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Berlin vertraulich! Warum Wulff eine kleinere Rente will


Noch vor seiner Wahl denkt Präsidentschaftskandidat Wulff über seine Finanzen nach der Wahl nach. Außerdem: Wie eine Autorin Guttenbergs erste Biografie gründlich verhunzt hat und welche Wahlfrau in Konstanz Döner verkauft.
Von Hans Peter Schütz

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Bundesrepublik in der Person von Christian Wulff den mit Abstand jüngsten Bundespräsidenten aller Zeiten in Schloss Bellevue amtieren sieht. 51 Jahre jung. Und damit verbindet sich ein sehr spezielles Problem - für Wulff persönlich. Was wäre, wenn er nach der ersten Amtszeit von fünf Jahren Ex-Präsident wäre, etwa weil sich bis dahin die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung zu seinen Ungunsten geändert hätten? 56 wäre er dann. Und nach einer zweiten Amtszeit auch erst 61 Jahre "alt". Seiner engsten Umgebung hat er längst gestanden: "Dann gehe ich wieder ganz normal arbeiten. Ich kann doch nicht in diesem Alter Ruhestand als Pensionär praktizieren. Ich arbeite auf jeden Fall bis 67".

Bauchschmerzen bereitet Wulff auch der Gedanke, nach dem Amt des Präsidenten bis an sein Lebensende ein jährliches Gehalt von knapp 200.000 Euro zu beziehen. Bei den Amtsvorgängern Walter Scheel, Richard von Weizsäcker, Roman Herzog und Horst Köhler ist dies der Fall. Das Grundgesetz sieht das so vor. Wulff sagt schon jetzt: "Ich bin bereit darüber zu reden, dass die Bestimmung des weiteren Bezugs des vollen Amtsgehalt von meiner Person an für die Zukunft in eine normale Pension geändert wird." Eigentlich dürften Bundestagsparteien, die die Rente mit 67 einführen und Nullrunden bei der Rentenhöhe fahren, diese bemerkenswerte Einladung zu einer Reform nicht ausschlagen.

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Dass Karl-Theodor zu Guttenberg ein Senkrechtstarter ist, wird in der Politszene längst nicht mehr bestritten. Manche Kollegen neiden es ihm auch. Seit einigen Tagen wird ihm aber auch gewisses Mitleid zuteil. Denn über den gerade mal 38-Jährigen ist die erste Biografie (Fackelträger Verlag) erschienen. Seine Person wird darin - physikalisch einigermaßen verwirrend - als "Aufsteiger von oben" beschrieben, die für den "Aristokraten, Politstar, Minister" (man beachte die undemokratische Abfolge) wohl irgendwann in der politischen Höhe des Kanzleramts enden werde. Noch verwirrender ist der Bucheinband. Quer über einem Guttenberg-Porträt steht in Großbuchstaben "Anna von Bayern". Nein, nicht er ist damit gemeint - so heißt die Autorin. Im Adelsranking steht sie weit über ihrem Untersuchungsobjekt, denn sie stammt aus der fürstlichen Familie von Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Korrekt müsste man sie mit "Königliche Hoheit" ansprechen, sagt zumindest die Protokollchefin des Hauses Wittelsbach.

Im Kapitel "Auf Bismarcks Spuren" erfährt der Leser, wie der Verteidigungsminister einst seine heutige Frau Stephanie erobert hat: "Kann man eine Techno-Nudel wie Dich auch zum klassischen Konzert überreden?" Ferner: Dass er die "stets blitzblanken Schuhe" selbst putzt und seiner Frau beim Küchenabwasch hilft. Welchen Wert die Information hat, dass er "Raststättenklos ohne Drehkreuz bevorzugt" bleibt rätselhaft. Weil es dann schneller geht? Oder nichts kostet? Die Textpassage über die Kundus-Affäre ist mit "Deep Shit" überschrieben. Ob das der Grund war, dass sich zu Guttenberg für diese Biografie der Autorin nicht zum Gespräch zur Verfügung stellte?

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Wer ist der interessanteste Wahlmann bei der Präsidentenwahl am kommenden Mittwoch? Ganz klar Saliou Gueye: ein Schwarzer, der im Mai 2009 als Parteiloser mit den Grünen Horst Köhler wählte und jetzt als SPD-Mitglied für Joachim Gauck stimmen wird. Geboren wurde der Schwarzafrikaner 1968 im Senegal, studierte dort Literaturwissenschaft, ab 1995 in Dortmund Raumplanung, wo er vor zehn Jahren den begehrten Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für hervorragende Leistungen ausländischer Studenten erhielt. Heute ist er Integrationsbeauftragter der baden-württembergischen Stadt Ludwigsburg. Er bewundert Gauck für dessen Kampf um mehr Bürgerrechte.

Der baden-württembergische SPD-Generalsekretär Peter Friedrich ist stolz auf diesen ungewöhnlichen Wahlmann: "Wir können damit zeigen, dass Baden-Württemberg bunter und vielfältiger, ist als Herr Mappus überhaupt denken kann." Gueye spricht elegantes Hochdeutsch, räumt aber ein, dass er an seinem Schwäbisch noch üben muss. "Aber ich verstehe es perfekt." Sein Konzept für die Integration von Kindern mit Immigrationshintergrund: frühkindlicher Sprachunterricht vor der Grundschule und parallel dazu Sprachförderung der Eltern.

Für eine bunte Bundesversammlung sorgt die SPD auch mit der Wahlfrau Zahide Sarikas. Die alewitische Kurdin, Genossin aus Konstanz am Bodensee, ebenfalls im Politikfeld Integration aktiv, hat daneben noch ein ganz besonderes Talent: Sie verkauft Döner in einer Döner-Bude an der deutsch-schweizerischen Grenze. Keinen normalen Döner, sondern den "Kuyu"-Döner, der schon einmal bei einem bundesweiten Test als Geschmackssieger preisgekrönt worden ist. Ob Mappus jetzt statt zum Spätzleessen bald auch mal zum Dönerfuttern nach Konstanz fährt?


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