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Der politische Abwasch der Woche Wulff, Gauck, Goethe und Lena


Wulff schwelgt in "philosophischen Provokationen", Gauck ist eine, und Lena hat's nicht ins Schloss gepackt. Zeit für den Abwasch.
Von Andreas Hoidn-Borchers

Aus gegebenem traurigen bzw. wunderbaren Anlass – je nach Sichtweise – und solange wir das noch dürfen, ohne den notwendige Respekt vor dem Amt vermissen zu lassen und möglicherweise Schritte auszulösen, von denen wir nicht zu träumen wagen, aus zahlreichen nachvollziehbaren Gründen also müssen wir heute zu Beginn einen kleinen Exkurs auf eine Webseite unternehmen, die den Titel Philosophische Provokationen trägt. Keine Sorge, ist halb so wild. Tut auch nicht weh. Ist nur eine kleine Zitatesammlung, die der noch amtierende niedersächsische Ministerpräsident hat zusammenklauben lassen. Best of Büchmann. Der Mann ist, wir zitieren aus der Vorrede, schließlich "auch Leser von Büchern, welche die Grenzen seines beruflichen Faches und seiner öffentlichen Profession überschreiten". Wow. Bzw.: Hätten wa ja nich jedacht!

Also: Augen zu und durch. Man muss schließlich wissen, was einem demnächst aus dem Schloss Bellevue an vorgefertigten Gedanken so um die Ohren gehauen werden könnte. Und eine kleine Eigencharakteristik ist das dann auch schon. Wir beginnen mit Goethe: "Wer nichts für andere tut, tut nichts für sich." Machen einen kleinen Schlenker zu Joe Seb Bach und dessen Satz, der auch als Motto der Woche dienen könnte::"Alles, was man tun muss, ist, die richtige Taste zum richtigen Zeitpunkt zu treffen." Pfeifen uns noch mal den alten Johann Wolfgang vor: "Man soll alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen." Und landen schlussendlich, wie es sich gehört, bei Henry Miller, nee, nur´n Scherz, bei Platon: "Diejenigen, die zu klug sind, um sich in der Politik zu engagieren, werden dadurch bestraft, dass sie von Leuten regiert werden, die dümmer sind als sie selbst."

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Tjä. Ist wohl was dran. Christian Wilhelm Walter Wulff also. Es hätte schlimmer kommen können. Viel schlimmer. Es hätte ja, nur ein Beispiel, der, äh, der, der Dings, naja, der. äh, naja irgendeinen gäbe es jedenfalls sicher. Es hätte ja auch passieren können, dass Horst Köhler seinen Rücktritt vom Rücktritt erklärt mit sofortiger Wirkung. Oder dass der Rudi sich gemeldet hätte und – weil sich gerade sonst keiner für diesen Knochenjob mit eingebauter Anpöbelgarantie aufdrängt außer der von der Leyen – auch genommen worden wäre, was jetzt aber überflüssig ist, weil es der Wulff ja macht, der auch schon so gravitätisch einherschreiten kann, als wäre er als Scharping bzw. Präsident genetisch codiert. Oder die Schwan. Wenn man ein bisschen nachdenkt, fallen einem dann doch schon ein paar noch Schlimmere ein. Außer dem Stoiber alias die Gludernde Lot natürlich, den hätte man schon gerne gesehen bzw. gehört, wie er seine rhetorische Kompetenzkompetenz im präsidialen Amt rauskehrt. Und außer Lena natürlichnatürlich, aber die ist ja nun leider ein paar Jahre zu jung. Was wiederum nicht auf den alten Jockel Gauck zutrifft, der aus dem Stegreif Sätze formulieren kann, die Wulff nicht mal ablesen könnte und die einem die Tränen in die Augen treiben: "Manchmal sind Worte in mir drin, die mir erlauben, Dinge auszusprechen, die Menschen empfinden." Bei Gauck sind medium und message tatsächlich mal eins. Und unablässig müssen sie raus, die Worte. Wenn er sie wenigstens singen würde. Oder aussähe wie Lena. Dann, ja dann.... Wär er vielleicht im Kirchenchor und dürfte zur Adventszeit im Bellevue singen.

Ach ja: Schalke oder Bayern. Alt oder Kölsch. Bunte oder Focus. Wulff oder Gauck. Man kann sich gar nicht entscheiden. Lasst es uns deshalb mit dem alten Mielke sagen: Wir vom Abwasch lieben euch doch alle!

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Und damit wieder zurück ins wirkliche Leben. Sonntag wird´s ernst, ab Sonntag wird gestrichen: Die Wehrpflicht, das Elterngeld, das Berliner Schloss, vier Zehntel von Köhlers Pension, das Kantinenessen im Kanzleramt, vielleicht, aber auch nur vielleicht, der autofreie Sonntag. Irgendwie werden die zehn Milliarden, die der Schäuble braucht, schon zusammen kommen. Sogar der Dirkniebel will was von seinem Etat abknapsen: Er will 400 Millionen Euro mehr. Dochdoch: mehr. Ist trotzdem gespart. Weil: Ursprünglich wollte er 600 Mio obendrauf haben, was also, Moment, kürze zwei, behalte drei und schmeiß den Rest wech, roundabout 200 Millionen weniger sind, ergo eine Einsparung.

So haben sie in der DDR ihren Haushalt auch immer saniert. Und was haben sie am Ende davon? Genau: Dirkniebel. Irgendwie werden wir den Eindruck nicht los, dass der Mann in großer historischer Mission unterwegs ist. Der kriegt uns schon noch klein. Vielleicht sollte man den Kerl sicherheitshalber mal gaucken...

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Und weil wir mit Zitaten angefangen haben, enden wir auch mit einem. Und zwar mit einem, das weder in einem ursächlichen Zusammenhang mit allem anderen hier steht (wäre ja noch schöner) noch auf Wulffs Sammlungsseite (was in der Tat noch schöner wäre). Bitteschön, hier ist es: "Es schauderte mir die Vorhaut, wenn ich nur daran denke!"

Nicht Bach, nicht Goethe, nicht Platon, sondern Schmidt. Arno, nicht Helmut.


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