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AfD nach Parteitag: Petry schimpft auf Lucke

Tausende sind aus der Partei ausgetreten, vielleicht gründet Ex-Chef Lucke sogar eine neue. Frauke Petry, nun Vorsitzende der AfD, ist not amused. 

Von Silke Müller

Der Wind rüttelt an der AfD-Kulisse, die auf der Dachterrasse der Berliner Parteizentrale einen fernsehtauglichen Hintergund abgeben soll. Und je länger die Pressekonferenz von Frauke Petry und ihrem neuen Parteivorstand dauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass der Ex-Vorsitzende Bernd Lucke auch für diese stürmische Brise veranwortlich gemacht wird.

Lucke. Nach seiner Niederlage auf dem Essener Parteitag und dem Austritt aus der AfD scheint er das Denken und Handeln der neuen Vorsitzenden mehr denn je zu beeinflussen. Voller Bitterkeit stellt sie fest: "Unter Benutzung des Vokabulars des politischen Gegners wird versucht, die Partei kaputt zu machen." Das Gerede über einen Rechtsruck der Partei unter Petrys Führung sei üble Propaganda und "ein Schlag ins Gesicht der Mitglieder".

Gauland schweigt

Petry versucht, mit anderen Themen zu punkten, eine politische Agenda zu installieren, erstens Europapolitik, zweitens direkte Demokratie, des weiteren Mittelstands-, Familien- und Einwanderungspolitik. Neben ihr steht Alexander Gauland, einer der derbsten Rechtspopulisten, und schweigt. Vorstandsprecher Jörg Meuthen freut sich über die parallele Entwicklung bei der AfD und dem "Grexit Showdown" und warnt vor der "Retteritis", falls es mit den Griechen so weiter geht. Doch immer wieder schwenkt der Fokus auf Lucke und seine Anhänger, die Weckruf-Initiative.

Essen sei "ein Befreiungsschlag" gewesen, sagt Petry, die Partei stehe nun genau dort, wo sie 2013 gestanden habe. In ihren Augen ist das ein Fortschritt. Nach Luckes Niederlage sind in den vergangenen Tagen rund 2000 Unterstützer ausgetreten,  Petry rechnet mit weiteren Abgängen. "Ich bin nur begrenzt traurig", ergänzt sie, "wenn Leute gehen, die ‚Petry Heil’-Chöre angestimmt haben." Wegen Luckes autokratischem Führungsstil seien in den vergangenen zwei Jahren 4500 Mitglieder ausgetreten.

Verlorene Mandate

Lucke und seine Anhänger sollten nun ihre Mandate herausgeben, forderte gestern Parteivize Alexander Gauland. Doch Petry gibt die Sitze im EU- und den Kommunalparlamenten verloren: "Es überrascht uns nicht, dass diese Mandate nicht zurückgegeben werden." Es seien genau jene Leute, die zuvor Moral und Anstand gepredigt hätten, die nun "die Afd um ihre Mandate betrügen".

Wie sie die Partei nach rechts abgrenze, wird Petry gefragt. Darauf hat sie viele Antworten, aber keine konkrete: "Die AfD hat keine extremistischen Mitglieder. Das ist eine Zuschreibung, die uns durch Weckruf zuteil geworden ist." Auch mit Pegida arbeite man nicht zusammen, doch klar sei: "Wir werden uns weiter um die Anliegen der Bürger auf der Straße kümmern." Eine deutsche Marine Le Pen sei sie ebenfalls nicht, und zwar aus folgendem Grund: "Der Front National ist eine sozialistische Partei. Und wenn wir eines nie gewesen sind, dann das!" Aha.

Petry hat das letzte Wort

Petry ist klug und schnell. Sie redet ohne Manuskript, noch nicht einmal ein Zettel mit Stichworten scheint nötig. Statements weiterer Vorstandsmitglieder begleitet sie mit Nicken, um dann jeweils das Mikrofon zurück zu holen und noch einen Petry-Satz obendrauf zu setzen. Ganz klar, wer hier das letzte Wort behält.

Das ist ungewohnt im Politalltag, und umgedreht würde kein Hahn danach krähen. Zahm oder auch gezähmt stehen die Männer rechts und links von ihr, fürs Erste scheint sie ihren Vorstand im Griff zu haben. Das ist auch nötig, um nach den Querelen der zurückliegenden Wochen einen Eindruck von Einigkeit und Zielstrebigkeit herzustellen. Wäre sie ein Mann, es würde ihr als Stärke ausgelegt.

Noch ein Duell

Wenn nun, wie es sich 75 Prozent der Vereinsmitglieder wünschen, Weckruf eine Partei wird, könnte das Duell Petry-Lucke in die nächste Runde gehen. Petry bringt sich dafür bereits in Stellung: "Wir sind das Original. Weckruf ist die Kopie."