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BKA: Detektivarbeit mit der Desoxyribonukleinsäure

Im Mordfall Moshammer war es Zufall, dass eine DNA-Probe des geständigen Täters in der BKA-Datenbank vorlag. Nach Ansicht der Ermittler müssten Gentests aber zum Routinewerkzeug der Verbrechensbekämpfung werden.

Ihren schnellen Fahndungserfolg nutzten die Ermittler im Mordfall Rudolph Moshammer auch zu einem politischen Plädoyer: Die rasche Überführung des Täters sei ein einzigartiges Beispiel für das Potenzial der DNA-Analyse, betonten Soko-Leiter Harald Pickert und Oberstaatsanwalt Peter Boie am Sonntag in München. Die beiden Experten riefen die Politik daher auf, endlich eine Ausweitung der Gentests bei der Verbrechensbekämpfung zu ermöglichen. Die vor allem datenschutzrechtlichen Bedenken dagegen wiesen sie als unbegründet zurück.

DNA-Analysen unter strengen Voraussetzungen möglich

DNA-Analysen sind auch jetzt schon möglich - allerdings nur unter recht strengen Voraussetzungen: Wenn etwa Speichelproben entnommen oder Tatortspuren wie Haare oder Zigarettenstummeln auf DNA-Hinweise untersucht werden sollen, muss bislang ein Richter eingeschaltet werden. Auch die Speicherung solcher Proben in der entsprechenden Datenbank des Bundeskriminalamtes ist nicht ohne weiteres möglich. "Es wäre wichtig, dass hier die Schwelle abgesenkt wird", sagte Boie.

Tatsächlich bröckelt inzwischen die Front der Gegner umfassender Genanalysen: Neben dem Bundeskriminalamt fordern auch 12 der 16 Landesregierungen, Speichelproben ebenso wie bisher schon Fotos und Fingerabdrücke zum Standard bei der erkennungsdienstlichen Behandlung von Verdächtigen zu machen. Die Innenministerkonferenz hatte sich bereits im November dafür ausgesprochen. Nun berät die Justizministerkonferenz über diese Frage.

Im Mordfall Moshammer war es Zufall, dass eine DNA-Probe des geständigen Täters vorlag: Der 25-jährige Iraker ist zwar nicht vorbestraft, allerdings gab es 2004 zwei Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung und Vergewaltigung gegen ihn. Im Rahmen dieser Verfahren stimmte er freiwillig einer Speichelprobe zu. Eine richterliche Verfügung lag offensichtlich nicht vor, und so hätte sich der Mann grundsätzlich auch weigern können. In diesem Fall wären seine Genproben nicht in der BKA-Datenbank gelandet, und die Suche nach dem Mörder des 64-jährigen Modeschöpfers hätte ungleich länger gedauert.

Gendaten von über 300.000 Straftätern und Verdächtigen gespeichert

In dieser Datenbank machen die DNA-Spuren im Vergleich zu herkömmlichen Fingerabdrücken bislang nur ein Zehntel aus, wie Oberstaatsanwalt Boie kritisierte. Insgesamt sind Schätzungen zufolge aber immerhin die Gendaten von mehr als 300.000 Straftätern und Verdächtigen gespeichert - und monatlich kommen rund 4.000 hinzu. Die bisherigen Ermittlungserfolge können sich sehen lassen: Nach Angaben von BKA-Präsident Jörg Ziercke wurden seit Einführung der Datei mit deren Hilfe fast 320 Tötungs-, 820 Sexual- und nahezu 2.000 Körperverletzungs- und Raubdelikte aufgeklärt.

Datenschützer lehnen es dagegen bislang ab, die DNA-Proben zum Routinewerkzeug jeder erkennungsdienstlichen Maßnahme zu machen. Sie befürchten einen Missbrauch der umfangreichen Informationen. Denn die Desoxyribonukleinsäure, die sich im Kern einer jeden Zelle mit Ausnahme der roten Blutkörperchen befindet, enthält alle Erbinformationen eines Lebewesens, etwa Haarfarbe, Aussehen und Erbkrankheiten.

"Wir gehen mit den Proben sehr sorgfältig um"

Polizei und Staatsanwaltschaft versuchen diese Bedenken zu zerstreuen: "Wir gehen mit den Proben sehr sorgfältig um", beteuerte SoKo-Leiter Pickert. Und auch der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Klaus Jansen, betonte: "Die DNA-Analyse ist eines der besten und erfolgreichsten Instrumente des Rechtsstaates im Kampf gegen Verbrechen." Daher müssten unverzüglich die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, Speichelproben zum Standard der erkennungsdienstlichen Behandlung zu machen. Im übrigen würden damit auch unschuldig Verdächtigte schnell entlastet.

Nach dem Fahndungserfolg meldete sich auch der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber zu Wort: Die DNA-Analyse müsse zum "Fingerabdruck des 21. Jahrhunderts" werden, verlangte der CSU-Vorsitzende. Und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude hat der Polizei zu ihrer "hervorragenden Fahndungsarbeit" gratuliert. "Ich beglückwünsche die Polizei, die mit Hilfe der DNA-Analyse verblüffend schnell Resultate geliefert hat".

Froben Homburger/AP / AP