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"Ich will keine Waffen gegen Menschen tragen": Was die Asylakte über den Ansbach-Attentäter verrät

"Ich habe Angst vor einer Rückkehr nach Syrien, weil ich zu einem Mörder werden könnte", soll Mohammad D. den deutschen Behörden gesagt haben, als er Asyl beantragte. Zwei Jahre später begeht er einen Selbstmordanschlag.

Laut der IS-Nachrichtenagentur Amaq zeigt das Bild den Ansbach-Attentäter Mohaamad D.

Laut der IS-Nachrichtenagentur Amak zeigt das Bild den Ansbach-Attentäter Mohaamad D.

Zwei Jahre lang lebte Mohammad D. unauffällig in der deutschen Provinz. Bis er am vergangenen Sonntagabend einen Selbstmordanschlag beging. Vor dem Eingang eines Musikfestivals in Ansbach zündete er eine Bombe und jagte sich selbst in die Luft. 15 Menschen wurden verletzt. Er selbst starb. 

Auf seinem Handy fanden die Ermittler später ein Bekenner-Video zum IS. Die Tat, zu der er sich bekennt, steht im Gegensatz zur Begründung, die er in seinem Asylantrag anführte: Er sei aus Syrien geflohen, weil er Angst hätte, zum Mörder zu werden. Dies gehe aus den Unterlagen der Behörden hervor, berichtet die "Bild"-Zeitung, der der Asylantrag vorliegen soll.

Demnach will Mohammad D. Syrien am 16. Juli 2013 verlassen haben. Schlepper sollen ihn nach Bulgarien gebracht haben. Im September 2013 habe er dort einen Asylantrag gestellt. 

Mohammad D. stellte auch in Österreich einen Asylantrag

Seiner Darstellung in den Asylakten zufolge wurde er in Bulgarien zunächst für zwei Monate inhaftiert. Außerdem sei er geschlagen und seine Verletzungen aus dem syrischen Bürgerkrieg nicht behandelt worden, behauptet er. "Ich wurde nicht medizinisch versorgt, obwohl ich Splitter im Körper hatte", zitiert die "Bild" aus den Befragungsprotokollen. 

Im April 2014 flog er dem Bericht zufolge schließlich von Sofia nach Wien. Die österreichischen Behörden griffen ihn auf. Obwohl er in Österreich Asyl beantragt hatte, fuhr er im Juli 2014 nach München. 

"Ich habe Angst vor einer Rückkehr nach Syrien"

Den deutschen Migrationsbehörden berichtete er laut der "Bild", er sei Sunnit und stamme aus Aleppo. Mehrfach soll er von der syrischen Regierung und Al Kaida festgenommen worden sein, weil er Videos von Demonstrationen veröffentlicht habe. Seine Frau und seine Kinder sollen im Krieg getötet worden sein. Zu seinen Eltern habe er keinen Kontakt, sie seien im Gefängnis, weil sie gegen die Regierung protestiert hätten, behauptete Mohammad D.

"Ich fürchte mich vor dem Tod und Demütigung", berichtete er laut den Akten gegenüber den deutschen Beamten. "Ich will keine Waffen gegen Menschen tragen. Ich habe Angst vor einer Rückkehr nach Syrien, weil ich zu einem Mörder werden könnte", sagte damals der spätere Attentäter.

Kurz vor Anschlag in Ansbach bekam der Täter Abschiebe-Anordnung

Doch Mohammad D. sollte abgeschoben werden. Im Dezember 2014 bekam er laut der "Bild"-Zeitung einen Abschiebe-Bescheid nach Bulgarien, dem Land, wo er den ersten Asylantrag gestellt hatte. Doch der Syrer klagte beim Verwaltungsgericht gegen die Abschiebung - zunächst mit Erfolg. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) setzte sie aus, weil Mohammad D. angeblich zwei Suizidversuche begangen haben soll. Wie die Polizei erklärte, ritzte er sich dabei oberflächlich an den Armen.

Am 25. Februar 2015 wurde die Duldung vom BAMF jedoch wieder aufgehoben. Am 13. Juli 2016 wurde Mohammad D. mitgeteilt, dass er innerhalb von 30 Tagen Deutschland verlassen muss. Am 24. Juli beging er den Selbstmordanschlag in Ansbach. 

ivi
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