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Bundespräsidenten-Debatte: Wolfgang Schäuble muss warten

Die Suche nach einem Kandidaten für das Bundespräsidentenamt droht zur Zerreißprobe zwischen CDU und CSU zu werden.

Die Suche nach einem Kandidaten für das Bundespräsidentenamt droht zur Zerreißprobe zwischen CDU und CSU zu werden. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel dementierte am Dienstag Angaben aus der CSU-Führung, wonach sie sich mit CSU-Chef Edmund Stoiber auf den früheren Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble festgelegt habe. "Wir haben uns nicht geeinigt", erklärte Merkel laut ARD. Gegenüber Montag gebe es "überhaupt keinen neuen Sachstand".

Soll Wolfgang Schäuble Bundespräsident werden?

Öffentliche Diskussionen ertragen

Wolfgang Schäuble muss warten. Auf wen auch immer sich die drei Parteichefs Angela Merkel (CDU), Edmund Stoiber (CSU) und Guido Westerwelle (FDP) als gemeinsamen Kandidaten für das Präsidentenamt verständigen werden: Der 61-Jährige wird das Ergebnis der Beratungen wie ein Prüfling nur entgegennehmen können. Bis dahin muss er auch aushalten, dass in der Öffentlichkeit über seine Chancen diskutiert wird. Beispielsweise über die Frage, ob er wirklich der am besten geeignete Mann ist.

Seit Monaten weicht Schäuble der Frage aus, ob er das höchste Staatsamt überhaupt anstrebt. Da, wo er sich den Medien stellen musste, wie im Januar auf der CSU-Klausur, hielt er sich zurück: "Ich beteilige mich nicht an dieser Debatte. Was immer ich sagen würde - jeder vernünftige Mensch würde danach sagen, das hätte er besser nicht gesagt."

Der Name des Fraktionsvizes der Union war als erster genannt worden, als vor einem Jahr die Diskussion über einen Oppositions- Kandidaten für die Nachfolge von Johannes Rau begann. Schon im Spätsommer des vergangenen Jahres hatte Schäuble, der nach dem Attentat eines Verwirrten im Rollstuhl sitzt, schon Signale ausgesandt, dass er gerne möchte.

Unterstützung in den Unions-Reihen

In einem Interview referierte er über den allgemeinen Zustand der Nation, das Verhältnis zwischen Alt und Jung sowie das föderale System in Deutschland - typische Themen eines Staatsoberhaupts. Diese Wortmeldungen waren einigen in der Union schon zu viel. Schäuble habe zu deutlich den Finger gehoben, hieß es damals. Dennoch hat er in den Reihen der Union die größte Unterstützung.

"Der Beste ist Wolfgang Schäuble"

Noch am Montag wollten der hessische Ministerpräsident Roland Koch und Fraktionsvize Friedrich Merz nach dem Eindruck von Teilnehmern im CDU-Präsidium eine Vorfestlegung auf Schäuble erreichen. "Das muss der Beste werden, und der Beste ist Wolfgang Schäuble", sagte Merz. Merkel warnte - vergeblich - davor, Namen zu nennen, bevor das Gespräch mit der FDP-Spitze stattgefunden hat.

"Kronprinz" unter Kohl

Schäuble kennt die Situation. Schon zu Helmut Kohls Kanzler-Zeiten galt er als der "Kronprinz" des Pfälzers. Aber erst als sich dessen Kanzlerschaft dem Ende zuneigte, sprach sich Kohl für Schäuble aus. Als CDU-Vorsitzender scheiterte Schäuble Anfang 2000 wegen seiner Verwicklung in der Spendenaffäre.

Die CDU und ihre neue Vorsitzende Merkel wollten aber nicht auf einen Politiker vom Format Schäubles verzichten. Er übernahm in der Fraktion das Feld der Außenpolitik. Ob es für ihn doch noch für das höchste Staatsamt reicht, erscheint nach den Verwirrungen über eine Festlegung auf ihn gegenwärtig völlig offen.

Ulrich Scharlack/DPA, AP / AP / DPA