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Atommüll-Lager Asse: Erst untersuchen, dann räumen

Wie soll das strahlende Problem Asse gelöst werden? Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt, die 126.000 Fässer aus dem einsturzgefährdeten Atommüll-Lager herauszuholen. Vorher soll der radioaktive Abfall aber untersucht werden.

Erstmals soll ein mit Atommüll gefülltes Endlagerbergwerk wieder ausgeräumt werden. Die Rückholung aus der Schachtanlage Asse bei Wolfenbüttel sei "die beste Varianten beim weiteren Umgang mit den dort eingelagerten radioaktiven Abfällen", sagte der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) am Freitag in Hannover. "Das ist weltweit das erste Mal, dass man bei einem untertägigen atomaren Endlager die Rückholung der Abfälle in Angriff nimmt", fügte er hinzu.

Zuvor werden aber Kammern geöffnet und der Zustand der Atommüll-Fässer überprüft. Dies hatte zuvor bereits Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) angekündigt. Erst dann könne das unterirdische Lager mit möglichst geringem Risiko stillgelegt werden, sagte Röttgen der "Braunschweiger Zeitung".

Keine Garantie, dass es klappt

Den Weg der Rückholung der 126.000 Atommüllfässer in der Asse gehe man in Abstimmung mit dem Bundesumweltministerium, sagte König. "Es gibt aber keine Garantie dafür, dass sich der Weg auch als gangbar erweist", betonte er zugleich. Zu den großen Fragezeichen, mit denen die geplante Rückholung verbunden sei, zähle der heutige Zustand der zwischen 1967 und 1978 eingelagerten Fässer. "Es stellt sich die Frage, ob wir die Fässer ferngesteuert mit Manipulatoren bewegen und so die Strahlenbelastung der Mitarbeiter minimieren können."

Das Bundesamt will schrittweise vorgehen. Bei der Rückholung werde man den Weg immer wieder überprüfen. "In diesem Prozess gibt es nicht den Punkt der Entscheidung", sagte König. Zunächst werde man in dem Salzbergwerk erste Atommüllkammern öffnen und den Zustand einer größeren Menge Fässer untersuchen - gedacht seien an 1000 bis 3000. Die Rückholung starte für ihn, "wenn die erste Kammer geöffnet wird", betonte er. "Schon zur Kammeröffnung sind viele Sicherheitsmaßnahmen, die wir für die Rückholung brauchen."

Leerung dauert zehn Jahre

Nach derzeitiger Einschätzung des Bundesamtes soll die gesamte Aktion etwa zehn Jahre dauern. In einer ersten groben Schätzung seien dafür in einem Gutachten Kosten von zwei Milliarden Euro angesetzt worden. "Belastbare Zahlen über die Kosten haben wir aber noch nicht", betonte der BfS-Präsident.

Die Behörde prüfte neben der Rückholung der Abfälle zwei weitere Optionen zur Schließung des Atommülllagers. Bei den beiden anderen Varianten, der Vollverfüllung des Endlagers und der Umlagerung des Atommülls unter Tage, hält das BfS einen Nachweis der Langzeitsicherheit der Asse nicht für möglich.

APN/DPA / DPA