HOME

Allgemeinplätze im Sommerinterview: Antwort zum Thema Flüchtlinge? Behält Seehofer lieber für sich

Während Sigmar Gabriel die Flüchtlingsdebatte aktiv angeht, tut sich Horst Seehofer deutlich schwerer. Im ZDF-Sommerinterview bleibt der CSU-Vorsitzende die Antwort schuldig, ob er bereits persönlich eine Flüchtlingsunterkunft besucht hat.

Horst Seehofer verweigert Thomas Walde im ZDF-Sommerinterview Antwort auf Frage nach persönlichem Besuch eines Flüchtlingsheims

ZDF-Mann Thomas Walde scheitert daran, dem CSU-Parteivorsitzenden Horst Seehofer die Information abzuringen, ob der bereits persönlich Flüchtlingsheime in Augenschein genommen hat.

Am Sonntag wurden bei ARD und ZDF die letzten Sommerinterviews dieses Jahres ausgestrahlt. Während Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) nicht davor zurückschreckte, die anhaltende Flüchtlingsproblematik als drängendste Herausforderung der Gegenwart zu betiteln, tat sich CSU-Chef Horst Seehofer deutlich schwerer mit einer klaren Bewertung.

ZDF-Moderator Thomas Walde hatte den Landesvater Bayerns auf das idyllische Gut Moierhof in Walting im Altmühltal geladen – und präsentierte sich von Beginn an durchaus streitlustig. Unmittelbar mit seiner ersten inhaltlichen Frage lockte er Seehofer bereits aus der Reserve. Befragt danach, ob er denn persönlich – wie beispielsweise Wirtschaftsminister Gabriel – bereits eine Flüchtlingsunterkunft besucht habe, versuchte der bayrische Ministerpräsident auszuweichen.

Seehofer will Eindruck reiner PR-Kampagne vermeiden

Trotz mehrmaligen Nachhakens gelang es Walde nicht, Seehofer eine konkrete Antwort dazu zu entlocken. Stattdessen flüchtete sich dieser in Allgemeinplätze, dass man davon ausgehen könne, dass er wisse "was da in der Lebensrealität los ist". Zur Rechtfertigung seiner Haltung führte Seehofer indes moralische Gründe ins Feld. In seinen Augen gezieme es sich als Politiker nicht, "auf dem Rücken der Flüchtlinge Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben.“ Seiner Überzeugung nach gehörten manche Sachverhalte diskret behandelt und daher wolle er die Antwort auf die gestellte Frage für sich behalten.

 SPD-Chef Sigmar Gabriel konnte zuletzt mit seinen offenen Worten zur Zuwanderungsproblematik punkten. Er nahm im Interview mit Tina Hasse und Rainald Becker in der ARD kein Blatt vor den Mund und bezeichnete die Auswirkungen des Flüchtlingsstroms als "die größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung und ich glaube auch die größte europäische Herausforderung, mehr als Griechenland und die Finanzkrise." In diesem Zusammenhang will Gabriel auf parteipolitische Grabenkämpfe verzichten und mahnte dazu, dass sich sowohl auf bundesdeutscher wie auch auf europäischer Ebene die Flüchtlingspolitik dramatisch ändern müsse.

lst