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Corona und die Jungen Bildung in der Sackgasse: Scholz’ Regierung hat die Jugend vergessen

Die Hörsäle bleiben wegen Corona leer und die Politik kümmert es nicht
Als junger Mensch hat man das Gefühl, nach der Corona-Einbahnstraße in der Sackgasse zu stecken
© Martin Schutt / DPA
Die Corona-Pandemie dauert in Deutschland fast zwei Jahre. Und noch immer hat die Politik nicht verstanden, dass die Bildung nicht auf der Strecke bleiben darf. Scheinbar ist der Regierung die Zukunft des Landes egal.

Olaf Scholz war mit einem Versprechen im Wahlkampf angetreten. Der Slogan "Respekt für Dich" prangte im Sommer von zahlreichen rot-weißen Wahlplakaten mit dem Konterfei unseres jetzigen Bundeskanzlers. Von dem angekündigten Respekt ist für junge Menschen in der Republik nicht viel zu merken.Seit drei Jahren geht eine Corona-Welle nach der anderen um die Welt und noch immer hat sich Deutschland nicht um seine eigene Zukunft gekümmert. Drei Semester lang wurden Studierende aus den Hörsälen verbannt. An den Schulen versuchte man, die Inzidenzen mit vorgezogenen Ferien zu drücken und so den Präsenzbetrieb aufrechtzuerhalten. Und trotzdem fühlt man sich als Schüler oder Studentin als wäre man in einer Einbahnstraße – die in einer Sackgasse endet.

Corona-Durchseuchung in den Schulen ...

Erst Anfang des Jahres hatte Kultusministerin Karen Prien erneut betont, dass geöffnete Bildungseinrichtungen wichtig seien, "weil wir den Zugang von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu Bildung, ihr soziales Miteinander und ihr Recht auf Teilhabe sichern wollen". Teilhabe ja, aber unter welchen Bedingungen? Die Politik ist in der Pflicht, ein Umfeld zu schaffen, in dem Lernen gefahrlos möglich ist. Das ist bis heute nicht gelungen, die Inzidenzen in der Altersgruppe von 5 bis 18 Jahren sind eindeutig. Und von den fehlenden Luftfiltern braucht man gar nicht erst anzufangen. Dass Gesundheitsminister Lauterbach angesichts dessen eine Durchseuchung als "unethisch" bezeichnet, grenzt an Hohn.

Zur Realität gehört leider auch, dass digitales Homeschooling in Deutschland kaum umsetzbar ist. Dafür fehlt es an grundsätzlicher Infrastruktur – und das seit Jahren. Anders als etwa die skandinavischen Länder hat es Deutschland verpasst, die vielgelobte Digitalisierung in den Schulen voranzubringen. Verstaubte Overhead-Projektoren, Kreidetafeln und Lehrkräfte, die geradeso den Beamer betätigen können, prägen in den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts immer noch die deutschen Klassenräume. Das Experiment "Homeschooling", das Deutschland zu Pandemiebeginn gezwungenermaßen durchführen musste, führte zu vernichtenden Ergebnissen. Eine Umfrage des Dienstleisters Go Student ergab, dass Schüler im Online-Unterricht unter erheblichen Konzentrationsschwierigkeiten litten. Zudem klagten viele über Probleme beim Verstehen der Lerninhalte.

... und fehlende Perspektiven für den Campus

Als "Katalysator für agile Lösungen", wie das Goethe Institut schreibt, hat sich die Pandemie bis heute nicht erwiesen. Das betrifft nicht nur die Schulen. Wie Frau Prien in ihrem Statement auf junge Erwachsene kommt, bleibt ein Rätsel. Denn die Universitäten scheinen längst vergessen. Auf keiner einzigen Ministerpräsidentenkonferenz wurde über Lösungen für die geschlossenen Hochschulen gesprochen.

Fairerweise muss man sagen, dass das Pandemiegeschehen an den Hochschulen ohne feste Klassenverbünde vermutlich schwerer zu kontrollieren ist. Außerdem sollten Studierende eher in der Lage sein, sich Unterrichtsstoff selbstständig anzueignen.

Und trotzdem dürften sich viele von ihnen schlichtweg veräppelt fühlen. Im Sommer hatten die Hochschulen Impfaktionen organisiert und Tausende Studierende an die Nadel gelockt. Das Versprechen: Präsenzlehre im Wintersemester. Das ging kurzfristig gut. Doch vor Weihnachten kündigten viele Hochschulen an, wieder auf Online umzusteigen. Das belastet Studierende nicht nur psychisch. Diese ewige Ungewissheit geht auch zulasten der Lehre. Professoren und Dozenten sind dazu gezwungen, ihre Veranstaltungen in zwei Versionen vorzubereiten. Das bedeutet doppelten Aufwand – den viele Angestellten mit befristeten Verträgen kaum leisten können.

Ähnlich wie die Schüler haben aber auch Studierende mit dem Distance Learning zu kämpfen. Bis heute regieren Frust, Motivationslosigkeit und Einsamkeit unter den jungen Menschen. Psychologische Hilfsangebote sind so gefragt wie lange nicht mehr, Angestellte berichten sogar von einer steigenden Zahl suizidaler Gedanken unter den Studierenden.

Was bleibt?

Im Frühjahr 2021 hatte sich schließlich der Bundespräsident erbarmt und an der Universität München ein paar tröstende Worte an die Studierenden gerichtet. Die "Verkachelung der Universitäten" dürfe nicht zu Normalität werden, sagte er – wohlwissend, dass das Studium, wie man es bis 2019 kannte, passé ist.

Eine "Verkachelung" durch Zoom-Konferenzen wird bleiben. Schon seit über einem Jahr ist klar: Große Vorlesungen mit Hunderten von Studierenden wird es auch nach der Pandemie nicht mehr geben – was in Ordnung ist. Was nicht in Ordnung ist, sind Hoffnungen, die Politiker mit gedankenlosen Floskeln schüren. Wenn schon keine wegweisenden Konzepte und Ideen ausgehandelt werden, um das Lernen zu fördern, dann wäre wenigstens etwas mehr Ehrlichkeit angebracht. Wenigstens ein Eingeständnis, dass man sich in der Politik um "Wichtigeres" als um die Bildung kümmert.

"Wir sind davon ausgegangen, dass das schon klappen wird in dieser schwierigen Zeit, auch an den Universitäten", sagte Steinmeier damals. Offensichtlich tut man das auch weiterhin – egal ob in den Schulen oder an den Universitäten. Der Politik dürfte die Inkompetenz, die sie mit diesem stark angegriffenen Bildungssystem heranzüchten, spätestens in einigen Jahren auf die Füße fallen. Alles in allem ein mutiges Experiment. Respekt.

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