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Schlag 12, der Mittagskommentar aus Berlin Mieten ohne Maklergebühr - danke Politik!


Ja, es gibt sie noch, die guten Nachrichten: An diesem Montag tritt ein Gesetz in Kraft, das die schamlose Abzocke von Mietern verhindern hilft. Endlich.
Von Lutz Kinkel

Wahrscheinlich habe ich eine gewisse Vorschädigung. Denn ich habe mein bisheriges Arbeitsleben in Hamburg, Köln und Berlin verbracht, also nur in Metropolen. Außerdem musste ich gelegentlich innerhalb dieser Städte umziehen. Was das bedeutet, weiß jeder Mieter: endlose Schlangen bei Besichtigungsterminen, helle Empörung über das zu beziehende Loch, - und das zynische Gesicht des Maklers, der die Maximalgebühr für seine vermeintlichen Vermittlungsdienste aufruft. Kriminelle Makler hielten gerne zusätzlich die Hand auf und ließen sich einen Eintrag auf den vorderen Plätzen der Bewerberlisten vergolden. Ausnahmen, wie Maklerverbände beteuern? Nein. Mieser Alltag. Zumindest auf den heiß umkämpften Mietermärkten in Großstädten.

Die Politik hat das Problem erkannt. Und etwas geändert. Seit diesem Montag gilt: Wer bestellt, bezahlt. Das ist ein Grundsatz von betörender Schlichtheit, der gar nicht laut genug gerühmt werden kann. Wer bestellt, bezahlt. So ist es im Restaurant, beim Online-Shoppen, beim Buchen von Reisen und Handwerkern, im Autohaus und sonstwo. Ein tolles Prinzip, das den Einzelnen für seine Ausgaben verantwortlich macht - und damit Umsicht und Sparsamkeit höchst effektiv fördert. Das Kreuz bei den meisten öffentlichen Investitionen ist ja, dass eben dieses Prinzip nicht gilt. Sondern dass Politiker mit Steuergeldern hantieren. Und wenn sich zwei zu Lasten eines Dritten einigen können, wird es immer teuer. Sehr teuer.

Portemonnaie auf zwei Beinen

Das ist, zumindest für Besitzer von Mietimmobilien, keine Option mehr. Sie werden den Makler nun selbst bezahlen müssen, wenn sie einen engagieren. Das wird einen erstaunlichen Einfluss auf die Honorare von Maklern entfalten. Denn nun wird erstmals die Frage auf dem Tisch liegen, welche Leistung sie tatsächlich erbringen. Einige Makler wird es die berufliche Existenz kosten. Auch deshalb, weil Haus- und Wohnungsbesitzer beginnen werden, ihre Immobilie selbst zu vermakeln und zu vermieten.

So oder so: Es hilft dem Mieter. Er ist nicht mehr das Portemonnaie auf zwei Beinen, aus dem sich der Makler einfach so bedienen kann.

Natürlich starten an diesem Montag auch die Tricks, mit denen Vermieter und Makler versuchen, das Gesetz zu umgehen. Einige sind schon bekannt. Überhöhte Abschlagszahlungen für Einbauküchen zum Beispiel. Oder die vom Wohnungssuchenden abgepresste Unterschrift, dass er den Makler selbst beauftragt habe. Oder, oder, oder. Die Menscheit entwickelt immerzu reichlich Ideen, wie sich Not versilbern lässt. Die Gerichte werden auch in Zukunft gut zu tun haben.

Trotzdem: Dieser Tag ist ein guter Tag. Ein auf heilsamer Grundsatz für den Mietmarkt ist definiert: Wer bestellt, bezahlt. Danke, Bundesregierung.


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