HOME

Baustelle Bundeswehr: Nur bedingt einsatzbereit

Der Bericht des scheidenden Wehrbeauftragten Robbe zeigt: Die Bundeswehr ist noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Die Politik hat versagt. Die Innere Führung auch.

Ein Kommentar von Theresa Breuer

Altes Gerät, fehlende Ausbildung, zu wenig Ärzte … die Liste der Missstände, die der scheidende Wehrbeauftragte Reinhold Robbe am Dienstag in Berlin vorgelegt hat, ist lang. Wie kann es eigentlich sein, dass eine Armee, von der immer häufiger brandgefährliche Auslandseinsätze abverlangt werden, in einem derart schlechten Zustand ist?

Der erste Grund: Die Politik hat mit den neuen Erfordernissen nicht Schritt gehalten. Die Bundeswehr ist chronisch unterfinanziert. Das führt zu bestürzenden Problemen. Ein Beispiel: Soldaten, die in Afghanistan geschützte Transportpanzer fahren sollen, kennen das Gerät gar nicht. Offizielle Begründung ist, dass für die mehrmonatige Ausbildung in Deutschland das Geld fehlt. Also werden die Soldaten am Hindukusch nachgeschult. Das aber ist lebensgefährlich - und unverantwortlich. Wenn sich die Regierung zu einem kriegerischen Einsatz entschließt, dann muss sie auch die Konsequenzen tragen, vor allem die finanziellen.

Der zweite Grund: Die Innere Führung der Bundeswehr hat immense Defizite. Robbe nannte zum Beispiel jenen Inspekteur, der für die medizinische Versorgung zuständig ist. Er hat nicht etwa dafür gesorgt, dass zusätzliche Ärzte eingestellt werden. Ihm sind die Ärzte davon gelaufen.

Warum?

Offenbar auch deshalb, weil die Bundeswehr als Arbeitgeber unattraktiv geworden ist. Wohin mit der Familie, wenn es keine Betreuungsmöglichkeiten für Kinder gibt und ein Soldat immer wieder versetzt werden kann? Wie die eigene Karriere vorantreiben, wenn es nur starre, bürokratisch fixierte Aufstiegsmöglichkeiten gibt? Robbe sagte außerdem, dass der fehlende Rückhalt in der Bevölkerung abschreckend wirke.

Aber auch das ist ein Problem der Inneren Führung. In den letzten Jahren wurden einfach zu viele Fälle bekannt, in denen sich Soldaten der Bundeswehr alles andere als angemessen verhalten haben. Zum Beispiel in Afghanistan, als sie mit Totenschädeln spielten. Oder bei den Gebirgsjägern, bei denen demütigende Aufnahmerituale und sinnlose Besäufnisse offenbar zur Tradition gehören. Ganz zu schweigen von dem Tanklaster-Bombardement in Kundus, das auch durch das unglückliche Agieren der beiden Verteidigungsminister Franz-Josef Jung und Karl-Theodor zu Guttenberg viel Vertrauen in der Bevölkerung demoliert hat.

Die Bundeswehr muss finanziell gestützt und refomiert werden. Von außen und innen. Sonst wird auch Robbes Nachfolger im Amt des Wehrbeauftragten ähnlich niederschmetternde Berichte vorlegen müssen.