HOME

Bayern: Stoiber kritisiert Spekulationen in der CSU

Kurz vor den Landtagswahlen in Bayern wächst die Unruhe in der CSU: Der frühere Parteichef Edmund Stoiber hat sich in die Führungsdiskussionen eingemischt und zur Geschlossenheit aufgerufen. Der aktuelle CSU-Chef Erwin Huber dagegen hat von seinem Stellvertreter mehr Unterstützung eingefordert.

CSU-Chef Erwin Huber will auch nach einer möglichen Niederlage seiner Partei bei der bayerischen Landtagswahl im Amt bleiben. "Ich bin für zwei Jahre gewählt worden. Ich werde die Verantwortung auch für die vollen zwei Jahre wahrnehmen", sagte Huber der Münchner "tz". Hubers Amtszeit läuft 2009 aus. Sofern der CSU-Parteitag ihn wiederwählt, könnte er bis 2011 weitermachen.

Seinen Stellvertreter Horst Seehofer, der parteiintern als möglicher Nachfolger bereitsteht, forderte Huber zu mehr Unterstützung auf. Mit Blick auf das von Seehofer vorgegebene Ziel von 52 Prozent sagte Huber: "Jeder kann natürlich persönliche Erwartungen haben und dann auch etwas dafür tun." Für die CSU sei das Wahlziel 50 plus X. Er werde die CSU in die nächste Generation führen, "und ich werde mich auf dem Parteitag der CSU 2009 wieder zur Wahl als Parteivorsitzender stellen", sagte Huber. Er garantiere Stabilität, Geschlossenheit, Einigkeit und Schlagkraft der CSU.

Der frühere CSU-Chef Edmund Stoiber hat die wachsende Führungsdiskussion in seiner Partei wenige Tage vor der Wahl kritisiert. In einem Interview rief er seine Partei zu "absoluter Disziplin" auf. "Irgendwelche Spekulationen über eine Niederlage oder gar Personaldiskussionen sind völlig fehl am Platz und schädlich. Wir müssen mit vollem Einsatz in den Schlussspurt bis zur Landtagswahl gehen", sagte Stoiber dem "Münchner Merkur". Es gelte jetzt, "in großer Geschlossenheit, mit aller Kraft und Konzentration für den Sieg zu kämpfen".

Angesichts schwacher Umfragewerte kursierten in den vergangenen Tagen in der CSU verstärkt Szenarien über einen Sturz der gegenwärtigen Führung, falls die Partei am kommenden Sonntag unter der 50-Prozent-Marke bleiben sollte.

Allerdings gilt es in der CSU als offenes Geheimnis, dass auch Stoiber das Auftreten und die Arbeit seiner beiden Nachfolger Erwin Huber als Parteichef und Günther Beckstein als Ministerpräsident nicht für sonderlich erfolgreich hält. Als möglicher Nachfolger von Huber an der Parteispitze gilt Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer. Stoiber wird intern vorgeworfen, er habe mit seinem Widerstand und dem Hinauszögern seines Rückzuges im vorigen Jahr der Partei geschadet und damit auch den aktuellen Wahlkampf belastet.

Die CSU wurde zuletzt in Umfragen zwischen 47 und 49 Prozent gesehen. Damit könnte sie ihre seit 1962 bestehende absolute Mehrheit im bayerischen Landtag möglicherweise noch verteidigen. Sie würde aber ihren Nimbus als einzige Partei in Deutschland mit Ergebnissen klar über 50 Prozent verlieren. Huber und Beckstein, die die Nachfolge Stoibers im vorigen Jahr unter sich aufteilten, haben als Wahlziel "50 Prozent plus X" ausgegeben. Stoiber hatte 2003 ein Traumergebnis von 60,7 Prozent erzielt.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters