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Zur Steinigung verurteilte Iranerin Ashtiani hat "gute Chance" auf Begnadigung


Im Fall der zur Steinigung verurteilten Iranerin Sakine Ashtiani gibt es neue Hoffnung. Der Vorsitzende des iranischen Menschenrechtsrats hat eine Begnadigung in Aussicht gestellt. Diese Entwicklung könnte auch den zwei im Iran inhaftierten Deutschen helfen.
Von Sebastian Huld

Die zum Tode verurteilte Iranerin Sakine Mohammadi Ashtiani wird möglicherweise begnadigt. Dahingehend äußerte sich am Montag Mohammad Dschawad Laridschani, Vorsitzender des iranischen Menschenrechtsrats. In einem Fernsehinterview mit dem englischsprachigen Fernsehsender Press-TV sagte Laridschani, das iranische Justizsystem habe sich sehr dafür eingesetzt, den Fall Ashtiani erneut zu prüfen. Es gebe eine "gute Chance", dass Ashtiani am Leben bleibe. Gründe für seine Einschätzung nannte Laridschani nicht. Mohammad Dschawad Laridschani ist der Bruder des Chefs der iranischen Justizbehörde, Ayatollah Sadeg Laridschani, und des Parlamentspräsidenten Ali Laridschani.

"Proteststurm setzt Regime unter Druck"

Die in Deutschland lebende iranische Menschenrechtsaktivistin Mina Ahadi begrüßte diese Aussage im Gespräch mit stern.de: "Das ist eine sehr gute Nachricht für Frau Ashtiani, für ihre Familie und alle, die diese Kampagne unterstützen." Fau Ahadi sieht vor allem den weltweiten Proteststurm, den die Kampagne gegen die Steinigung von Sakine Ashtiani ausgelöst hat, als ursächlich. "Das islamische Regime steht unter großem internationalen Druck." Die iranische Regierung sei gespalten. Es gebe zunehmend Befürworter einer Begnadigung, die sich der weltweiten Kritik entledigen wollten.

Der Fall der wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilten Ashtiani hatte auf der ganzen Welt Empörung ausgelöst. Daraufhin setzte im Juli der Iran die Hinrichtung zunächst aus. Ashtiani war 2006 in zwei verschiedenen Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt worden. Im ersten Prozess wurde sie wegen ihrer angeblichen Verwicklung in die Ermordung ihres Mannes zum Tod durch den Strang verurteilt. Ein Berufungsgericht wandelte das Urteil 2007 in eine zehnjährige Haftstrafe um. Im zweiten Prozess wurde sie wegen mehrfachem Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt.

Hoffnung für inhaftierte Deutsche

Auch die zwei deutschen Journalisten, die am 10. Oktober festgenommen worden waren, als sie Ashtianis Sohn interviewen wollten, dürfen auf eine baldige Freilassung hoffen. Wie das Auswärtige Amt mitteilte, ist am Montag der Nahost-Beauftragte der Bundesregierung in den Iran gereist, um über eine Freilassung der beiden Journalisten zu verhandeln.

Eine mögliche Begnadigung Ashtianis könnte den Fall beschleunigen. "Wenn Frau Ashtiani begnadigt wird, wird man auch ihren Sohn, ihren Anwalt und die beiden deutschen Journalisten bald freilassen", vermutet Ahadi. Sohn und Anwalt von Sakine Mohammadi Ashtiani wurden gemeinsam mit den zwei Journalisten festgenommen. Die iranischen Behörden werfen den Deutschen vor, mit Touristenvisa eingereist zu sein, dann jedoch als Journalisten gearbeitet zu haben.

mit AFP

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