HOME

Der neue Bundespräsident: Gauck übernimmt Schloss Bellevue

Der neue Bundespräsident Joachim Gauck hat sein Amt angetreten. Mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt fuhr er zum Schloss Bellevue, wo ihn Horst Seehofer und Christian Wulff empfingen.

Bundespräsident Joachim Gauck hat heute in Berlin seine Amtsgeschäfte aufgenommen. Vor dem Schloss Bellevue erwarteten ihn der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der als Präsident des Bundesrates vier Wochen lang kommissarisches Staatsoberhaupt war, sowie der am 17. Februar zurückgetretene Ex-Präsident Christian Wulff. Gauck wurde von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt begleitet.

Auf Fragen von Reportern ging Gauck nur kurz ein. Er empfinde großen Respekt, sagte er. Auf sein Herz deutend meinte er: "Mir pochert es hier drin."

Der frühere DDR-Bürgerrechtler war am Sonntag in der Bundesversammlung mit breiter Mehrheit gewählt worden. Bei seinem ersten Besuch als Bundespräsident in Schloss Bellevue ist ein Gespräch Seehofer und ein Treffen mit Wulff vorgesehen.

Der 72-Jährige Gauck erhielt in der Bundesversammlung 991 von 1228 gültigen Stimmen. Das entspricht einer Zustimmung von gut 80 Prozent. Jedoch versagten Gauck mindestens 103 Delegierte aus dem Lager von Union, FDP, SPD und Grünen, das ihn aufgestellt hatte, die Zustimmung. Für Gaucks Gegenkandidatin Beate Klarsfeld votierten 126 Delegierte. Damit erhielt die 73-Jährige mindestens drei Stimmen von Vertretern anderer Parteien. Insgesamt 108 Mitglieder der Bundesversammlung enthielten sich.

Gauck will an dem Integrationsthema "nicht vorbeigehen"

Mit der Annahme der Wahl ist Gauck als Staatsoberhaupt offiziell im Amt. Die Vereidigung des elften Präsidenten vor Bundestag und Bundesrat ist für kommenden Freitag vorgesehen.

Gauck kündigte an, dass er auch an wichtige Themen seines Vorgängers Wulff anknüpfen werde. Dieser habe ihm zum Beispiel das Integrationsthema hinterlassen, "an dem ich nicht vorbeigehen kann", sagte er dem Sender Phoenix.

Er wolle hier mit seinen eigenen Ideen und Worten die von Wulff eingeschlagene Richtung fortsetzen, sagte Gauck im ZDF. Er kündigte an, diejenigen zu kritisieren, die nicht integrationswillig seien. "Ich möchte, dass die Menschen, die hier mit uns wohnen, die Grundlagen dieses Staates, den sie ja offensichtlich schätzen, sonst wären sie nicht hierher gekommen, achten, dass sie die Gesetze dieses Landes achten." Dies sei den allermeisten Zuwanderern aber auch "völlig klar".

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sagte der Online-Ausgabe der "Leipziger Volkszeitung", Gaucks Amtszeit sei zunächst "eine Chance, dieses fürchterlich ramponierte Amt des Bundespräsidenten wieder zu der Reputation zu führen, die es früher immer hatte". Die Annahme, dass sich Gauck nur auf die Freiheit als Thema konzentriere, sei eine Fehlwahrnehmung. Die Linke-Vorsitzende Gesine Lötzsch appellierte in der ARD-Sendung "Günther Jauch" an das neue Staatsoberhaupt, sich die Frage der sozialen Gerechtigkeit und sozialen Spaltung auf die Fahnen zu schreiben.

Kreml-Chef Dmitri Medwedew gratulierte Gauck zu seiner Wahl zum Bundespräsidenten und würdigte dabei die engen Beziehungen beider Länder. Russland und Deutschland leisteten mit ihrer "stabilen Zusammenarbeit einen wichtigen Beitrag zur weltweiten Sicherheit", hob Medwedew in einer am Montag in Moskau veröffentlichten Botschaft hervor. "Ich hoffe, dass sich während Ihrer Amtszeit die russisch-deutsche Partnerschaft festigt und intensiviert", schrieb der scheidende Präsident in dem Telegramm an Gauck, dessen Wortlaut der Kreml auf seiner Internetseite veröffentlichte.

jar/fro/DPA / DPA