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Bettina-Wulff-Buch: "Es ist ihr Buch, nicht sein Buch"

Einen Tag nach dem Großen Zapfenstreich hat sich Bettina Wulff bei Nicole Maibaum gemeldet. Sie wollte einiges klarstellen. Ein Interview zur Entstehungsgeschichte von "Jenseits des Protokolls".

Frau Maibaum, wie kommt es, dass Sie das Buch mit und für Bettina Wulff geschrieben haben?
Ich habe schon vorher mit durchaus interessanten Frauen zusammengearbeitet, etwa mit Iris Berben und Veronica Ferres. Als Mitte Januar immer deutlicher wurde, dass es für Christian Wulff wohl sehr schwer sein würde, sich im Amt zu halten, habe ich mir gedacht, dass Frau Wulff sicher viel zu berichten hätte, wenn sie das denn möchte. Ich habe Veronica Ferres eine SMS geschrieben und einen Tag nach dem Großen Zapfenstreich im März hat mich Bettina Wulff kontaktiert.

Wie lief das denn?
Sie hat angerufen, ich war auf dem Spielplatz und bin nicht drangegangen, denn ich kannte die Nummer nicht. Dann hat sie mir eine SMS geschrieben. Ich denke, das zeigt, dass Bettina Wulff durchaus ein Bedürfnis gehabt hat, sich zu einigen Dingen zu äußern und einiges klarzustellen.

Wie muss man sich die Zusammenarbeit vorstellen?
Wir haben uns einfach getroffen und überlegt: Was wollen wir? Was kann das für ein Buch werden? Es war natürlich klar, dass es keine klassische Biografie werden kann, weil dafür viel zu relevante Dinge im Raum stehen. Und man kann jetzt nicht erzählen, was Bettina Wulff mit sechs, sieben oder acht Jahren gemacht hat. Das interessiert eher weniger. Es war ziemlich schnell klar, dass wir ähnliche Vorstellungen haben. Mitte März haben wir losgelegt.

Haben Sie sich in Hannover getroffen oder in Großburgwedel?
Ich bin mit dem Zug nach Großburgwedel gefahren. Und dort haben wir uns zusammengesetzt. Das Diktiergerät lief immer so drei, vier Stunden. Insgesamt haben wir uns zehn, zwölf Mal getroffen. Wir haben auch zwischendurch länger telefoniert. Und fertig war alles Ende Juli, Anfang August.

Das Buch zeichnet sich ja auch dadurch aus, dass es eine sehr einfache, fast jugendliche Sprache pflegt. Ist das Bettina Wulffs Stil oder Ihrer?
Das finde ich überhaupt nicht. Ich finde, es ist ein sehr sachlicher Stil, tendenziell nüchtern. Es ist nicht lustig geschrieben, das wäre auch falsch. Ich finde nicht, dass es den Eindruck erweckt, es sei von einer jungen Frau geschrieben. Überhaupt: Was heißt jung, jugendlich? Bettina Wulff ist 38. Es ist eine klare Sprache, weil sie eine sehr klare Frau ist.

Viele der politisch und möglicherweise juristisch heiklen Fragen sind in dem Buch außen vor geblieben. Wie sehr haben die Anwälte von Herrn Wulff das Buch beeinflusst?
Grundsätzlich sage ich dazu: Es ist ihr Buch, nicht sein Buch.

Inwieweit war denn Christian Wulff an dem Prozess beteiligt? Hat er Ihnen Kaffee gebracht, wenn Sie zusammensaßen?
Nein, er war gar nicht da. Es war eine professionelle Situation. Wenn man ein Interview führt, wäre es unangebracht, wenn zum Beispiel Kinder um einen herumturnen. Wir haben uns getroffen und waren dann zu zweit. Herr Wulff war insofern involviert, als dass er die Kapitel gelesen und dazu seine Anmerkungen gemacht hat.

Wie stark hat er denn gekürzt oder gestrichen?
(lacht) Es hielt sich im Rahmen.

Das Buch erscheint bei Riva, nicht bei einem der ganz großen Verlage. Stimmt es, dass diese Verlage das Buch abgelehnt haben?
Ich bin sehr froh, dass der Riva Verlag, der ja übrigens mit der Biografie von Rudi Assauer erst vor wenigen Monaten ein sehr gutes Buch herausgebracht hat, auch Oliver Kahn verlegte und daher für mich nicht als eventuell "kleiner Verlag" gilt, innerhalb von einer halben Stunde zugesagt hat, das Buch zu verlegen. Die Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert.

Florian Güßgen, Mitarbeit: Susanne Baller