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Berlin³: Debatte in der Union: Schwarze Sonne, braunes Schaf: CDU Sachsen-Anhalt sollte sich von Ex-Neonazi trennen

Es ist eine Frage des Anstandes: Die CDU in Sachsen-Anhalt sollte sich von einem Kommunalpolitiker trennen, der ein rechtsextremes Tattoo trägt.

Berlin hoch 3 - CDU in Sachsen-Anhalt

Kann es sich die CDU noch leisten, wie in der alten Bundesrepublik Menschen vom rechten Rand an sich zu binden? Eher nicht.

DPA

Kann man gläubiger Christ und gleichzeitig Neonazi sein? Nein, kann man nicht. Das passt irgendwie nicht zusammen. Da kollidieren die Werte doch unverträglich mit der Ideologie.

Kann man Christdemokrat gewesen sein und Neonazi werden? Traurig, aber möglich. Schließlich folgt die Radikalisierung beim Einzelnen nicht immer rationalen Mustern.

Kann man als ehemaliger Neonazi Karriere in der CDU machen? Man kann, ganz offensichtlich. Das zeigt der gerade der aktuelle Fall des sachsen-anhaltinischen CDU-Kreistagsabgeordneten Robert Möritz, 29, ein Mann mit ganz zweifellos rechtsextremer Vergangenheit, wovon unter anderem ein Schwarze-Sonne-Tattoo zeugt, bestehend aus drei übereinandergelegten Hakenkreuzen. So etwas verpasst man sich nicht einfach nach durchzechter Nacht. Möritz, der Christdemokrat, trägt es noch heute. Man nennt das: ein Statement.

Robert Möritz: Wirklich ein Läuterungsprozess?

So viel Klarheit war selten, möchte man meinen, zumal Möritz auch noch als Ordner bei einer Neonazi-Versammlung in Halle fungierte (2011) und erst kürzlich aus dem dubiosen Verein "Uniter" austrat, der ebenfalls einer Nähe zu Rechtsextremen verdächtig ist.

Der Läuterungsprozess des CDU-Mannes, wenn es ihn denn überhaupt gegeben haben sollte, verläuft also allenfalls in Trippelschrittchen. Zu langsam, um für bare Münze genommen zu werden. Ob er überhaupt abgeschlossen ist, ist äußerst fraglich. Möritz bewegt sich im politischen Farbenspektrum derart am Rand, dass der Übergang von  braun zu schwarz nur schwer auszumachen ist. Er wäre wahrscheinlich in der rechtspopulistischen  AfD besser aufgehoben, dann hätte die Aufregung um einen Kommunalpolitiker ganz sicher auch nicht die Bundespolitik erreicht.

Auf dem CDU-Parteitag in Leipzig redet Annegret Kramp-Karrenbauer über die Zukunft der Union

Frage des Anstands für die CDU

Hat sie nun aber. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer droht, nach Tagen des Zögerns, mittlerweile ganz unverhohlen mit Parteiausschluss, "sollte das Vertrauen missbraucht worden sein". An diesem Donnerstag berät die CDU Sachsen-Anhalts gemeinsam mit allen Kreisvorsitzenden über den Fall Möritz. Es wird auch langsam Zeit.

Jetzt aber wird es interessant: Denn ein Argument aus den Zeiten der alten Bundesrepublik lautete ja stets, dass der Vorteil einer konservativen Union darin bestehe, dass sie den rechten Rand binde, mithin Figuren wie Möritz in ihrem breiten Volkspartei-Dasein integrierte oder, nun ja, als hellbraunes Schaf in schwarzer Herde im Status relativer Bedeutungslosigkeit mitschleppte.

Sollte das auch heute, in Zeiten grassierenden Rechtspopulismus', für jemanden mit einem rechtsextremen Tattoo auf der Haut gelten? Nein, das sollte es nicht. Das ist in diesem Fall nicht nur eine Frage der Politik. Es ist eine Frage des Anstandes.