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Christian Wulff: Der Ausgekochte

Er tut harmlos und sanft. Aber sein Ziel verfolgt er knallhart. Christian Wulff will in Niedersachsen wieder gewinnen und so zu Merkels Kronprinzen aufsteigen.

Von Beate Flemming

Was auch passiert, die Maschine braucht maximal 30 Sekunden, um sich über Nacht auszuschalten. Exakt 28 Minuten dauert es morgens, bis sie startklar ist. Ideen generiert sie unter der Dusche. Sie kann einen fingerdicken Stapel mit kopierten Zeitungsartikeln über Struck, Koch und den ganzen Irrsinn in 30 Sekunden durchsehen. Sehr sparsam ist sie: Sie trinkt keinen Alkohol, raucht nicht und redet nicht über ihr Privatleben, außer wenn es gerade ins Programm passt. Sie funktioniert fast perfekt. Nur Entscheidungen zögert sie hinaus, manchmal bis zum Haareraufen der Mitarbeiter.

Rund 90 Stunden pro Woche ist die Maschine im Einsatz, von montags bis sonntags. 10 bis 15 Termine am Tag. Immer spuckt sie dabei was Passendes aus, im Altersheim ("Wir diskutieren die Alten zu sehr als Last") oder im Dorf an der holländischen Grenze ("Im ländlichen Raum liegt die Dynamik, die wir brauchen"). Dazwischen gibt sie immer mal wieder den aktuellen Stand durch: noch 90, noch 74, noch 70 Termine bis zum 27. Januar! Dann wird gewählt in Niedersachsen. Ja, auch in Niedersachsen, obwohl alle nur nach Hessen gucken auf Roland Koch und seinen Kampf um die "schweigende Mehrheit".

Laut Umfragen sieht es sehr gut aus für Christian Wulff und die niedersächsische CDU, doch die Maschine stellt nüchtern fest: "Stimmungen sind ja schön, aber noch keine Stimmen." Zweimal hatte Wulff in den 90er Jahren verloren, gegen "die härteste Nuss, die die Sozialdemokraten zu vergeben haben", wie er seinen damaligen Gegner Gerhard Schröder preist. Das hat ihm Respekt eingeflößt. Auch vor den niedersächsischen Wechselwählern. Es hat ihn knallhart gemacht. Wer so brutal verloren hat, der hat keine Angst mehr. Außer vor dem Tod. Dem politischen.

Christian Wulff will am 27. Januar nicht nur die Wahlen in Niedersachsen gewinnen, sondern auch Roland Koch aus Hessen besiegen, den anderen Wahlkämpfer aus der CDU, den inoffiziellen Merkel-Ersatz- Kanzler. Die Rolle will Wulff mit sich besetzen. Dafür muss er a) besser abschneiden als Haudrauf Koch. Und b) besser rüberkommen. Viel besser. Deshalb die 2,5 Millionen Euro für eine Image-Kampagne. Deshalb noch mehr Termine als sonst, denn was zählt, ist "die unmittelbare Begegnung. Wenn beim Kaffeekränzchen alle über die Politiker herziehen, dann sagt vielleicht eine Dame: 'Moment mal, da habe ich doch einen gesehen, der ist anders.'"

Er sieht aus wie ein Schauspieler

Dieses Anderssein zelebriert Christian Wulff, 48, wie kein anderer. Der nette Herr Wulff. Zufällig auch noch Politiker. Und Machtmensch. Was vor der Paracelsus-Klinik in Osnabrück aus dem A8 springt, sieht viel zu gut aus für einen Politiker. Dunkler Anzug, blaue Augen, Randlos-Brille. Unter dem Blitzlichtgewitter der Fotografen sieht er aus wie ein Schauspieler, der einen Politiker spielt. Genau das hat er ja auch schon, in Dieter Wedels Fernsehfilm "Mein alter Freund Fritz". In dem hat er ein Krankenhaus eröffnet, so wie an diesem Vormittag. Darin hat er schon einen kleinen Eröffnungsgag für seine Rede. Er sagt: "Das war nicht schwer. Ich habe mich selbst gespielt." Und weil das niemand so gut kann wie er, habe er sogar seinen Drehbuchtext umgeschrieben.

