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Putin stellt sich seinem Volk: Waldimir glaubt nicht an Krieg und Sanktionen

Ukrainekrise, Rubelkrise, Wirtschaftskrise: Wladimir Putin hat alle Hände voll zu tun. Live im Fernsehen stellte er sich nun den Fragen seines besorgten Volkes. Seine Botschaft: Ich kümmere mich drum.

Zwei Millionen Fragen und vier Stunden Zeit: Wladimir Putin (l.) antwortet seinem Volk

Zwei Millionen Fragen und vier Stunden Zeit: Wladimir Putin (l.) antwortet seinem Volk

Wie viele Stunden Schlaf er bekommt, wollte Wladimir Putin dem kleinen Jungen dann lieber doch nicht verraten. Und auch nicht, wie genau er Milchbauer John, vor 23 Jahren aus Großbritannien eingewandert, helfen werde. Kuh um Kuh müsse er verkaufen, weil er sonst pleite wäre, erzählt John, der russische Präsident nickt verständnisvoll: "Die Milchpreise sind niedriger als die Produktionspreise. Wir, die Regierung, kennen das Problem, und wir kümmern uns darum", versprach der Kremlchef.

Problem erkannt, Problem gebannt. Ob Wirtschaftskrise, Ukrainekrise, Landwirtschaftskrise oder Kleinsparerkrise - stundenlang hat sich Wladimir Putin, wie jedes Jahr, in der Live-TV-Show "Der direkte Draht" den Russen gestellt - ihren Fragen, Sorgen und Anregungen. Zwei Millionen davon waren in den vergangenen Tagen eingegangen. Und Putin tat, was er immer tut: Minutenlang wirtschaftliche Statistiken heruntermonologisieren, Erfolgsmeldungen verkünden, Probleme einräumen und immer wieder versichern: Die Regierung sei da dran. "Ich bin so, wie mich mein Volk haben möchte", hatte Putin einmal gesagt. Das Volk verlangt nach einem Kümmerer und Putin macht den Kümmerer.

Seine bemerkenswertesten Aussagen der mehr als dreistündigen Sendung im Überblick:

  • "Die Menschen sind offenbar guter Laune"
    (über die steigende Geburtenrate)
  • "Die ukrainische Führung macht viel falsch, aber wir können uns unsere Partner ja nicht aussuchen"
    (über die Rolle der Regierung in Kiew im Ukrainekonflikt)
  • "Es gibt keine russischen Truppen in der Ukraine"
    (über den Vorwurf, Moskau habe Soldaten in die Ostukraine entsendet)
  • "Russland ist stark"
    (über die milliardenschweren, staatlichen Hilfen für krisengeplagte Wirtschaftszweige)
  • "Der Rubel hat sich stabilisiert und ist stärker geworden"
    (über den sich mittlerweile erholenden Kurs der russischen Währung)
  • "Amerika will Vasallen, keine Verbündeten. Russland kann in einem solchen System der Beziehungen zueinander nicht bestehen"
    (über das russisch-amerikanische Verhältnis)
  • "Wir haben den Höhepunkt der Krise überwunden"
    (über den Niedergang der Ökonomie)
  • "Die Sanktionen helfen uns, die nötige Entwicklung unserer Wirtschaft voranzutreiben"
    (über die Auswirkung der westlichen Strafmaßnahmen)
  • "Unsere Waffen für den Iran gefährdet Israel nicht"
    (über die Ausfuhrgenehmigung eines russischen Luftabwehrsystem für Teheran)
  • "In der Ukraine gibt es politische Morde, und Kiews europäische und amerikanische Sponsoren drücken ein Auge zu"
    (über den Tod des früheren, ukrainischen Gouverneurs Alexandra Peluschenko)
  • "Ich denke, ein Krieg ist unmöglich"
    (über ein mögliches Konfliktszenario zwischen Russland und der Ukraine)
Niels Kruse