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Bundeswehr: CDU-Politiker fordert Abzug aus Afghanistan

Der CDU-Verteidigungsexperte Willy Wimmer hält den Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan für "überfällig". Im stern spricht sich Wimmer sogar für einen einseitigen Rückzug der deutschen Soldaten aus. "Es ist nicht unser Krieg", sagt er.

Verteidigungsexperte Willy Wimmer (CDU) will die deutschen Soldaten aus Afghanistan abziehen. In einem Beitrag des am Donnerstag erscheinenden stern plädiert Wimmer sogar für einen einseitigen Rückzug des deutschen Kontingents: "Es ist nicht unser Krieg." Der CDU-Bundestagsabgeordnete schließt sich damit den Forderungen der Linken an, befindet sich in seiner Fraktion allerdings in einer Außenseiterrolle.

Wimmer hält das Argument, in Afghanistan werde der internationale Terrorismus bekämpft, nur noch für vorgeschoben. "Was ist mit Osama bin Laden? Wird er tatsächlich gejagt? Ist er je gejagt worden? Oder stimmt der Eindruck, hier werde jemand der Welt wie Sauerbier angeboten?", schreibt er im stern. Das UN-Mandat, auf dessen Grundlage die Bundeswehr in Afghanistan sei, tauge nicht mehr. "Bis zum Hals sind wir im afghanischen Schlamm versunken. Es wird große Mühe kosten, dort wieder herauszukommen", so Wimmer.

Im Norden Afghanistans sind derzeit 3500 deutsche Soldaten im Rahmen der Nato-geführten Internationalen Schutztruppe (ISAF) stationiert, die meisten von ihnen in Masar-i-Scharif. Am 1. Juli übernahm Deutschland von Norwegen die rund 200 Mann starke Schnelle Eingreiftruppe, die Anschläge verhindern und kritische Situationen beruhigen soll.

Am Dienstag hatte die Bundesregierung ein neues Afghanistan-Konzept verabschiedet. Es sieht vor, dass die Zahl der Bundeswehrsoldaten von höchstens 3500 auf bis zu 4500 steigen darf. Ein entsprechendes neues Mandat wurde aber noch nicht beschlossen; dies soll im Oktober geschehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel räumte ein, ein Ende des Einsatzes sei nicht absehbar. "Ich kann einen genauen Zeitrahmen nicht nennen", sagte sie.

Darüber hinaus hatte die Bundesregierung beschlossen, die zivile Aufbauhilfe von 100 auf 170 Millionen Euro aufzustocken.

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