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Zur Heirat gezwungen: Kirgistan sagt Brautraub den Kampf an

Es ist kaum zu glauben, aber für viele Kirgisen gehört es auch heute noch zur Tradition, eine fremde Frau zu entführen und zur Ehe zu zwingen. Vor allem ungebildete, verwahrloste Männer suchen sich so eine Braut. Doch nun will Kirgistan gegen diese barbarische Praxis vorgehen.

Nach jahrelanger Kritik von Menschenrechtlern hat die mittelasiatische Republik Kirgistan erstmals dem traditionellen Brautraub den Kampf angesagt. Jährlich würden bis zu 16.000 junge Frauen in der Ex-Sowjetrepublik von Männern entführt und zur Heirat gezwungen, kritisierte das Büro des Ombudsmanns der Republik am Donnerstag in der Hauptstadt Bischkek. Diese grobe Verletzung der Ehre und Würde dieser Frauen sei Thema eines staatlichen Aktionsmonats, um den Missbrauch zu beenden.

Sicherheitskräfte, das Bildungsministerium sowie Nichtregierungsorganisationen würden sich an der Aufklärungskampagne beteiligen, hieß es. Nach Darstellung von Menschenrechtlern hatte der traditionell übliche Brautraub in den vergangenen Jahren immer schlimmere Ausmaße angenommen.

Einheimische schilderten der Nachrichtenagentur DPA, dass viele Mädchen sich aus Verzweiflung das Leben nehmen würden. In dem völlig verarmten Hochgebirgsland an der Grenze zu China machen sich demnach oft ungebildete, verwahrloste und alkoholabhängige Männer über die Mädchen her. Sie entführen die Frauen auch, um sie nicht mit Geschenken umwerben zu müssen. Viele Frauen würden in diesen Zwangsehen vergewaltigt und geprügelt.

Kirgistan hatte als erstes Land Mittelasiens eine Demokratie nach westlichem Vorbild eingeführt. Die sozialdemokratische Führung in Bischkek bekennt sich zu westlichen Werten.

mlr/DPA / DPA
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