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CIA-Opfer: El Masri gesteht Brandstiftung

Das mutmaßliche CIA-Entführungsopfer Khaled el Masri hat zum Prozessauftakt die ihm zur Last gelegten Taten gestanden: Im Mai hatte er nach einem Streit mit einer Verkäuferin einen Brand in einem Großmarkt gelegt. Sein Anwalt erklärte die Tat mit Spätfolgen der erlittenen Folter.

Der wegen Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung angeklagte Deutsch-Libanese Khaled El Masri hat am Montag zum Prozessbeginn ein Geständnis abgelegt. Vor dem Landgericht Memmingen ließ er über seinen Anwalt erklären, zu den Taten sei es infolge seiner Entführung durch den US-Geheimdienst nach Afghanistan gekommen. El Masri war nach eigenen Angaben 2004 nach Afghanistan entführt und dort fast sechs Monate gefangen gehalten worden. Er sei nach seiner Rückkehr nach Deutschland ohne Hilfe und Therapie allein gelassen worden, habe sich weiter verfolgt gefühlt und um seine Sicherheit gebangt. In dieser Stresssituation sei es zur Eskalation und den Taten gekommen.

Der 44-jährige Deutsch-Libanese ist angeklagt, im Mai in einem Neu-Ulmer Großmarkt Feuer gelegt zu haben. Dabei war ein Schaden von mehr als 300.000 Euro entstanden. Im Januar hatte er bei einer Auseinandersetzung in Ulm einen Angestellten erheblich verletzt und Angestellte beleidigt. Sein Mandant entschuldige sich für diese Taten, sagte der Anwalt. "Man wollte mich provozieren, dass ich ausraste", beschrieb El Masri die Umstände bei seinen Taten. Das Verfahren ist auf vier Tage angesetzt. Ein Urteil wird für diesen Freitag erwartet.

"Ausgesetzt im Wald"

Als Ursache für seine Tätlichkeiten und die Brandstiftung gab der Angeklagte an, er habe eine Verschwörung von Geheimdiensten gegen sich vermutet. Dazu habe auch beigetragen, dass er in dieser Zeit von fremden Menschen mit seinem Namen angesprochen und einmal auf der Autobahn von vier Fahrzeugen verfolgt worden sei. "Ich war gestresst zu dieser Zeit und habe mich nicht mehr sicher gefühlt." Er habe seine Angriffe machen müssen, um seine Sicherheit zu verteidigen.

Ausführlich schilderte El Masri seine Verschleppung durch den amerikanischen Geheimdienst CIA im Jahr 2004. Ende 2003 sei er in den Urlaub nach Mazedonien gefahren und an der Grenze festgenommen worden. Danach sei er 23 Tage in einem verdunkelten Hotelzimmer festgehalten und von drei bewaffneten Männern bewacht worden. Kontakt zur deutschen Botschaft sei ihm verweigert worden. Er sei für einen Terroristen und ein El-Kaida-Mitglied gehalten worden. Dann sei er Anfang 2004 mit verbundenen Augen, an Händen und Füßen gefesselt und mit Spritzen betäubt mit Zwischenstopp in Bagdad nach Afghanistan geflogen worden. Dort habe er in einem Kabuler Gefängnis in ständiger Todesangst gelebt.

Ende Mai 2004 sei er nach Europa zurückgebracht und in einem Wald in Albanien ausgesetzt worden. Von dort war er nach Deutschland abgeschoben worden und in den Raum Ulm zurückgekehrt. El Masri wiederholte, nach einem mehrwöchigen Hungerstreik von einem Deutschen mit Namen "Sam" verhört worden zu sein, den er als einen Hauptkommissar des Bundeskriminalamts identifiziert habe. Als er Kontakt zu deutschen Behörden verlangt habe, sei ihm geantwortet worden: "Die Deutschen wollen Sie nicht sprechen."

DPA / DPA