Die AfD-Nachwuchsorganisation Generation Deutschland (GN) hat zumindest teilweise ein Fehlverhalten ihres Vorstandsmitglieds Julia Gehrckens eingeräumt. Einige ihrer Äußerungen hätten „in Teilen nicht unserem Anspruch an eine sachliche Auseinandersetzung“ entsprochen, sagte Sprecher Wendelin Nepomuk Fessl auf Anfrage des stern. Gehrckens habe „ihre Wortwahl eingeräumt und die deutliche interne Kritik sowie ausgesprochene Rügen akzeptiert“.
Der stern und RTL hatten Anfang März darüber berichtet, dass Gehrckens unter anderem behauptete, dass die Banken in den USA den Juden gehörten. Aus ihrer Sicht gehörten „Ethnie und IQ“ zusammen, und Pforzheim sei eine „gottlose Kanackenstadt“. Die Äußerungen wurden von einer Investigativreporterin dokumentiert.
Der AfD-Bundesvorstand forderte daraufhin den Jugendverband zu einer Stellungnahme bis zum 26. März auf, die inzwischen einging. Ein Bericht der „Bild“-Zeitung, wonach die Parteispitze eine Bestrafung Gehrckens prüfe, wurde dem stern aus Vorstandskreisen jedoch ausdrücklich nicht bestätigt.
„Ich glaube nicht, dass die Partei Ordnungsmaßnahmen beschließen wird“, sagte auch GN-Chef Jean-Pascal Hohm dem stern. Der Jugendverband betrachte den „Vorgang nach Abwägung aller Umstände als abgeschlossen“, ergänzte Sprecher Fessl, der selbst im Vorstand der Parteijugend sitzt.
AfD fürchtet interne Kontroverse
Damit versucht die AfD-Spitze, den Fall Gehrcken nach der parteiinternen Kontroverse um Kevin Dorow tiefer zu hängen. Der Nachwuchspolitiker hatte auf dem Gießener GN-Gründungskongress Ende November vor seiner erfolgreichen Bewerbung für den GN-Bundesvorstand erklärt, dass die neue Jugendorganisation „die Speerspitze der jungen Rechten in Deutschland“ sein müsse, und in diesem Zusammenhang die Hitlerjugend-Parole „Jugend wird durch Jugend geführt“ gerufen.
Als Reaktion auf diese und andere Äußerungen beschloss der Bundesvorstand im Februar die Einleitung eines Parteiausschlussverfahrens gegen Dorow. Die einstimmig getroffene Entscheidung stieß jedoch im völkischen Lager und im extremistischen Parteivorfeld auf heftigen Widerstand. Auch Dorow lehnte jedwede Konsequenzen ab und verwies darauf, dass der Spruch bereits vor der NS-Zeit in der „Wandervogelbewegung“ verwendet worden sei.
Vor einer Woche wurde schließlich ein Kompromiss gefunden. Die AfD-Spitze verzichtete auf ein Parteiausschlussverfahren und verhängte nur eine zweijährige Ämtersperre. Im Gegenzug akzeptierte Dorow die Ordnungsmaßnahme und trat von seinem Posten zurück.
Julia Gehrckens forderte „millionenfache Remigration“
Bei Julia Gehrckens, die bei ihrer Bewerbungsrede in Gießen eine „millionenfache Remigration“ gefordert hatte, wollen die Beteiligten nun offenkundig eine ähnliche Konfrontation vermeiden. Dazu gehört auf der einen Seite das partielle Schuldeingeständnis von Gehrkens. Ihre Aussagen seien „ein Fehler“ gewesen, ließ sie sich von der „Bild“ zitieren, sie lehne Antisemitismus ab. Auf der anderen Seite plant nach Informationen des stern der Parteivorstand bisher keine Ordnungsmaßnahme.
Stattdessen versucht die Jugendorganisation, die Undercover-Recherche von stern und RTL zu diskreditieren. „Die Art und Weise, wie diese Aufnahmen entstanden sind, halte ich für keine Form von adäquatem Journalismus“, sagte GN-Chef Hohm.
Tatsächlich wurde unter Wahrung journalistischer Sorgfaltspflichten und presserechtlicher Grundsätze recherchiert und berichtet.
In der AfD wird zudem befürchtet, dass eine Ordnungsmaßnahme oder gar ein Ausschlussverfahren gegen Gehrckens die Partei vor ein grundsätzliches Dilemma stellen könnte. Falls auch derartige Äußerungen aus privaten Gesprächen verfolgt würden, dürfte dies viele Mitglieder verunsichern, hieß es übereinstimmend.