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"Anschläge kamen früher als gehofft": AfD-Wahlkämpfer verhöhnt Pariser Terror-Opfer

War es nur eine verunglückte Formulierung oder das Eingeständnis, dass der Anschlag von Paris der AfD nützen könnte? Der Spitzenkandidat der Partei in Hamburg erregt mit einer Entgleisung die Gemüter.

Dass der Anschlag von Paris mehr oder weniger zügig politisch instrumentalisiert werden würde, war abzusehen. Dass es eher rechte Parteien sein werden, ebenfalls. Aber dass es so schnell so geschmacklos werden würde, dann doch nicht. Eine Entgleisung, die sehr tief blicken lässt, hat sich Jörn Kruse geleistet, Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) für die Bürgerschaftswahl in Hamburg.

Wörtlich sagte er am Samstag auf einer Wahlkampfveranstaltung am Gänsemarkt: "Ich habe die große Befürchtung immer gehabt, dass Furchtbares irgendwo, bei uns hier, Paris gehört für mich zur gleichen Wertegemeinschaft, passieren würde. Und leider ist es viel früher passiert, als ich gehofft habe." Stille. Nach einer sehr kurzen Denksekunde dann erst ungläubiges Geraune, jemand sagt "Was?", doch dann bekennen die Anhänger der AfD schnell Farbe: zustimmendes Gejohle, Beifall und Jubel.

Mit anderen Worten: Ein Spitzenmann der AfD suggeriert, dass das Attentat nützlich sei, antiislamische Ressentiments zu bestätigen und die Menge applaudiert. Der Ausschnitt der Rede wurde zunächst von "Der Partei", der Satirepartei von Martin Sonneborn, auf Youtube hochgeladen und machte danach schnell die Runde in den sozialen Medien. Entsprechend giftig fielen zahllose Kommentare aus.

Hat sich Kruse nur unglücklich ausgedrückt?

Während die eine gemäßigte-"Versteher"-Fraktion nicht müde wurde darauf hinzuweisen, dass es sich bei der Äußerung um eine verunglückte Formulierung gehandelt habe ("Er hat einen Anschlag dieses Kalibers erwartet. Er hat gehofft, dass es so bald nicht passieren wird. Leider ist es viel früher eingetreten, als er gehofft hat", schreibt etwa eine Facebook-Nutzerin), sehen AfD-Kritiker nun den Beweis erbracht, dass die Partei ein Hort von Nazis und Hetzern ist. Auch wenn Kruse die Äußerung anders gemeint als gesagt hat - die begeisterte Reaktion der Basis wirft kein angenehmes Licht auf die Partei.

Schon zu Beginn hatten zumeist linke Demonstranten gegen die Veranstaltung im alten Unilever-Hochhaus protestiert. Laut des lokalen Radiosenders NDR 90,3 wurde ein Mann von der Polizei aus dem Saal abgeführt. Auch der AfD-EU-Abgeordnete und frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel war zu Gast: "Ich beschäftige mich mit den Auswüchsen des Islam schon seit 20 Jahren. Es kann kein Zufall sein, dass die Menschenrechte in fast allen islamischen Ländern mit Füßen getreten werden", sagte er am Rande der Veranstaltung.

Niels Kruse
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