Klar war das nicht schwer. Wulff macht seit Jahren nichts anderes. Vier Bücher mit und über Wulff gibt es. Das aktuellste heißt "Besser die Wahrheit". Zumindest ist es eine, die er signiert.

Man weiß ja einiges über Wulff. Aber nur das, was er einen wissen lassen will. Dass er Anzüge von der Stange trägt, Größe 52, dass er italienische Pasta mag. Sogar dass er sich nach fast 20 Jahren Ehe scheiden lässt und mit der deutlich jüngeren Bettina Körner, 34, PR-Frau bei Continental und Mutter eines vierjährigen Sohnes, ein Kind erwartet. Aber das weiß man nur, weil er das private Drama mitsamt schönen Bildern professionell für die Öffentlichkeit inszeniert hat. Wulff: "Ich habe sehr viele, sehr glückliche und wichtige Jahre mit meiner Frau verlebt … So wie wir uns gemeinsam getrennt haben, werden wir auch gemeinsam unsere Scheidung einvernehmlich …" und so weiter.

Nachfragen verboten. "Ich opfere alles für die Politik, nur nicht mein Privatleben", sagt Wulff. Nicht noch mal. 1998 hatte er in Richtung Scheidungs-Multi Schröder gestänkert: "Meine Ehe hält schon zehn Jahre." Heute beteuert er: "Ich habe nie etwas gesagt." 2003, beim dritten Wahlanlauf, mussten Frau Christiane und Tochter Annalena mit in den Wahlprospekt.

Image ist alles

"Das hat er hingekriegt", sagt einer aus dem Maschinenraum der CDU. "Aber er wird den Preis für dieses Spiel eines Tages bezahlen." Oder auch nicht. Image ist alles in der Medienrepublik Deutschland, und niemand lenkt so gekonnt ab von dem, was dahintersteckt, wie Christian Wulff. Nicht mal, dass er gerade zweieinhalb Kilo zugenommen hat, soll man schreiben. "Gesendet, verendet", sagt Wulff, "wer schreibt, bleibt". Lange Pausen macht er, bevor er auf Fragen antwortet. Oder schweigt. Bis zu den Wahlen möchte er nicht sagen, worin sich Angela Merkels Führungsstil von seinem eigenen unterscheidet, denn "die Antwort würde eine Kritik einhalten". Nur so viel: "Manchmal wünschte ich mir in Berlin etwas mehr Gelassenheit."

Volkswagenhalle Braunschweig. Einmarsch des CDU-Spitzenkandidaten und der Kanzlerin. Merkels Gesicht im Scheinwerferlicht der Kameras: ein planiertes Schlachtfeld überstandener Machtkämpfe. Wulffs Gesicht: glitzert wie Neuschnee. Man brauche leider eine zu dicke Haut als Politiker, hat Wulff vor zwei Tagen im Gespräch gesagt. Er wünschte, es gäbe mehr dünnhäutige Politiker. Merkel hat eine Visagistin. Und Wulff? Trägt Schafspelz. Hat einen Ruhepuls von 56 und sagt: "Andere leben intensiver. Ich lebe länger."

Sogar ganz unten in Niedersachsens CDU ist Wulffs Karrierefahrplan bekannt: "Spätestens 2013 geht sein Zug nach Berlin", sagt Dieter Drell von der CDU Ahlem. Dann ist Wulff 54, so alt wie Schröder 1998. Wulff weist jegliche Ambitionen auf das Kanzleramt stets mit einer Handvoll Ausflüchten zurück: zu dünne Luft, zu wenig Privatleben, gehe lieber in die Wirtschaft …

Trotzdem sollte Merkel nicht unbedingt auf ihren Stellvertreter bauen. Als sie 2005 kandidierte, mobbte CDU-Vize Wulff ihren Vorzeigeexperten Paul Kirchhof und dessen Flat Tax über die Medien. Zu den Stützen ihrer Großen Koalition zählt er, anders als Koch, nicht gerade. Dabei stänkert Wulff selten selbst. Er lässt stänkern. Ist besser fürs Image.

