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Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen: Versöhnung zwischen Kolumbien und Venezuela

Nach wochenlangen Spannungen haben sich Kolumbien und Venezuela wieder versöhnt: Der neue kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos und Venezuelas Staatschef Hugo Chávez kündigten an, die diplomatischen Beziehungen zwischen ihren Ländern wieder aufzunehmen.

Nach wochenlangen Spannungen haben sich Kolumbien und Venezuela wieder versöhnt: Der neue kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos und Venezuelas Staatschef Hugo Chávez kündigten am Dienstag (Ortszeit) im kolumbianischen Santa Marta an, die diplomatischen Beziehungen zwischen ihren Ländern wieder aufzunehmen. In Zukunft wollen die südamerikanischen Nachbarn einen "offenen und direkten" Dialog führen.

Er sei in den nordkolumbianischen Küstenort Santa Marta gekommen, um in den Beziehungen zu Kolumbien "eine neue Seite aufzuschlagen", sagte Chávez nach dem Gipfeltreffen. Santos nannte das Ergebnis des Gesprächs "sehr positiv". Die beiden Länder wollen nun einen politischen Neuanfang wagen und "so schnell wie möglich" wieder Botschafter austauschen.

Chávez hatte die Beziehungen zu Kolumbien Ende Juli abgebrochen. Grund war der Vorwurf des damaligen kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe, Venezuela gewähre 1500 Rebellen der kolumbianischen FARC sowie der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) Unterschlupf. Santos war nach seinem Amtsantritt am Wochenende auf Venezuela zugegangen und hatte Chávez "freimütige und direkte" Gespräche angeboten.

Das Treffen fand nun an einem symbolträchtigen Ort statt: Die beiden Präsidenten führten ihre Gespräche in dem Haus, in dem der südamerikanische Unabhängigkeitskämpfer gegen die spanische Kolonialmacht, Simón Bolívar, 1830 starb. Er wird sowohl in Kolumbien als auch in Venezuela als Nationalheld verehrt. Der linksgerichtete Chávez spricht von seiner Regierungspolitik als "bolivarischer Revolution".

Da das Treffen an dem Geburtstag des kolumbianischen Präsidenten stattfand, schenkte Chávez seinem Gegenüber die Bolivar-Biographie eines venezolanischen Autors. Die Beziehungen zwischen dem mit der kommunistischen Regierung auf Kuba verbündeten Chávez und der eng mit den USA kooperierenden konservativen kolumbianischen Führung sind seit Jahren angespannt. Auch zwischen Chávez und Santos, der unter seinem Vorgänger Uribe das Verteidigungsministerium führte, waren in der Vergangenheit heftige Worte gefallen.

Nachdem Chávez während der neuesten Unstimmigkeiten vor einem Krieg zwischen den Nachbarländern gewarnt hatte, zeigte er sich nun offen für einen Neuanfang. Der venezolanische Präsident hob hervor, dass seine Regierung weder jetzt noch in Zukunft kolumbianische Rebellen unterstütze.

Auch falle eine von Chávez heftig kritisierte Militärzusammenarbeit Kolumbiens mit den USA, die der US-Armee etwa die Nutzung kolumbianischer Militärbasen erlaubt, unter die Souveränität des Nachbarn. Allerdings habe er mit Santos auch darüber gesprochen, dass solche Bündnisse nicht zu einer Bedrohung für Venezuela werden dürften.

Santos begrüßte die Äußerungen des venezolanischen Staatschefs. Chávez habe klargestellt, dass er keine Rebellen in Venezuela dulde. "Ich denke, das ist ein wichtiger Schritt." Die beiden Länder wollen nun in Zukunft eng zusammenarbeiten, fünf bilaterale Komitees sollen sich etwa um bessere Handelsbeziehungen oder Grenzfragen kümmern.

Venezuela und Kolumbien sind traditionelle Wirtschaftspartner mit einem hohen Handelsaufkommen, das im Jahr 2008 noch umgerechnet mehr als 4,6 Milliarden Euro betrug. Unter jeder der politischen Krisen zwischen Caracas und Bogotá hatten aber auch die jeweiligen Volkswirtschaften gelitten.

AFP / AFP