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"Hooligans gegen Salafismus": Die Chaoten hinter den Ausschreitungen von Köln

Seit einiger Zeit tun sich verfeindete Fußball-Hooligans zu gemeinsamen Aktionen zusammen. Wer sind sie? Was wollen sie? Der stern beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Chaoten von Köln.

Jahrelang trafen sich Hooligans am Rande von Fußballspielen als verfeindete Gruppen und schlugen aufeinander ein. Nun schließen sich immer mehr der gewaltbereiten Gruppen zusammen. Sie sprechen davon, "gemeinsam" vorzugehen - unter anderem um "endlich Deutschland zu verteidigen", wie es nach Recherchen von "Spiegel Online" in Chats aus Sozialen Netzwerken häufig heißt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Randalierern von Köln.

Wer organisierte die Demonstration?

Aufgerufen zu der Kundgebung hatte die rechtsextreme Partei Pro-NRW, Organisator war laut Polizei die Vereinigung "Hooligans gegen Salafisten" (HoGeSa). Mindestens 4000 Menschen sollen an der Kundgebung teilgenommen haben.

Wer sind die Chaoten hinter den Ausschreitungen?

Treibende Kraft der Ausschreitungen waren nach Einschätzung von Verfassungsschützern gewaltbereite Fußball-Hooligans. Rechtsextremisten hätten sich der Bewegung angeschlossen, sie aber nicht gesteuert, sagte der Chef des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, Burkhard Freier. Viele Mitglieder der Organistatoren "HoGeSa" entstammen der Gruppe "GnuHonnters". Der Name steht für neue Jäger - die New Hunters. Der "Spiegel" hatte bereits im vergangenen Jahr auf das Gewaltpotential der Gruppe hingewiesen und den Leitspruch enttarnt: "Kameraden im Geiste. Viele Farben, dennoch eine Einheit."

Hinzu kamen gewaltbereite Rechtsextremisten aus dem ganzen Bundesgebiet. Darunter, so Freier, Mitglieder rechtsextremer Parteien wie der NPD und die Partei Die Rechte, aber auch Skinheads und bestimmte Teile der Musikszene. Gemeinsam sei ihnen allen die Gewaltbereitschaft und eine "aggressive Grundhaltung gegen den extremistischen Salafismus".

Aus welchen Klubs kommen die Hooligans?

Die Organisation besteht offenbar aus 17 Hooligan-Gruppen aus ganz Deutschland. 16 davon sollen personelle Überschneidungen mit der rechten Szene haben. Gegenüber "Spiegel Online" berichteten Fanbeauftragte aus Dortmund, Braunschweig, Aachen, Frankfurt oder Düsseldorf bereits im vergangenen Jahr, dass Hooligans verstärkt Präsenz zeigen - diese seien häufig schon in den 90er Jahren aktiv gewesen.

Wie organisieren sich die Gruppen?

Die Hooligan-Szene vernetzt sich stark über das Internet. Die Gruppe "Hooligans gegen Salafisten" hatte zwischenzeitlich fast 40.000 Likes auf Facebook. Die Seite wurde gelöscht. Aktuell organisieren sich die Unterstützer auf der Seite "Wir sind Deutschland". Die Seite existiert erst seit dem 24. Oktober, hat aber bereits über 20.000 Likes. Auf der Pinnwand finden sich offen rechtsradikale Posts. Eine Frau schreibt: "Was waren, wir doch für ein Volk. freiheitsliebend, ehrlich und stolz. was ist davon geblieben? (…) darum fallen ins Land die Horden/ die uns wollen, dazu zwingen/ Ihre Lehren und Lieder zu singen./ Die uns, zu Fremden im eigenen Land!/ Leute das ist doch ne Schand. (...) Komm mit und reihe dich ein !!! Deutschland muss wieder unser sein!!!!!" Ein anderer Nutzer schreibt: "Es muss jetzt weiter gehen und zwar schnell die Welt spricht drüber".

Warum war die Polizei nicht vorbereitet?

Die Polizei war auf die Demonstration vorbereitet, wurde von der Gewaltbereitschaft aber offenbar überrascht. "Wenn sich diese Gruppe jetzt verfestigt und noch wächst, dann haben wir aus meiner Sicht eine neue Qualität der Gewalt", sagte der NRW-Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Arnold Plickert. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat Kritik am Einsatz der Polizei zurückgewiesen. "Das Polizeikonzept hat funktioniert", sagte Jäger am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Insgesamt sollen knapp 4000 teils gewaltbereite Besucher bei der Kundgebung in Köln gewesen sein. Mindestens 44 Beamte von Landes- und Bundespolizei wurden verletzt, mehrere Polizeiautos beschädigt. 17 mutmaßliche Gewalttäter kamen in Gewahrsam.

Wie fallen die Reaktionen aus?

Die bundesweite Vereinigung "Pro Fans" befürchtet, dass die Hooliganszene neuen Zulauf erhält. "Die neue Qualität ist, dass es mit Fußball gar nichts zu tun hat", sagte Sprecher Sig Zelt. Politisch motivierte Aktionen wie die Kundgebung am Sonntag "könnten eventuell für gewissen Zulauf sorgen".

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat derweil ein entschiedenes Vorgehen angekündigt. "Wer Gewalt in Deutschlands Städte trägt, der muss mit allen Mitteln des Rechtsstaats verfolgt und bestraft werden", erklärte er. "Da wird es keinerlei Toleranz geben: Rassismus und Gewalt unter dem Deckmantel der Religion haben bei uns keinen Platz."

Felix Haas mit Agentur-Material