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Bundeswehr-Video: Bislang keine Strafe für Ausbilder

Neue Details im Fall des Bundeswehr-Videos: Der Ausbilder, dessen rassistische Äußerungen weltweit für Empörung gesorgt haben, wurde nach stern.de-Informationen nicht strafversetzt.

Von Malte Arnsperger

Im Fall des rassistischen Bundeswehr-Videos, über das stern.de exklusiv berichtet hatte, kommen neue Details ans Licht. Anders als bisher von der Bundeswehr behauptet, wurde der verantwortliche Ausbilder nicht wegen des Vorfalls versetzt. Grund für die reguläre Versetzung des Mannes, der einen Grundwehrdienstleistenden auf einem Video dazu animiert, an "Afroamerikaner" in der Bronx zu denken und "Motherfucker" zu brüllen, war vielmehr das Ende seines Praktikums an der betroffenen Kaserne im schleswig-holsteinischen Rendsburg, sagte Oberstleutnant Peter Paluch, der Kommandeur der Kaserne, stern.de. Der Mann sei Fahnenjunker. Dieser Rang entspricht dem eines Unteroffiziers, und ist der erste Schritt in der Offizierslaufbahn.

"Für drei Monate abkommandiert"

Er sei lediglich von Juli bis September in Rendsburg tätig gewesen, so Paluch. Im September sei der Mann, wie übrigens auch der zweite Ausbilder, der das Video gefilmt hat, an die Führungsstreitkräfteschule Feldafing in Bayern zurückversetzt worden. Ein Sprecher des Presse- und Informationszentrums der Streitkräftebasis (SKB) bestätigte dies gegenüber stern.de: "Die beiden Ausbilder wurden von Feldafing für drei Monate nach Rendsburg abkommandiert und sind im September nach Feldafing zurückgekommen." Die Männer seien inzwischen aber wieder versetzt worden. Ob dies etwas mit dem Video zu tun hat, wollte der Sprecher nicht kommentieren. Noch am Freitag hatte der Sprecher der Kaserne in Rendsburg zu stern.de gesagt, der Ausbilder sei wegen des Vorfalls von Rendsburg versetzt worden.

Das Motherfucker-Video auf myvideo.de

Gegen die beiden Männer wird nach Angaben eines Sprechers des Bundesverteidigungsministerium seit dem Bekanntwerden des Videos im Januar ermittelt. Vorstellbar seien sowohl disziplinarrechtliche Strafen wie auch dienstrechtliche Maßnahmen, sagte der Sprecher. Damit ist sowohl ein Verweis, ein Disziplinararrest, eine Degradierung oder die Entlassung möglich. Die rechtliche Bewertung sei allerdings noch nicht abgeschlossen, da die unter Umständen drohenden Strafen "einschneidend" seien, sagte der Sprecher. Es sei aber ein schwerwiegender Fall eines Fehlverhaltens in der Ausbildung.

"Unakzeptables Fehlverhalten"

Während seines dreimonatigen Aufenthaltes in Rendsburg habe der Fahnenjunker, sein Alter gab der Rendsburger Kommandeur Paluch mit Anfang 20 an, zum ersten Mal die Ausbildung von Grundwehrdienstleistenden geleitet. In seiner Zeit in Rendsburg habe der Mann trotz seiner Unerfahrenheit gute Arbeit abgeliefert und sei nicht negativ aufgefallen, sagte Paluch. Deshalb habe man in Rendsburg das Skandal-Video fassungslos und mit großer Bestürzung aufgenommen. "Das gehört in keinster Weise zu dem, was wir hier ausbilden." Der betroffene Grundwehrdienstleistende habe sich zu dem Vorfall ihm gegenüber geäußert, Details wollte Paluch aber nicht nennen.

Währenddessen versucht die Bundeswehr die Wogen, die das Video in der ganzen Welt ausgelöste hat, zu glätten. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums sprach gegenüber stern.de von einem "Fehlverhalten, das in keiner Weise unserem Verständnis von Führung entspricht. Es ist unakzeptabel und widerspricht dem Grundsatz der Bundeswehr". Eine Entschuldigung an Schwarze in New York, wie vom Bürgermeister der Bronx und Menschenrechtlern gefordert, sei aber Sache des Außenministeriums.

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