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Amtsübergabe im Schloss Bellevue Auftritt eines nahbaren Präsidenten


Er kam Hand in Hand mit seiner Lebensgefährtin und gestand, dass sein Herz "puckert": Der neue Präsident Joachim Gauck hat seinen ersten Auftritt in Schloss Bellevue locker und ungezwungen gemeistert.

Die Nüchternheit des streng durchchoreografierten Zeremoniells der Amtsübergabe durchbricht Joachim Gauck mit einer demonstrativen Geste der Herzlichkeit: Hand in Hand schreitet der neue Bundespräsident am Montag mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt die Treppe vor dem Eingang von Schloss Bellevue hinunter, um sich den knapp hundert Fotografen, Kameraleuten und Reportern zu stellen. Der Himmel ist strahlend blau, das neoklassizistische Gebäude leuchtet hell im gleißenden Sonnenlicht, der rote Teppich auf den Stufen ist makellos. Der 73-Jährige lächelt, er wirkt glücklich.

"Es puckert erheblich hier drin", sagt der frühere Pastor und hält die Hand auf sein Herz. Ein Journalist hat ihm die Frage zugerufen, ob er jetzt mehr Respekt oder Vorfreude fühle. "Das ist jetzt mehr Respekt", sagt Gauck. Er verharrt zusammen mit Schadt vor der Journalistenmeute hinter dem Absperrband. Keine Spur von Misstrauen gegen die Vertreter jenes Standes, die seinen Vorgänger Christian Wulff mit immer neuen Enthüllungen über Vergünstigungen in die Enge getrieben hatten. Die Stimmung ist locker.

Schlag elf Uhr war das noch anders: Gauck und Schadt werden von Bundesratspräsident Horst Seehofer, der die Amtsgeschäfte des Staatsoberhauptes übernommen hatte, dessen Gattin Karin und Wulff empfangen. Auch diese fünf stellen sich den Journalisten und inszenieren eine Konversation, während Fotografen und Kameraleute nach den besten Einstellungen suchen. Der um seinen Ruf kämpfende Wulff wirkt wächsern, sein Lächeln ist eingefroren. Seehofer zieht seine Frau am Arm in die richtige Position. Alle fünf bemühen sich um das perfekte Bild für die Öffentlichkeit. Kurz darauf verschwindet das Grüppchen in dem Gebäude.

Von präsidialer Unnahbarkeit ist wenig zu spüren

Wenig später tritt Gauck nur mit seiner Lebensgefährtin wieder aus dem Eingang. Die Gezwungenheit scheint gewichen, der ehemalige Chef der Stasi-Unterlagenbehörde wirkt gelöst. Auf die Bitte, noch eine Runde über den Rasen des Parks von Schloss Bellevue zu gehen, antwortet er: "Das machen wir alles später im Sommerfest." Von präsidialer Unnahbarkeit ist bei Gauck wenig zu spüren. "So ist's recht, ja?", fragt er die Journalisten, als er mit seiner Lebensgefährtin vor ihnen steht.

Dass Gauck sich der Presse auch privat präsentieren will, war am Tag seiner Wahl zu sehen. Die "Bild am Sonntag" brachte eine Titelgeschichte über seine Lebensgefährtin. Die 52 Jahre alte Politikredakteurin der "Nürnberger Zeitung" verriet dem Blatt, dass der Bundespräsident von Freunden Jochen genannt werde und dass das Amt kein Grund sei, zu heiraten.

Mit der Amtsübergabe beginnt für Gauck auch die eigentliche Arbeit. Schon am Dienstag hat er seinen ersten Termin. In der Leipziger Thomaskirche nimmt er an einer Festveranstaltung teil. Donnerstag ist er dann bei der Preisverleihung der Herbert-Quandt-Stiftung in Berlin. Am Freitag wird er im Bundestag vereidigt. Dann ist auch seine erste programmatische Rede zu erwarten, in der der ehemalige Bürgerrechtler seinen Kurs darlegen wird.

Hans-Edzard Busemann, Reuters Reuters

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