VG-Wort Pixel

Burglengenfeld Bürgermeister erblindet fast komplett – doch Thomas Gesche lässt sich nicht unterkriegen

Thomas Gesche
Thomas Gesche hat nach seiner Krankheitspause wieder den Dienst als Bürgermeister von Burglengenfeld aufgenommen
© Stadt Burglengenfeld / Youtube
Thomas Gesche, Bürgermeister der bayerischen Stadt Burglengenfeld, verlor in kürzester Zeit nahezu sein komplettes Augenlicht. Dennoch will er sein Amt weiter ausfüllen – und damit auch anderen Menschen mit Handicap Mut machen.

Ein seltener Gendefekt hat das Leben von Thomas Gesche radikal verändert: Der Bürgermeister der bayerischen Stadt Burglengenfelden ist dadurch nahezu vollkommen erblindet. Ihm bleiben nur noch acht Prozent seiner Sehkraft, offiziell gilt Gesche damit als hochgradig sehbehindert. Zwei Monate lang konnte der CSU-Politiker sein Amt deshalb nicht ausführen. Doch Gesche will sich von seiner Erkrankung nicht unterkriegen lassen und seine politische Karriere weiterführen.

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Mittlerweile hat Gesche die Amtsgeschäfte in der Stadt mit 13.500 Einwohnern wieder aufgenommen. Der Bürgermeister ist seit 2014 im Amt und wurde im vergangenen Jahr per Stichwahl wiedergewählt. In einer Videobotschaft an die Bürger der Stadt sprach der 36-Jährige offen über seine Krankheitsgeschichte. "Ich konnte normale Briefe nicht mehr lesen, am Bildschirm Dinge nicht mehr erkennen oder auf dem Handy Botschaften nicht mehr lesen", berichtet Gesche.

Burgenlengenfeld: Bürgermeister hat nur noch acht Prozent Sehkraft 

Schuld daran waren nicht etwa – wie zunächst von den Ärzten vermutet – schlechte Blutzuckerwerte, sondern eine genetisch vererbte Erkrankung, durch die ein Nerv im Kopf geschädigt war. Innerhalb von zwei bis drei Tagen nahm seine Sehkraft drastisch ab. Dadurch kann Gesche nur noch ein bis zwei Meter weit scharf sehen. Alltägliche Dinge, beispielsweise die Straße zu überqueren, sind für ihn schwierig geworden. Bei Menschen, die den coronabedingten Abstand von zwei Metern einhielten, könne er lediglich die Umrisse erkennen, erzählt Gesche.

Der Bürgermeister aus dem Landkreis Schwandorf in Ostbayern befindet sich in intensiver ärztlicher Betreuung. Doch auch ihm ist bewusst: Im schlimmsten Fall kann sich sein Zustand noch weiter verschlechtern, die Erkrankung könnte zur vollständigen Erblindung führen. Dennoch bleibt Gesche optimistisch: "Es gibt für mich nur eine Richtung – und die heißt vorwärts."

Covid-19: "Konnte die Zahnbürste nicht mehr halten" – 35-Jähriger kämpft sich sechs Monate lang ins Leben zurück

Thomas Gesche: "Ich bin so motiviert wie nie zuvor"

Der CSU-Politiker ist sich sicher, sein Amt nach wie vor gut ausfüllen zu können – auch dank vieler technischer Möglichkeiten. Sein Handy bedient Gesche jetzt per Sprachsteuerung, Texte lässt er sich vom Computer vorlesen. Auf Papier braucht er Schriftgröße 70, um etwas lesen zu können. "Ich lebe derzeit so bewusst und so lebensfroh wie nie zuvor und kann auch sagen, ich bin so motiviert wie nie zuvor", versichert er den Bürgern seiner Stadt.

Mit der Entscheidung, seinen Posten weiterzuführen, versteht sich Gesche auch als ein Vorbild für andere Menschen mit Handicap. "Es gibt viele Menschen, die ein Handicap haben und eingeschränkt sind. Das hindert uns aber nicht daran, ganz normal am Leben teilzunehmen und unseren Dienst zu leisten", sagt er. Dem BR sagte Gesche, von den Bürgern habe er in den vergangenen Wochen viel Zuspruch bekommen.

In der Spitzenpolitik gibt es einige prominente Beispiele dafür, wie sich körperliche Einschränkungen mit politischen Ämtern vereinbaren lassen. Wolfgang Schäuble (CDU) sitzt seit 1990 im Rollstuhl, war Bundesinnen- und Finanzminister und bekleidet als Bundestagspräsident das zweithöchste Amt der Bundesrepublik. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erkrankte 1995 an Multipler Sklerose und ist ebenfalls immer wieder auf den Rollstuhl angewiesen.

Quellen: Stadt Burglengenfeld auf Youtube / BR

epp

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker