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Ärger für AfD-Politiker: Björn Höcke und seine ungebetenen Nachbarn - was steckt hinter der Aktion?

Es ist mehr als nur ein Kleinkrieg zwischen Nachbarn: Ein Künstlerkollektiv hat auf dem Grundstück neben dem Haus des AfD-Politikers Björn Höcke eine Kopie des Holocaust-Mahnmals errichtet und eine heftige Diskussion entfacht. Wer sind die Initiatoren?

Schauplatz der Aktion ist nicht Berlin, sondern ein kleines Dorf in Thüringen. In Bornhagen im Eichsfeld steht das Privathaus des umstrittenen Politikers AfD-Björn Höcke, der von der "Heute Show" und vielen Medien auch Bernd Höcke genannt wird."Er ist kein Rechtsaußen, sondern ein Rechtsextremer", heißt es auf der Facebook-Seite des Zentrum für politische Schönheit.

Diese Gruppe hatte vor wenigen Tagen 24 Stelen in Sichtweite von Höckes Heim errichtet, eine verkleinerte Kopie des Holocaust-Mahnmals unweit des Brandenburger Tores. "Das ist eine wunderbare Idee" und eine "herrliche Bestrafung", sagte Lea Rosh, die sich jahrelang für das Holocaust-Denkmal in der deutschen Hauptstadt eingesetzt hatte.

Die Protestaktion auf dem Nachbargrundstück Höckes ist eine Reaktion auf seine Rede im Januar 2017 in Dresden, als er das Holocaust-Mahnmal als "ein Denkmal der Schande" bezeichnete und eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" forderte.

"Widerstand ist eine Kunst, die weh tun, reizen und verstören kann"

Vor Wochen hatte die Gruppe, die sich Zentrum für Politische Schönheit (ZPS)  nennt, mit einer Crowdfunding-Kampagne die Finanzierung gestartet und das Nachbargrundstück Höckes angemietet. Die Künstlergruppe nennt sich "Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit, politischer Poesie und menschlicher Großgesinntheit." Das ZPS "setzt auf Menschlichkeit als Waffe, entfacht einen aggressiven Humanismus und experimentiert mit den Gesetzen der Wirklichkeit", heißt es auf der Homepage. Widerstand sei eine "Kunst, die weh tun, reizen und verstören kann."

Zentrum für Politische Schönheit

Vor den Stelen im Stil des Holocaust-Mahnmals in Berlin: Morius Enden und Jenni Moli sind Mitglieder des Künstlerkollektivs Zentrum für Politische Schönheit und stehen vor dem verkleinerten Nachbau in Bornhagen.


Das Zentrum für politische Schönheit gilt als Zusammenschluss von mehreren Dutzend Aktionskünstlern und wurde 2008 von dem Künstler Philipp Ruch ins Leben gerufen. Mit Aktionen wie der "Lethe-Bombe" vor dem Reichstag 2009 und der "Säulen der Schande" 2010 wollte die Gruppe auf das Massaker von Srebenica im Bosnienkrieg aufmerksam machen. 2015 wurde das ZPS einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als Mitglieder des Bündnises an den europäischen Außengrenzen verstorbene Flüchtlinge exhumierten und mit dem Einverständnis ihrer Familien nach Berlin überführten. Motto der Aktion: "Die Toten kommen".

Der Streit um Björn Höcke eskaliert

Die am 22. November in Thüringen gestartete Anti-Höcke-Aktion "Deine Stele" löst aktuell heftige Reaktionen aus. Neben Zustimmung gibt es auch Kritik nicht nur von rechter Seite - auch, weil das ZPS offenbar gezielt Informationen zu Björn Höcke sammelt. Reinhard Schramm, der Thüringer Landesvorsitzende der Jüdischen Gemeinde, bezeichnete die Aktion als "gut gemeint und schlecht gemacht".

Thüringens Landtagspräsident Christian Carius forderte ein Ende der mutmaßlichen Beobachtung des AfD-Politikers. Innenminister Georg Maier solle dagegen einschreiten, forderte er in einem Telefonat mit dem Minister. Da das ZPS auch mit Kameras das Privathaus und seine Bewohner inklusive der Kinder Björn Höckes observiere, könne es sich um Nachstellung - also Stalking - handeln.

Das ZPS hat dagegen nach Angaben auf seiner Facebook-Seite Morddrohungen von der "AfD Totenkopfstandarte kämpft für Björn Höcke" erhalten, wie ein angeblich aufgezeichnetes Telefongespräch dokumentieren soll. Wer hinter jener Gruppe steckt - oder ob es sie wirklich gibt, ist unklar.

Die Fronten sind verhärtet. Der Besitzer des Grundstücks in Thüringen hat der Künstlergruppe bereits gekündigt. Stefan Pelzer, selbst ernannter "Chief Escalation Officer" des ZPS, verlangt von Höcke: "Wenn er wie einst Willy Brandt vor dem Denkmal auf die Knie fällt und für die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg aufrichtig um Vergebung bittet, machen wir es wie andere Geheimdienste – und schreddern sämtliche Unterlagen." 

Dazu dürfte es nicht kommen, die Forderung dürfte wohl Wunschdenken der Künstler bleiben. Philipp Ruch, selbst ernannter "Chefunterhändler" des ZPS, sagt zur Meinung Höckes zum Holocaust-Mahnmal in Berlin: "Wir können die grotesken Forderungen zur Geschichtspolitik nicht länger auf sich beruhen lassen. Auch nicht nach knapp einem Jahr ohne Distanzierung. Die Erinnerung muss in den braunen Ecken in Beton gegossen werden."

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tib