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Bundeskanzlerin in Indien: Merkel buhlt um den Giganten

Angela Merkel ist zusammen mit einer 140-köpfigen Delegation in Indien eingetroffen. Dort will sie vor allem um bessere wirtschaftliche Beziehungen zwischen beiden Staaten werben. In Sachen Umweltschutz verspricht sie, ein "faires Klimaschutzabkommen" auszuhandeln.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Beziehungen zu Indien auf eine möglichst breite Basis stellen. "Wir wollen die strategische Partnerschaft zwischen Indien und Deutschland ausbauen, intensivieren, und das auf allen Ebenen", sagte sie auf einem Wirtschaftsforum in Neu-Delhi. Sie plädierte dafür, die Wirtschaft ins Zentrum der bilateralen Zusammenarbeit zu stellen und warb für den Abbau von Handelshemmnissen und Bürokratie. Gleichzeitig lud sie indische Unternehmen zu Investitionen in Deutschland ein.

Merkel wird auf ihrer viertägigen Indien-Reise von einer 140-köpfigen Delegation begleitet, der neben zahlreichen Top-Managern auch Vertreter von Wissenschaftsverbänden und Entwicklungshilfeorganisationen angehören. Auch das zeige, "dass die deutsch-indische Kooperation keine Schmalspurstrecke ist, sondern dass wir wirklich auf der gesamten Bandbreite intensiv mit Indien zusammenarbeiten wollen", sagte Merkel. Für die wirtschaftliche Zusammenarbeit sieht die Kanzlerin noch ein großes Potenzial. Das Volumen des Handels zwischen Deutschland und Indien betrug im vergangenen Jahr 10,5 Milliarden Euro. Trotzdem steht Indien in der Rangliste der wichtigsten Handelspartner der deutschen Wirtschaft nur auf Platz 29. Für ein verstärktes deutsches Engagement in Indien hält Merkel vor allem die Bereiche Infrastruktur und Finanzen für geeignet.

Merkel wirbt für Investitionen

Über die Entwicklungszusammenarbeit könnten Türen für kleine und mittelständische Kooperationen geöffnet werden, fügte sie hinzu. Merkel wies auf den deutschen Überschuss beim Handel mit Indien hin und warb im diesen Zusammenhang für Investitionen in Deutschland. "Uns sind indische Investitionen in Deutschland herzlich willkommen", sagte sie. "Da ist eine Menge Raum, etwas zu machen." Für Kooperationen im Forschungsbereich sieht Merkel gute Chancen in den Bereichen Gesundheit, Biotechnologie, Raumfahrttechnik und Klimaschutz.

Merkel nutzte die Gelegenheit auch, um zu einem fairen Klimaschutzabkommen zwischen Industrie-, Entwicklungs- und Schwellenländern aufgerufen. "Wir sollten gemeinsam beweisen, dass wir willens sind, ein faires Abkommen für die Zeit nach 2012 zu schließen", sagte sie in Neu Delhi auf dem deutsch-indischen Wirtschaftsforum. 2012 läuft das Kyoto-Klimaschutzabkommen aus. Merkel sagte, die Frage, wie man zu einem neuen multilateralen Abkommen komme, sei von allergrößter Wichtigkeit. Langfristig sei eine gerechte Entwicklung auf der Welt nur möglich, wenn jedem Menschen das gleiche Recht auf Emissionen zugestanden werde.

Eine faire Zusammenarbeit anstreben

"Anders werden wir uns nicht einigen können", betonte Merkel. "Wie wir aber auf einem vernünftigen Pfad zu dieser Entwicklung kommen, darüber müssen wir sprechen." Dabei würden die Themen Technologietransfer, Verbesserung der Energieeffizienz und Vermeidung von Fehlern, die die Industrieländer in der Vergangenheit machten, eine wichtige Rolle spielen. "Wir müssen uns überlegen, inwieweit wir eine faire Zusammenarbeit zwischen den aufstrebenden Ländern, den Entwicklungsländern und den entwickelten Ländern hinbekommen."

Merkel sagte, Indien gehöre angesichts seiner rund 1,1 Milliarden Einwohnern noch zu jenen Ländern, die pro Kopf nur sehr geringe Emissionen hätten. Sie betonte aber: "Was das Gesamtvolumen anbelangt, ist Indien auch schon nicht mehr zu vernachlässigen." Die aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien sieht zunächst vor allem die Industrieländer in der Pflicht, ihre Emissionen zu verringern.

DPA/AP / AP / DPA