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Weihnachten in Rom: Ein Fest der Superlative

Zum Weihnachten zeigen sich die Römer verspielt: Figuren von Weihnachtsmännern in allen Größen klettern die Fassaden empor und am Petersplatz findet ein ganz besonderer Höhepunkt statt: die szenische Darstellung der Geburt Jesu - auf 400 Quadratmetern.

Von Luisa Brandl, Rom

An den Häuserwänden klettern Weihnachtsmänner in leuchtendem Rot mit weißem Pelz in die Fenster und Balkone: die Figuren in Miniatur und sogar in nahezu voller Größe sind die Lieblingsdekoration der Römer mit einem Hang zur Verspieltheit.

Während sich Knecht Ruprecht an den Fassaden hocharbeitet, türmen sich unten vor den Lebensmittelgeschäften Schachtel-Gebirge auf mit Panettone, dem italienischen Weihnachtskuchen. Das Fest der Liebe ist in Italien vor allem ein Festschmaus. Fürs Essen verwenden die Südländer 40 Prozent ihrer Weihnachtsausgaben.

In der römischen Innenstadt geht kaum noch etwas. Menschenströme wälzen sich durch die engen Gassen. Der Verkehr schwillt immer weiter an, je näher Heiligabend rückt. Einen Parkplatz zu finden ist so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto. Denn trotz allgemeiner Konsumzurückhaltung ist die Kauflust vor Weihnachten ungebremst. In einem beliebten Lebensmittelgeschäft kann man samstags drei Stunden zubringen, bis man mit prallen Tüten das Gedränge im Ladeninneren wieder verlässt.

Krippenspiel auf 400 Quadratmeter

Laut der Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" geben die Italiener vor Weihnachten 18 Millionen Euro mehr aus als normal. In den High-Tech-Läden brummt das Geschäft, Technologie ist der Renner des Jahres, aber auch Parfümerien, Modegeschäfte und Spielwaren sind brechend voll.

Weihnachten ist in Rom Hochsaison. Der monumentale Krippenaufbau auf dem Petersplatz lockt Tausende Besucher an. Die szenische Darstellung der Geburt Jesu Christi auf 400 Quadratmetern ist schon vom Beginn der breiten Zufahrtsstraße auf den Vatikan sichtbar. Die Krippe besteht aus einem Zeltdach angelehnt an einen Felsen und erinnert an die Stall-Höhlen an den Hängen von Bethlehem. Eine Attraktion sind auch die Krippenfiguren: neun der 17 Holzfiguren sind von 1842 und stammen aus der Kirche Sant´Andrea della Valle.

Wetteifern um die schönste Tanne

Im Zentrum des Weltkatholizismus kommt zu der schönsten Krippe ein weiterer Superlativ: der prächtigste Weihnachtsbaum. Jedes Jahr wetteifern die Bergregionen Europas, wer die schönste Tanne für den Petersplatz stiftet. Eine Tradition, die Johannes Paul II 1982 ins Leben rief. Dreimal war Deutschland der Spender mit zwei Bäumen aus Bayern und einem aus Baden-Württemberg.

Dieses Jahr haben fünf Kommunen aus Südtirol die Tanne geliefert: Sie ist 140 Jahre alt, 26 Meter hoch und drei Tonnen schwer. Der Baum ist geschmückt mit silbernem Lametta, 2000 bunten Leuchtkugeln und einem leuchtenden Stern.

Römer feierten schon vor der Geburt Christi Weihnachten

Doch Weihnachten in Rom reicht weit zurück in eine vorchristliche Zeit. Schon in der Antike war der 25. Dezember der Anbetung des Gottes Mitra gewidmet. Die Christen ersetzten im 4. Jahrhundert den Mitra-Kult durch den Jesus-Kult. Das erste urkundlich nachgewiesene Weihnachtsfest hat im Jahr 354 in Rom stattgefunden.

Nicht ganz so alt, aber immerhin noch mehr als hundert Jahre ist der Weihnachtsmarkt an der Piazza Navona. Süßlicher Geruch von Zuckerwatte und kandierten Äpfeln verströmt von den Ständen rund um den barocken Vier-Ströme-Brunnen vor der Kulisse alter Paläste. Geschenkartikel, Spielwaren, Holzschnitzereien, und Süßigkeiten werden feilgeboten. Ein Karussell lockt Kinder an. Und die Straßenkünstler, die hier das ganze Jahr Touristen in ihren Bann ziehen, erhoffen sich von der Jahreszeit ein gutes Geschäft.