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Bartsch zum Vizechef gewählt: Lafontaine will offenbar Bundestagsmandat abgeben

Oskar Lafontaine will offenbar sein Bundestagsmandat aufgeben, den Fraktionsvorsitz im saarländischen Landtag aber behalten.

Linksparteichef Oskar Lafontaine will nach Informationen der Nachrichtenagentur DAPD offenbar sein Bundestagsmandat aufgeben, den Fraktionsvorsitz im saarländischen Landtag aber behalten. Über diese Entscheidung werde Lafontaine am Samstag den Bundesvorstand in Berlin informieren, erfuhr die DAPD am Donnerstagabend aus zuverlässiger Quelle. Ob er auf dem Bundesparteitag im Mai erneut für den Vorsitz der Linken kandidieren werde, wolle er sich dagegen jedoch vorläufig offenhalten.

Sprecher von Partei und Fraktion kommentierten diese Informationen auf DAPD-Anfrage am Abend nicht. Zuvor hatte ein Sprecher der Linken mit Blick auf den Termin am Samstag gesagt: "Lafontaine als Vorsitzender kann natürlich immer an Vorstandssitzungen teilnehmen."

Der 66-jährige Politiker hatte sich im Dezember einer Krebsoperation unterziehen müssen. Seine weitere politische Zukunft wollte er von dem Genesungsprozess und den ärztlichen Prognosen abhängig machen. Am Dienstag trat er dann bei einem Neujahrsempfang der Bundestagsfraktion der Linken in Saarbrücken erstmals wieder bei einer politischen Veranstaltung auf.

Am Donnerstag wählte die Bundestagsfraktion der Linken zudem Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch zum neuen stellvertretenden Fraktionschef. 79,6 Prozent der anwesenden 66 Bundestagsabgeordneten votierten am Abend für Bartsch als einen von insgesamt sieben Stellvertretern von Fraktionschef Gregor Gysi. Sowohl Bartsch als auch Gysi zeigten sich über das Ergebnis ausdrücklich zufrieden.

Anfang der vergangenen Woche hatte Gysi Bartsch Illoyalität gegenüber Parteichef Lafontaine vorgeworfen und ihm indirekt den Rückzug von dem Posten als Bundesgeschäftsführer nahegelegt. Bis zum Rostocker Parteitag im Mai wird Bartsch jedoch das Amt weiter ausüben. Das Amt des stellvertretenden Fraktionschefs war Bartsch schon vor Tagen von Fraktionschef Gysi angetragen worden - als eine Art Entschädigung dafür, dass er den Posten des Bundesgeschäftsführers aufgeben musste.

APN / APN