Was schadet? Was nutzt?

Auch beim Thema Koch wirkte Schnellsprecher Wulff lange recht wortkarg. Keine Kritik, wenig Zustimmung. Man weiß ja nicht, was nutzt, was schadet. Es war Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein, der die Knast-Krawall-Kampagne nach Niedersachsen zu tragen versuchte. Haus Rahenkamp, Osnabrück, die Stadt, in der Wulff aufgewachsen, sogar einmal sitzengeblieben ist, nicht wenige im Saal kennen ihn, seit er 14 ist. Der bayerische Haushalt habe ein Volumen von 39 Milliarden Euro, sagt Beckstein. Und Schulden in Höhe von 23 Milliarden. Niedersachsen dagegen: 24 Milliarden Haushalt, 48 Milliarden Schulden. Wulffs Gesicht fällt kurz in den Keller. Das soll Wahlkampfhilfe sein? Die U-Bahn-Schläger aus München - "so jemand gehört hinaus, lieber heute als morgen", wettert Beckstein. Von allen Gästen im Saal klatscht Wulff am zögerlichsten. "Ich bin hier in Niedersachsen. Ich habe nichts damit zu tun", judasküsst Wulff tags darauf vor Jugendlichen den Kollegen Koch.

Zwei Wochen davor hat er noch auf der Bühne in Uelsen gerufen: "Wenn ein 20-Jähriger kriminell wird, dann sollte die Höchststrafe nicht bei 10 Jahren liegen, sondern bei 15!" Kein Feuer im Blick, nicht mal ein Funkeln. Auf den Zuhörerstühlen die früh aufstehende Landwirtgeneration 55plus, gelegentlich nickte ein Kinn auf die Brust. "Ich errege bei den Leuten keine Aggressionen", sagt Wulff, der Ausgekochte.

An die, bei denen das doch der Fall ist, wollte Wulff im Wahlkampf eigentlich Wackel-Wulffs fürs Auto verteilen lassen. Seit er in der Schüler-Union war, haben sich weder der selbstironische Abstand zum Marketingprodukt Wulff ("junger Wilder", "Schwiegersohn") noch sein Demokratieverständnis gewandelt: Die bestmögliche Regierungskunst ist der Kompromiss. Beispiel VW: Eigentlich fand Wulff, ein Mann wie Ferdinand Piëch sei eher ungeeignet, um als Aufsichtsratsvorsitzender dem Vorstand auf die Finger zu gucken, weil finanziell massiv beteiligt und deshalb zu stark von Eigeninteressen geleitet. Der Betriebsrat und damit 90.000 VW-Mitarbeiter und weitere 60.000, die an VW hängen, sahen das anders. Jedenfalls zu viele Wähler. Piëch blieb. Wulff stresst nichts so sehr wie VW. Da würde er auf keinen Fall arbeiten wollen.

Da mag Wulff lieber seinen aktuellen Job. Vor allem das Repräsentieren, das ist nämlich "das pralle Leben". Nach dem hat er Hunger, der fleißige Schülersprecher, der zuverlässige Ex-Sohn, der Amtsträger, der täglich mit drei Pilotenkoffern voller Akten in den A8 steigt. Den Landtagssitzungen langweilen, "weil immer schon vorher klar ist, was hinterher rauskommt". Das Stänkern und Wegstechen übernimmt CDU-Fraktionschef David McAllister, 37, dem er auf der Braunschweiger Bühne ein Geburtstagsständchen gibt und als Geschenk Jahreskarten für den Zoo Hannover, "damit er mal andere Gesichter sieht".

