BND-Affäre Beweise entlasten BND-Agenten


Die Vorwürfe, deutsche BND-Agenten hätten US-Streitkräften beim Orten ihrer Bombenziele in Bagdad geholfen, erweisen sich zunehmend als haltlos. Einen Hinweis darauf liefert der ominöse Luxuskarossen-Konvoi.

Nach Recherchen des stern treffen die Kernvorwürfe eines anonymen Informanten des Fernsehmagazins "Panorama" und der "Süddeutschen Zeitung" nicht zu. Danach sollen zwei während des Krieges in Bagdad verbliebenen BND-Mitarbeiter am 7. April 2003 Hinweise geliefert haben, die zur Bombardierung eines mutmaßlichen Aufenthaltsorts Saddam Husseins führten.

Laut dem Informanten hatte der US-Militärgeheimdienst DIA die beiden zu einer "Kontrollfahrt" aufgefordert, um die Existenz einer Mercedes-Kolonne vor einem Restaurant im Stadtteil Mansur zu bestätigen - was die beiden getan hätten, woraufhin der Häuserblock bombardiert wurde.

Nach Informationen des stern hat es eine solche Mercedes-Kolonne dort zum besagten Zeitpunkt nicht gegeben. Im April und noch einmal zwei Monate lang im Herbst 2003 hatte ein stern-Team in Bagdad Saddams Aufenthalte und Bewegungen während des Krieges recherchiert, mit ehemaligen Leibwächtern und Verwandten Saddams sowie mehr als 100 Augenzeugen gesprochen - darunter auch Anwohnern des am 7. April 2003 bombardierten Areals.

Demnach hat sich Saddam Hussein zwar mehrere Blocks entfernt aufgehalten. Doch er und die anderen Teilnehmer seines informellen Kriegskabinetts seien einzeln in alten Autos, zumeist Taxis, zum vereinbarten Treffpunkt gekommen. An einen Mercedes-Konvoi vor dem Restaurant erinnerte sich weder im April noch im Herbst 2003 einer der Zeugen. Abgesehen davon bewegte sich Saddam Hussein bereits seit dem letzten Golfkrieg nicht mehr in auffälligen Fahrzeugkolonnen.

Angst vor Verwechslung

Dagegen, dass ausgerechnet die beiden BND-Männer von den US-Militärs quer durch Bagdad zu einer hochgeheimen Erkundungsfahrt geschickt wurden, sprechen laut auch weitere Indizien:

Vom Fahrzeugtyp der Deutschen, einem gepanzerten Mercedes-Jeep der G-Klasse, gab es, so Volker H., einer der beiden BND-Mitarbeiter im April 2003 gegenüber dem stern "genau zwei in Bagdad. Einen haben wir - der andere gehört Uday", dem Sohn Saddam Husseins. Aus diesem Grund hätten sie "bei jeder Fahrt durch die Stadt Angst, dass die Amis uns verwechseln".

"Hätten Frau in Sicherheit gebracht"

Beide BND-Mitarbeiter waren in Bagdad als Diplomaten akkreditiert, ihre Identität war, so ein irakischer Zeuge gegenüber dem stern, dem Regime bekannt.

Bei dem Bombardement der Amerikaner, dem mindestens zwölf Zivilisten zum Opfer fielen, wurde auch das Haus eines früheren BND-Residenten stark beschädigt und die Haushälterin verletzt. Hätten die beiden BND-Agenten vorher von dem Schlag gewusst, hätten sie die Frau in Sicherheit gebracht.

Christoph Reuter print

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