Bundespräsidenten-Wahl Gauck versteht Nominierung als "Signal der Öffnung"


Der Bürgerrechtler Joachim Gauck möchte seine Nominierung zum Bundespräsidenten auch als "Signal der Öffnung" bestimmter Teile des linken politischen Lagers verstanden wissen.

Der von SPD und Grünen als Präsidentschaftskandidat aufgestellte Bürgerrechtler Joachim Gauck (parteilos) begreift seine Nominierung als "Signal der Öffnung". Es sei eine unkonventionelle Entscheidung gewesen, "dass ich von diesem Lager nominiert wurde", sagte er der "Welt am Sonntag". Er wisse sehr wohl, "dass in beiden Parteien auch linke Positionen vertreten werden", die nicht völlig zu seinen politischen Grundüberzeugungen passten. So sei für ihn der Wert der Freiheit von allergrößter Bedeutung - was im linken Spektrum zuweilen ganz anders gesehen werde, weil dort Werte wie Solidarität und staatliche Fürsorge hochgehalten würden. Freiheit sei "anstrengend und schwierig", fügte Gauck hinzu.

"Glück heißt für viele: Morgen muss es uns materiell besser gehen als heute", kritisierte Gauck. Diese Reduzierung des Lebensglücks auf Wohlfahrt und Wohlstand halte er für kindisch. Zur schwierigen Haushaltssituation der Republik und der Staatsverschuldung sagte Gauck, es sei nicht zu erwarten, dass Politiker die Motoren dieser "dringend notwendigen öffentlichen Debatte sein werden". Die Politik müsse lernen, deutlich über den nächsten Wahltermin hinaus zu denken. Es sei nun "Aufgabe der Bürger, der Intellektuellen", Schwung in die Diskussion zu bringen. Die Politik stehe öffentlichen Konflikten allzu furchtsam gegenüber. Gauck räumte ein, dass es ihn störe, noch immer als Mann gesehen zu werden, der vor allem mit der Auseinandersetzung um die Stasi-Vergangenheit in Verbindung gebracht werde.

SPD und Grüne hatten den 70-jährigen Bürgerrechtler und langjährigen Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde am Freitag als ihren Kandidaten für die Nachfolge des zurückgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler benannt. CDU, CSU und FDP hatten am Donnerstag den amtierenden niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) als ihren gemeinsamen Kandidaten für die Köhler-Nachfolge präsentiert. Aus der FDP und den Unionsparteien gab es aber auch bereits Unterstützung für Gaucks Kandidatur.

AFP AFP

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