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Eiswettfest in Bremen: Bürgermeisterin darf nicht zu Spendengala, weil sie eine Frau ist – das sagt sie zum "Eiswett-Herrenclub"

Jedes Jahr wird in Bremen die "Eiswette" gefeiert. Die Bürgermeisterin der Stadt war bei der Benefizveranstaltung allerdings nicht erwünscht. Das Event sei nur für Männer, so die Veranstalter. Wir haben mit der Bürgermeisterin über die umstrittene Entscheidung gesprochen.

Bremens Bürgermeisterin Karoline Linnert von den Grünen

Die Bremer Bürgermeisterin Karoline Linnert hat für die Entscheidung der "Eiswett"-Veranstalter kein Verständnis, sie widerspricht ihrer Auffassung von Demokratie

DPA

Beim traditionsreichen "Eiswettfest" in Bremen war Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne) nicht erwünscht. Die 60-Jährige hatte den Bremer Regierungschef Carsten Sieling (SPD) vertreten sollen, der eingeladen war, aber nicht teilnehmen konnte. Sieling war auf der Beerdigung des getöteten Danziger Bürgermeisters Pawel Adamowicz. Linnert ist dem Protokoll nach die offizielle Vertreterin Sielings, wurde aber vom "Verein Eiswette von 1829" nicht zu dem Spendenmahl geladen.

"Wir sind ein Herrenclub, machen diesen Gendergaga nicht mit"

Beim traditionellen "Eiswettfest" kommen Hunderte Männer, um Spenden für die "Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger" zu sammeln. Eiswett-Präsident Patrick Wendisch sagte der "Bild"-Zeitung zu der viel kritisierten Nichteinladung: "Wir sind ein Herrenclub, machen diesen Gendergaga nicht mit. Selbst der Papst würde nicht eingeladen, wenn er eine Frau wäre." Bremens Bürgermeisterin machte ihrem Unmut über die Entscheidung auf Facebook Luft und kommentierte die Entscheidung unter anderem so: "Wir feiern in Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht – und die Eiswette hält es unter dem Deckmäntelchen der Tradition immer noch für richtig, Frauen auszuschließen." Ihr Beitrag erhielt knapp 100 Kommentare – darunter viel Zuspruch, aber auch reichlich Kritik.

Linnert: "Die Veranstalter haben eine große Chance verpasst"

Überrascht war Linnert von der Entscheidung der Veranstalter nicht. "Damit habe ich gerechnet. Das ist doch schon seit Jahrzehnten so", so die Politikerin zum stern. Ihr hätten die "Eiswett"-Veranstalter eher leidgetan, schließlich hätten sie eine große Chance, mit der veralteten Tradition zu brechen, nicht genutzt. Auch die Reaktionen auf Facebook lassen Linnert nach eigener Aussage unberührt. Wenn jemand Blödsinn verbreite, sei das zwar nie schön, aber sie hätte gar keine Zeit, alle Kommentare und Nachrichten auf Facebook zu lesen.

"Da werden schon komische Argumente angeführt. Die Frauensauna zum Beispiel. Das sei auch ein exklusiver Ort nur für Frauen. Ich bin aber der Meinung, dass es etwas anderes ist, ob wir über eine privat organisierte Sauna oder eine öffentliche Veranstaltung sprechen." Zur Frage, warum sie die Veranstalter auf Facebook überhaupt kritisiert habe, sagt sie wie aus der Pistole geschossen: "Was hätte ich denn sonst machen sollen?!" Fortschrittliche Grünen-Politikerinnen setzten sich in Bremen schließlich schon seit 30 Jahren für eine Veränderung der Regelung ein. Das sei Teil grüner Frauenpolitik. 

"Denen fehlt der Respekt vor der Verfassung"

Den Männern der Bremer "Eiswette" fehle, so die Grünen-Politikerin, "der nötige Respekt vor der Verfassung." Für sie geht es um die Frage, ob man als "Eiswett"-Veranstalter selber darüber entscheiden dürfe, wer die Regierung vertritt. Die Antwort sei eindeutig "Nein". "Das war einfach zu viel. Das Maß ist voll", so Linnert im stern-Gespräch. 

Quellen: Facebookseite von Karoline Linnert / bild.de

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