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Bundesverband Erneuerbare Energien: "Ich will kein Lobbyist sein"

Johannes Lackmann hat am Donnerstag sein Amt als Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien aufgeben. Im stern.de-Interview erklärt er, warum er das Amt hinschmeißt.

Herr Lackmann, warum haben Sie keine Lust mehr auf das Präsidentenamt beim Bundesverband Erneuerbare Energien?

Es geht hier nicht um Lust. Ich wollte und will Politikberatung machen um Ökologie und Ökonomie in einer neuen Branche zusammenzuführen. Die Ziele dabei sind Umweltschutz, Versorgungssicherheit aber auch wirtschaftliche Entwicklung. Diese Ziele sind weitgehend erreicht, die Entwicklung ist unumkehrbar geworden.

Sie haben sich durch Ihre Arbeit überflüssig gemacht?

Das kann man ein Stück weit so sagen, wobei ich das nicht alleine gemacht habe. Ich war ein Teil dieser Entwicklung. Es ist ein Kennzeichen dieser Branche, dass sie dezentral angelegt ist. Jetzt muss man nachdenken und schauen, wie es weitergeht. Es ist jetzt nicht mehr die Zeit, in der mit ehrenamtlichen Strukturen etwas aufgebaut werden muss.

Es steht die parlamentarische Beratung der Novelle des Erneuerbare Energie Gesetzes an. In dieser Zeit treten Sie zurück.

Es mag etwas befremdlich sein, das gebe ich zu. Aber es hat sich eine Wirtschaftsbranche entwickelt mit heterogenen und teilweise divergierenden Interessen. Es war immer mehr ein gewisser Autismus verschiedener Branchen erkennbar, jeder versucht nur noch für sich zu kämpfen. Besonders stark ist die Solar-Lobby, das ist sicherlich kein Geheimnis. Glaubwürdig kann man nur sein, wenn man den Rücken frei hat von solchen Einzelinteressen. Wenn man aber als Verbandspräsident am Gängelband einzelner Interessen hängt, kann man keine Politikberatung machen, sondern ist nur Lobbyist. Das will ich nicht machen, wenn diese Interessen in Konflikt geraten mit gesellschaftspolitischen Zielen. Ich will nicht um jeden Preis irgendwelche materiellen Unternehmensinteressen umsetzen.

Der Zeitpunkt Ihres Rücktritts kam sehr überraschend.

Ein Rücktritt ist anders aber kaum sinnvoll zu gestalten, es ist völlig unmöglich, lange vorher einen Rücktritt anzukündigen. Das macht man entweder, und dann macht man es kurzfristig, oder man lässt es bleiben. Ich bin nicht jetzt zurückgetreten, obwohl wir in der politischen Diskussionsphase sind, sondern weil auch in dieser Phase noch Gestaltungsfragen zu lösen sind. Und dafür will ich den Rücken frei haben.

Wer steht Ihnen denn im Rücken?

Ich will keine Details nennen. Ich habe schon mal im Rahmen der Politikberatung Positionen vertreten, die nicht im Interesse einzelner Branchen waren, wo ich der Politik gesagt habe, an dieser Stelle sind Forderungen einzelner Branchen überzogen. Ein Beispiel: Große Hersteller von Windenergieanlagen wollen gemeinsam mit den Stromkonzernen in der EU einen Zertifikate Handel für Ökostrom. Dadurch wird Ökostrom unnötig teuer und die mittelständische Struktur der Branche geht verloren.

Die Unternehmen machen jetzt ihre eigene Lobby-Arbeit in Brüssel. Hier bricht die Branche auseinander. Ich wäre aber immer mehr in eine Lobbyisten-Rolle hineingezogen worden. Es ist doch gerade lächerlich für eine Branche, die 20 Milliarden Euro im Jahr umsetzt, als ehrenamtlicher Lobbyist aufzutreten. Meine Ziele sind eben nicht immer konform mit den Einzelinteressen der verschiedenen Branchen innerhalb des Dachverbandes. Mir geht es darum, die Gesamtgestaltung vernünftig zu lenken.

Wie wird es weitergehen mit dem BEE?

Wenn sich der BEE als Interessenvertretung nur noch für die wirtschaftliche Entwicklung der Branche einsetzt, ist das eine klare Aufgabe. Das ist dann aber nicht mehr meine Sache. Es macht keinen Sinn, bestimmte Entwicklungen zu ignorieren. Man muss dann ehrlich mit sich und der Situation umgehen. Wenn die Branche kein Interesse hat, sich anders als die alte Energiewirtschaft zu strukturieren, dann ist das eben so.

Wie groß ist Ihre Enttäuschung über diese Entwicklung?

Erst mal ist die Entwicklung der erneuerbaren Energien eine Erfolgsstory mit der ich zufrieden bin. Die Entwicklung der Struktur sehe ich mit Bedenken. Persönlich falle ich nicht in ein tiefes Nichts. Es war immer eine ehrenamtliche Tätigkeit. Ich bin immer noch in der Branche tätig mit Windkraftprojekten. Wechsel ist normal und notwendig, ich halte es vielmehr für einen Fehler in der Politik, ewig an Ämtern und Posten zu kleben.

Wer wird Ihr Nachfolger?

Das ist völlig ungewiss. Die Frage wird bis zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Januar diskutiert werden. Dann wird auch entschieden, ob der BEE künftig nur Lobbyarbeit macht, und damit die Interessen der einzelnen Unternehmen vertritt oder ob es um politische Gestaltung geht. Das würde aber auch einen Gestaltungswillen der Branche und der Fachverbände voraussetzen, es müsste eine Menge passieren.

Interview: Markus Baluska

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