Mitten im "prallen Leben"

Genau das will Wulff auch. Cloppenburg. Vor einem Hinterhofladen drängeln sich rund 100 Menschen, viele müde Gesichter, denen Wulff seit 2003 keinen Wohlstand gebracht hat. Portiönchenweise werden sie durch die Glastür gelassen. Drinnen sitzt Wulff, hat Superlaune und versucht zu verstehen, wer denn jetzt 1,50 Euro oder 2,50 Euro bezahlen muss, um sich bei der Cloppenburger Tafel mit haltbarem Brot und abgehangenem Salat einzudecken. Dann schreitet er zur Brotausgabe. Zwei Versuche, die Gummihandschuhe über seine Aktenfinger zu streifen, scheitern an der mangelnden Erfahrung mit dem prallen Leben, zu dem traditionell Kloputzen gehört. Aber dann ist er bereit:
"Na? Weißt du, wer ich bin?"
Sophie, 12, grinst verlegen.
"Mein Name ist Christian Wulff. Ich bin der Ministerpräsident von Niedersachsen."
Sophie: "Hm."
"Ich bin Landesvater, das ist so was wie ein Vater, der sich um alle Niedersachsen kümmert. Wie läuft’s in der Schule? Alles im Griff?"
Sophie: "Ja."
"Prima. Welches Brot möchtest du denn haben?"
"Ach, ich maaach den soooo gern, den Wulff ", stöhnt eine der gestandenen Damen, die die Tafel hier schmeißen, und fasst sich ans üppige Dekolleté. Wulff würde am liebsten dableiben. Denn im Nebenraum ist ein Frühstückstisch gedeckt. "Dauernd machen mir meine Mitarbeiter Termine. Abends frage ich: 'Wann war eigentlich Mittagessen?' Dann sagen die: 'Das haben wir vergessen.'"

Das ist es, das pralle Ministerpräsidentenleben. Er versucht ja, ein guter Papa für seine Tochter Annalena, 14, zu sein, die Maschine faselt was von "quality time". Warum wird er jetzt noch mal Vater? "Kinder sind das Reich Gottes."

Und während die Ministerpräsidentenmaschine im Wahlkampfbus an einem verschwitzten Schinkenbrötchen knabbert und zwei Stück Vollmilchschokolade in seinen Fingern schmelzen, sagt sie ganz ulkige Sachen. Zum Beispiel: "Ich fordere eine Gewerkschaft für Ministerpräsidenten." Manchmal lässt er den Chauffeur mitten in der Pampa anhalten und geht fünf Minuten spazieren. "Das ist dann wie ein Urlaubstag." 90 Stunden pro Woche, verteilt auf 48 Wochen im Jahr: Macht einen Stundenlohn von rund 27 Euro. Wer will da ewig Ministerpräsident bleiben?

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Ich bin Freiberufler und werde diskreditiert!
Ich habe als Freiberufler für eine Firma gearbeitet wo bis zur letzten Minute alles super in Ordnung war. Der nächste Auftrag stand für einen Sonntag und der wurde mir ohne Begründung entzogen ohne Angaben von Gründe und das zwölf Stunden vor Antritt. Nun gut Gespräch mit der Leitung hat ergeben das eine leitende Person ein Statement abgeben hat über die Verkaufs Menge bzw Umsatz. Damit muss ich leben an diesem Tag war nicht los. Habe mich dann bei einer anderen Promotion Agentur beworben und heute ein Gespräch gehabt mit Vorführung meiner Kenntnisse. Bei dieser Präsentation wurde die mir zur Seite gestellte BC während dem Gespräch informiert von Mitarbeitern der anderen Agentur das ich nicht zu gebrauchen wäre und sogar sehr unfreundlich meinen Job verrichten. Aus diesem Grund bin ich dann nicht genommen worden. Als ich Zuhause war habe ich die alte Agentur zur Rede gestellt was das für eine Vorgehensweise wäre dort wurde ich von der Leitung mehr oder weniger kalt gestellt mit den Worten das wäre in der Branche normal man könnte nicht dulden mich dort im Store arbeiten zu lassen das wäre nicht gut für die eigene Mannschaft. Also folgender Problem ergibt sich nun. Da ich in Düsseldorf zuhause bin und dort auch meine Tätigkeit ausübe werde ich in allen Stores nun keine Aufträge mehr erhalten wenn es dieser Agentur gestattet ist ohne ein klärendes Gespräch meinen Ruf zu beschädigen. Bitte um Hilfe da meine LebensGrundlage mir gerade dadurch entzogen wird. Ich glaube es hat etwas damit zutun das ich homosexuelle bin und einer Dame das nicht passt.