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Eklat mit Zentralrat der Muslime: Führende AfD-Politiker nehmen Frauke Petry unter Beschuss

Der Abbruch der Gespräche mit dem Zentralrat der Muslime bringt AfD-Chefin Frauke Petry in der eigenen Partei in Bedrängnis. Es sei "einiges schief gelaufen", wettert Partei-Vize Alexander Gauland. 

AfD-Chefin nach Abbruch der Gespräche mit dem Zentralrat der Muslime vor der Presse

AfD-Chefin Frauke Petry nach Abbruch der Gespräche mit dem Zentralrat der Muslime: "Schlecht vorbereitet"

Inszenierter Eklat oder doch dilettantische Vorbereitung? Der Abbruch der Gespräche einer AfD-Delegation unter Führung von Frauke Petry mit dem Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat die Parteichefin in den eigenen Reihen unter Beschuss gebracht. Das legen zumindest Äußerungen der AfD-Spitzenfunktionäre Jörg Meuthen und Alexander Gauland nahe. Dagegen hatte Vorstandsmitglied Albrecht Glaser, der von der AfD als Kandidat in die kommende Bundespräsidentenwahl geschickt werden soll, öffentlich gemacht, dass der Abbruch der Gespräche verabredet gewesen sei.

AfD-Vize Gauland will Petry jedenfalls wegen des abgebrochenen Treffens zur Rede stellen. Bei dem Treffen sei einiges schief gelaufen, "was bei mir verschiedene Fragen aufwirft, die geklärt werden müssen", sagte der stellvertretende Vorsitzende am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

"Muss um etwas anderes als Dialog gegangen sein"

Missfallen habe ihm, dass die Einladung zu dem Gespräch lediglich am Rande im Bundesvorstand diskutiert worden sei. "Darüber hinaus weiß jeder gute Verhandlungsführer, dass man in ein Gespräch nicht mit unerfüllbaren Bedingungen hinein gehen kann", fügte Gauland hinzu. Dies lasse nur den Schluss zu, dass es Petry "in erster Linie um etwas anderes als einen echten Dialog gegangen sein muss". Ein ernst gemeintes Gesprächsangebot sollte man aber entweder mit Ernsthaftigkeit erwidern oder es gar nicht erst annehmen.

Tags zuvor hatte sich Petrys Co-Vorsitzender Jörg Meuthen bereits ähnlich geäußert. "Bei einem solchen Treffen sollten die Gesprächsthemen vorher sauber abgestimmt sein. Das war offenbar nicht der Fall", hatte Meuthen in der "Bild"-Zeitung eine schlechte Vorbereitung des Treffens kritisiert.


Glaser: Abbruch mit Frauke Petry verabredet

Petry hatte sich am Montag in Berlin mit dem ZMD-Vorsitzenden Aiman Mazyek getroffen. Nach knapp einer Stunde hatte Petry das Gespräch abgebrochen. Die AfD-Chefin sagte, die Vertreter des Zentralrats hätten die Alternative für Deutschland in die Nähe des Dritten Reichs gerückt. Das sei inakzeptabel. Deshalb habe man das Gespräch beendet.

AfD-Vorstand Glaser sagte in der "Bild"-Zeitung, dass der Abbruch zwischen ihm, Petry und dem niedersächsischen Parteivorsitzenden Armin-Paul Hampel im Vorfeld verabredet worden sei, sollte Zentralratspräsident Mazyek sich weigern, seinen im April geäußerten Vergleich der AfD mit Hitlers NSDAP zurücknehmen. "Das war die Eingangshalle, durch die Aiman Mazyek gehen sollte, bevor wir mit ihm über Inhalte sprechen", sagte Glaser dem Blatt.

ZMD gibt sich weiter gesprächsbereit mit der AfD

Unterdessen macht der ZMD-Präsident deutlich, dass er auch künftig mit Teilen der islamkritischen Partei im Gespräch bleiben wolle: "Wir werden mit den Gemäßigten in der AfD weiter reden", sagte Mazyek der "Rheinischen Post". Die AfD hatte auf ihrem Programmparteitag die Haltung formuliert, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre und sich unter anderem gegen den Bau von Moscheen ausgesprochen.

dho/DPA