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Afghanistan-Konferenz Westerwelle droht mit Boykott


Außenminister Westerwelle will nicht zur Afghanistan-Konferenz fahren, wenn dort nur über Truppenstärken gesprochen wird. Das kündigte er im stern an - und erzählte auch, dass er sich über die Häme der ersten Amtswochen geärgert hat.
Von Axel Vornbäumen

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat damit gedroht, Ende Januar der internationalen Afghanistan-Konferenz in London fern zu bleiben, sollte dort nicht der zivile Aufbau des Landes im Vordergrund stehen. In einem Interview mit dem stern sagte Westerwelle: "Wenn die Afghanistan-Konferenz in London eine reine Truppenstellerkonferenz wird, fahre ich nicht hin. Was wir brauchen ist ein breiter politischer Ansatz und eine Gesamtstrategie." In der Bundesregierung gibt es nach wie Vorbehalte, die Zahl der deutschen Soldaten in Afghanistan, wie von den USA verlangt, deutlich zu erhöhen.

Westerwelle bezeichnete es im Gespräch mit dem stern als "gesund", dass die deutsche Bevölkerung gegenüber Auslandseinsätzen der Bundeswehr zurückhaltend sei. "Wäre es andersherum, würde ich mir Sorgen machen." Der Außenminister versprach in seinem Ministerium alles zusammenzutragen, um zur Aufklärung des Bombenabwurfs auf zwei von den Taliban gekaperte Tanklaster am 4.September in Kundus beizutragen. Bei dem Luftangriff waren bis zu 142 Menschen gestorben, darunter viele Zivilisten. "Wenn man diese Bilder sieht, kann kein mitfühlender Mensch darüber hinweg gehen", sagte Westerwelle.

Vorsicht bei den ersten Staatsbesuchen

Der Außenminister gab im Gespräch mit dem stern zu, sich über die Häme, mit der seine ersten Amtswochen begleitet wurden, geärgert zu haben. "Einige schienen in den ersten Tagen überrascht, dass ich mit Messer und Gabel essen kann." Westerwelle wollte dies aber nicht auf eine latente Homophobie in Deutschland zurückführen. Er wolle "nicht glauben, dass das in Deutschland etwas damit zu tun hat, dass ich mit einem Mann zusammenlebe."

Westerwelle gestand überdies ein, bei seinen ersten Auftritten auf internationalem Parkett besonders darauf bedacht gewesen zu sein, keinen Fehler zu machen. Vor dem Präsidentenpalast in Paris habe er gedacht, "hoffentlich ist da jetzt keine Falte im Teppich, über die du gleich stolperst." Der Außenminister gab im stern auch eine Erklärung für seine besondere Vorsicht: "Ich bin ja nicht in einem Schloss groß geworden, sondern in einem Altstadtreihenhaus in Bonn."

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