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Wladimir Putin: Apparatschik mit nüchternem Charme

Der rasante Aufstieg Wladimir Putins vom KGB-Agenten zum russischen Präsidenten ist vielen rätselhaft. Dank eines inszenierten Personenkults aber ist er unter seinen Landsleuten sehr populär. Er gilt als vital, durchsetzungsfähig und höflich.

Viele Russen empfinden Wladimir Putin (51) als Glücksfall in der wechselhaften Geschichte ihres Landes seit der Oktoberrevolution. In Umfragen zu den bedeutendsten Russen liegt Putin bereits auf Platz vier hinter Zar Peter dem Großen, Dichter Alexander Puschkin und dem eigentlich aus Georgien stammenden Diktator Stalin.

In der Nachfolge Stalins, seniler Staats- und Parteichefs sowie des herzkranken Präsidenten Boris Jelzin besticht der nüchterne Putin durch Vitalität, Durchsetzungskraft und zumeist gepflegte Umgangsformen. Nur wenn er in Rage gerät, verfällt er in den Gassenjargon seiner Jugendzeit in den sowjetischen Sicherheitsorganen. Den tschetschenischen Rebellen drohte er bei Amtsbeginn, sie "auf der Latrine kaltzumachen".

Inszenierter Personenkult

Mit Hilfe eines inszenierten Personenkults ist es dem Kreml über die Jahre gelungen, das Erscheinungsbild Putins vom Zustand seines Landes abzukoppeln. Obwohl die Provinz noch immer darbt, die Korruption ausufert und der Terrorismus aus Tschetschenien Moskau erreicht hat, genießt der Präsident Popularitätswerte wie kaum ein zweiter Politiker in Europa.

Rätselhaft bleibt bis heute der rasante Aufstieg des am 7. Oktober 1952 in Leningrad (St. Petersburg) geborenen Jungen aus armer Familie. Putin diente nach dem Jurastudium 17 Jahre im sowjetischen Geheimdienst KGB und war von 1985 bis 1990 als Spion in der damaligen DDR stationiert. Seine jüngere Tochter Katja wurde in Dresden geboren. Nach dem Zerfall der Sowjetunion arbeitete Putin unter dem Reformer Anatoli Sobtschak im St. Petersburger Rathaus. Dann stieg er in Moskau innerhalb von drei Jahren vom Kreml-Beamten über die Leitung des Inlandsgeheimdienstes FSB bis zum Ministerpräsidenten auf. Jelzin erkor ihn zu seinem Nachfolger.

Putin gilt nicht als korrupt

Putins anhaltende Popularität lässt sich auch damit erklären, dass er im Gegensatz zur übrigen politischen Elite als nicht korrupt gilt. Westliche Medien versuchten mehrfach, ihm krumme Geschäfte aus seiner Petersburger Zeit nachzuweisen. Doch Beweise dafür blieben aus.

Auf internationalem Parkett gilt der Präsident als ein nicht immer einfacher, aber zuverlässiger Partner. Zu seinen Freunden zählt Putin neben Bundeskanzler Gerhard Schröder und Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi auch US-Präsident George W. Bush.

Seit Putin an der Macht ist, gilt der Sport wieder als Kult in Russland. Der Judoka Putin trägt den schwarzen Gürtel, er schwimmt und fährt Ski und übt sich in dem für Russland exotischen Reitsport. Mit Ehefrau Ljudmila, den beiden Töchtern sowie der Hündin Conny verbringt Putin seine freie Zeit in einer Residenz westlich von Moskau.

Stefan Voß / DPA