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20 Jahre nach Abschiebung Merkel setzt sich für indischen Todeskandidaten ein


Angela Merkel will einen Inder vor der Todestrafe retten. Der Mann war vor knapp 20 Jahren aus Deutschland abgeschoben worden - und kam direkt nach seiner Ankunft in Indien in die Todeszelle.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will den Inder Davinderpal Singh Bhullar vor der Todesstrafe retten - knapp 20 Jahre nach dessen Abschiebung aus Deutschland in seine Heimat. Merkel habe einen Brief an den indischen Ministerpräsidenten geschickt, um eine Umwandlung der Todesstrafe zu erreichen, teilte ein der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag mit. Auch Bundespräsident Joachim Gauck und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wandten sich mit entsprechenden Gnadengesuchen an ihre Amtskollegen.

Die Regierung habe sich "mehrfach und auf höchster Ebene dafür eingesetzt, dass das Todesurteil gegen Herrn Bhullar nicht vollstreckt wird", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Bhullar war 1995 aus Deutschland nach Indien abgeschoben worden. Anfang der 90er Jahre soll er in seiner Heimat in einen Terroranschlag mit neun Todesopfern verwickelt gewesen sein. Ende 1994 wurde er auf der Flucht mit falschem Pass am Frankfurter Flughafen festgenommen, die deutschen Behörden lehnten seinen Asylantrag im Flughafenverfahren ab. Nach seiner Abschiebung nach Indien wurde er festgenommen und kam in eine Todeszelle.

Abschiebung war rechtswidrig

Zwar hatte Bhullar falsche Papiere und wurde wegen Straftaten gesucht. Wegen der drohenden Hinrichtung sei die Abschiebung dennoch ein Rechtsverstoß gewesen, urteilte das Verwaltungsgericht in Frankfurt am Main zwei Jahre später. Am Freitag hob ein Sprecher des Auswärtigen Amtes hervor, dass sich Deutschland "weltweit für die Abschaffung der Todesstrafe engagiert".

Weil eine mögliche Vollstreckung des Urteils näher gerückt ist, haben sich Angehörige und Unterstützer Bullahs kürzlich an die deutsche Botschaft in Neu Delhi gewandt und wurden dort auch empfangen.

steh/AFP AFP

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