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Berlin vertraulich!: Wenn Politiker lustwandeln

Auch Politiker ziehen in der Weihnachtszeit eine persönliche Bilanz des vergangenen Jahres. Besonders interessant dürfte das bei Horst Seehofer, Günther Oettinger und Christian Wulff ausfallen, deren Ehen 2007 in die Krise gerieten.

Von Hans Peter Schütz

Den mit Abstand interessantesten persönlichen Jahresrückblick gibt Horst Seehofer. Der CSU-Bauernminister sieht sich darin als Bauernopfer. Von wem? Seine Analyse muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Einerseits müssten Politiker es sich gefallen lassen, resümiert er mit anklagendem Fingerzeig auf die Medien, "dass Entwicklungen in ihrem Privatleben auch öffentlich gemacht werden". Andererseits jedoch müsse er feststellen, dass gegen seine Person eine "Kampagne" stattgefunden habe, wie es "sie zuvor nie in Deutschland gegeben habe". Er sei bespitzelt und beschnüffelt worden wie noch keiner vor ihm.

Da spekuliert einer aufs schlechte Gedächtnis der Journalisten. Denn im Februar, als offenbar geworden war, dass er jahrelang fremdgegangen und ein uneheliches Kind gezeugt hatte, da hatte Seehofer noch gesagt: "Das ist keine Medienkampagne, sondern sie wird von bestimmten Leuten gespeist." Im Klartext: von den eigenen Leuten. Denn Seehofer räumt selbst ein, dass die Kampagne mit seiner Bewerbung um den CSU-Vorsitz begann und beendet war, als diese Frage zugunsten von Erwin Huber entschieden war. Was nur einen Schluss zulässt: Die Kampagneros sind in der CSU zu suchen.

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Im Fall des Scheiterns der Ehe von Günther Oettinger werden vom Betroffenen ebenfalls die Medien als Sündenböcke ausgemacht. Auch der baden-württembergische Ministerpräsident beklagt sich über die Medien, die sein Privatleben in den Schlagzeilen öffentlich gemacht hätten. Die Wahrheit sieht anders aus. Seit vielen Monaten war vielen Journalisten in Stuttgart und Berlin bekannt, dass Oettinger und seine Frau Inken längst getrennte Wege gingen. Wohlmeinende CDU-Parteifreunde wie der baden-württembergische CDU-Generalsekretär Thomas Strobl bedrängten ihn vergebens, sich zu outen, um das hämische Gekicher in der Kulisse zu beenden. Es fruchtete auch nicht, dass ihm mehrfach warnend gesagt wurde, längst sei bekannt, dass er in Hamburg "fröhlich auf dem Jungfernstieg" lustwandle.

Vielleicht hätte Oettinger mal im Programm der CSU nachlesen sollen, die ihm parteischwesterlichen Rat hätte bieten können. Dort heißt es: "Zu unserem Leben gehört auch, dass wir unsere Ideale nicht dauerhaft verwirklichen können." Bald jede zweite Ehe scheitert inzwischen in Deutschland. Weshalb sollten da Politiker eine Ausnahme sein? Auch die Kanzlerin ist geschieden und lebt in zweiter Ehe, wobei sie die erste kommentarlos unter Mitnahme der Kühlschranks beendete. Ihr Generalsekretär Pofalla hat ebenfalls zum zweiten Male geheiratet. Was allerdings einem Oettinger fehlte: Mut zur Wahrheit. Wie auch Seehofer.

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Wie man mit privaten Problemen umgehen kann, hat beispielhaft Christian Wulff gezeigt. Als die Ehe mit Christiane am Ende war, bekannte er sich dazu, ehe der Boulevard ihn zum Geständnis nötigte, wie es bei Seehofer und Oettinger der Fall war. Und der Landtagswahl Ende Januar blickt der niedersächsische Ministerpräsident jetzt mit einer sehr privaten Botschaft entgegen: "Ich habe im nächsten Jahr drei Dinge zu feiern: die Geburt eines Kindes, die Hochzeit und die Wahl." Die Umfragen zeigen Wulffs CDU zurzeit bei 44 bis 45 Prozent. Das ist in Niedersachsen nur ganz knapp unter der absoluten Mehrheit. Und diese Werte erreicht ein CDU-Mann, der sich von seiner Ehefrau getrennt hat, noch nicht geschieden ist, ein Kind gezeugt hat und bisher noch nicht einmal die werdende Mutter zum Standesamt geführt hat. Was das lehrt? Auch Unionspolitiker, die auf dem Trieb der Selbstverwirklichung sind, sollten die Wahrheit bekennen. So lebensfremd sind die Wähler nicht.

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Sage keiner, die FDP sei keine listige Partei, wenn es darum geht, Freiräume zu schaffen. So ist jetzt das Restaurant "Manzini", das sich seit Jahren im Parterre der Berliner FDP-Zentrale befindet, in den ruckzuck in den "Manzini-Club" umgewandelt worden. Für alle Mieter des Hauses - und damit natürlich für die Liberalen - ist die Mitgliedschaft in diesem Club kostenfrei. Außenstehende müssen die Mitgliedschaft beantragen. Teuer ist die nicht: ein Euro im Monat. Dafür gibt es dann einen Mitgliedsausweis. Was das alles soll? Im Restaurant "Manzini" dürfte ab nächstem Jahr nicht mehr geraucht werden. Im "Manzini-Club" darf weiter gequalmt werden. Und FDP-Bundesgeschäftsführer Hans-Jürgen Beerfeltz ist bekennender Kettenraucher.

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Wenn schon der Tourismus-Beauftragte der Bundesregierung und CSU-Abgeordnete Ernst Hinsken, gelernter Bäcker und Konditor, alljährlich selbst gebackene "Haibacher Lebkuchen" ohne Konservierungsstoffe verschickt, kann sich der CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer mit seinem Weihnachtsgeschenk an die Berliner Journaille nicht lumpen lassen. Also machte er den Schreiberlingen eine "Berchtesgadener Watzmann-Torte" zum Geschenk. Sie wird aus feinem Nussmürbeteig mit Himbeerkonfitüre aus seinem Wahlkreis bereitet. Oben ist sie mit einer markanten Watzmann-Silhouette abgedeckt. Und natürlich werden nur "beste Produkte der Region aus nachhaltiger Bewirtschaftung" bei der Zubereitung verwendet. Womit der Liebreiz des Berchtesgadener Landes den Berlinern auf der Zunge zergehen kann.