erinnert an die Proteste gegen den Vietnam-Krieg: Zehntausende Menschen haben in Washington den sofortigen Abzug aller US-Truppen aus dem Irak gefordert. Prominenteste Demonstranten waren Jane Fonda, Susan Sarandon und Sean Penn.

Ermutigt durch den Widerstand im US-Kongress gegen eine Truppenaufstockung haben am Samstag in Washington nach Schätzungen zehntausende Menschen für einen US-Abzug aus dem Irak demonstriert. Allerdings blieb die Teilnehmerzahl nach Medienberichten deutlich hinter den 100.000 zurück, die sich der Veranstalter, die Vereinigung "United for Peace and Justice" (Vereint für Frieden und Gerechtigkeit), erhofft hatte.

Weitere Entsendung von 21.500 Soldaten

US-Präsident George W. Bush bekräftigte unterdessen in einem Telefongespräch mit dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki seine anhaltende Unterstützung beim Versuch, das von Gewalt erschütterte Land zu stabilisieren. Die beiden Politiker hätten ausführlich über die Sicherheitslage gesprochen, zitierte der US-Sender CNN aus einer irakischen Regierungsmitteilung. Bush hatte erst vor kurzem angekündigt, weitere 21.500 Soldaten dorthin zu entsenden. Die USA haben im Irak bereits rund 130.000 ihrer Soldaten stationiert.

An der Kundgebung in Washington mit anschließendem Protestmarsch nahmen etwa 1600 Organisationen teil. Die Demonstranten waren mit Bussen aus allen Teilen der USA angereist, unter ihnen auch Familien von Irak-Soldaten und Militärangehörige selbst, die allerdings entsprechend geltender Vorschriften nicht in Uniform protestieren durften.

Jane Fonda: "Schweigen ist nun keine Option mehr"

Zu den prominentesten Rednern bei der Demonstration gehörte die einstige Anti-Vietnamkriegsaktivistin Jane Fonda. "Ich habe seit 34 Jahren auf keiner Protestaktion gegen einen Krieg mehr gesprochen, weil ich nicht wollte, dass die über mich verbreiteten Lügen den Anliegen schaden", rief Fonda der Menge zu. "Aber Schweigen ist nun keine Option mehr." Auch die Schauspieler Susan Sarandon, Tim Robbins, Danny Glover, Rhea Perlman und der schwarze Bürgerrechtler Jesse Jackson waren als Sprecher vor die Menge getreten. Viele der Teilnehmer trugen Plakate mit Aufschriften wie "Kein Geld mehr für den Krieg" und "Stoppt das Sterben im Irak".

Die Demonstration galt aber nicht nur Präsident George W. Bush, der vor kurzem die Entsendung zusätzlicher 21.500 Soldaten in den Irak beschlossen hatte. Darüber hinaus wurde der seit kurzem demokratisch beherrschte Kongress dazu aufgerufen, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um einen Truppenabzug aus dem Irak zu erreichen. Im Senat soll voraussichtlich in der kommenden Woche über eine Resolution gegen die Truppenaufstockung abgestimmt werden. Sie ist allerdings nicht bindend, was viele der Demonstranten am Samstag als unzureichend anprangerten.

Umfragewerte für Bush im Keller

Die Umfrage-Werte für Bush sind seit langem schlecht, weil viele US-Bürger den Einsatz im Irak ablehnen. Bislang gibt es aber keine Anzeichen dafür, dass Bush seinen Kurs ändert. Erst am Freitag hatte US-Außenministerin Condoleezza Rice in der ARD gesagt: "Wenn der Oberbefehlshaber der Truppen und sein neuer Kommandeur für die Aufstandsbekämpfung sagen, dass eine Aufstockung um 21.000 Soldaten das Beste ist, dann werden die Menschen letztendlich einsehen, dass dies in der Tat geschehen muss."

DPA/Reuters DPA Reuters

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