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Deutsche Islam-Konferenz: Islam-Konferenz will Oper sehen

Es war der Beginn eines Dialogs zwischen "Mehrheitsgesellschaft" und Muslimen. Ein historischer Schritt zwar, aber nicht durchweg harmonisch. Nur in einem waren sich die Teilnehmer einig: Sie wollen eine Oper sehen: "Idomeneo." In Berlin!

Von Florian Güßgen

Es ist das erste greifbare Ergebnis des ersten Treffens der Deutschen Islam-Konferenz (DIK): Innenminister Wolfgang Schäuble hat gefordert, die abgesetzte Inszenierung der Mozart-Oper "Idomeneo" wieder auf den Spielplan zu setzen. Sobald es soweit sei, verkündete er, würden alle 30 Teilnehmer der Konferenz eine Aufführung besuchen. Damit wolle man ein Zeichen setzen, sagte er. Darin sei man sich einig. Für Toleranz. Für Meinungsfreiheit. "Mit der Meinungsfreiheit ist es wie mit dem Folterverbot", sagte der Innenminister. "Da darf man nicht mit den Augen zwinkern." Wem eine Theater-Aufführung nicht passe, sagte der CDU-Politiker, der könne ja buhen, aber eine Absetzung aus Angst sei keine Lösung.

Anfang dieser Woche war bekannt geworden, dass die Intendantin der Deutschen Oper die Mozart-Inszenierung aus Angst vor islamistischer Gewalt gekippt hat. Seitdem tobt in Deutschland ein Sturm der Entrüstung.

"Die Aussprache war nicht immer harmonisch"

Ansonsten konnte Schäuble am Mittwoch mit wenig konkreten Ergebnissen aufwarten. Nach dem knapp dreistündigen Treffen in der Orangerie des Berliner Schlosses Charlottenburg, an dem jeweils 15 Vertreter des deutschen Staates und der Muslime in Deutschland teilgenommen hatten, lobte der Innenminister aber, dass es eine gute Auftaktveranstaltung für einen Prozess gewesen sei, der auf mindestens zwei Jahre angelegt sei. "Wir haben eine offene Aussprache gehabt", sagte Schäuble. "Ich kann aber nicht sagen, dass sie immer harmonisch war." Der Innenminister lobte, dass sich alle Teilnehmer auf das Grundgesetz verpflichtet hätten.

Vielstimmiges Auftreten der Muslime

Schäuble machte jedoch keinen Hehl daraus, dass es auf dieser Basis bei einigen wichtigen Themen Differenzen mit einzelnen Vertretern der Muslime gibt - etwa bei der Frage, der ob und wie muslimische Mädchen am Sport- und Schwimmunterricht teilnehmen sollten. Auch sei umstritten gewesen, wer nun für die Muslime sprechen dürfe, sagte der Minister. In Deutschland leben rund 3,2 Millionen Menschen muslimischer Abstammung - einen Dachverband, der die Mehrheit der Muslime vertreten würde, gibt es bislang jedoch nicht. Zudem bestehen tiefe Gräben zwischen religiös orientierten und säkularen Gruppierungen. Auch wegen dieser Vielstimmigkeit wollte Schäuble sich nicht darauf festlegen, dass ein Dachverband der Muslime in Deutschland am Ende in eine Körperschaft des öffentlichen Rechts überführt werden könne. Wie vielstimmig es in der deutschen muslimischen Gesellschaft zugeht, konnte man dabei schon daran ablesen, wie viele Vertreter sich nach der Konferenz vor Kameras zeigten - und zum Teil widerstreitende Thesen vertraten.

Bessere Integration in die Mehrheitsgesellschaft

Bei der Islam-Konferenz geht es in erster Linie darum, eine Plattform für einen Dialog zwischen staatlichen Vertretern und Muslimen herzustellen. Die Konferenz soll eine bessere Integration der Muslime in die deutsche "Mehrheitsgesellschaft" befördern. Es geht darum, Muslime vom Rand in die Mitte dieser Gesellschaft zu ziehen und so auch für eine klare Abgrenzung zum gewaltbereiten Islamismus zu sorgen. Bei dem von viel Tamtam begleiteten ersten Treffen in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg wurde die Schaffung von drei Arbeitsgruppen und eines "Gesprächskreises" beschlossen. Das nächste Treffen soll am 8. und am 9. November in Nürnberg stattfinden. Dort hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seinen Sitz, dem die Federführung der Arbeit der Konferenz übertragen worden ist.

Kritik an der Teilnehmerliste

Die muslimischen Teilnehmer der Konferenz lobten die Initiative der Bundesregierung einhellig, von einem "historischen Ereignis" war die Rede. Dennoch gab es auch kritische Töne. So bemängelte Ali Kizilkaya, der Vorsitzende des "Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland" die Zusammensetzung der Teilnehmerliste. Es könne nicht sein, dass unter den muslimischen Teilnehmern viele seien, die der Religion selbst kritisch gegenüberstünden. "Es kann nicht sein, dass Einzelpersonen für die 'schweigende Mehrheit der Muslime' als Vertreter ernannt werden", sagte Kizilkaya. "Da würde sich der Staat massiv in das religiöse Leben einmischen und Leuten ohne Legitimation Kompetenzen geben, die verfassungsmäßig bedenklich wären." Der Islamrat ist ein Dachverband, zu dessen Mitgliedern auch die Organisation Milli Görüs gehört, die von Verfassungsschützern beobachtet wird.

"Wir haben einen eher positiven Eindruck

Mit seiner Äußerung zielte Kizilkaya auf die Einladung einzelner, moderater Muslime, die nicht zu einem der größeren Verbände gehören. Kritiker hatten auch vor der Konferenz bemängelt, dass diese vorwiegend liberalen Muslime nicht repräsentativ für die muslimische Gesellschaft in Deutschland seien. Kizilkaya sagte, er sei optimistisch, dass die Muslime dem Staat bald eine einheitliche Vertretung der Muslime würden präsentieren können. Zu seiner eigenen weiteren Teilnahme an der Konferenz sagte der Vorsitzende des Islamrats: "Wir müssen erst einmal bewerten, was heute war. Wir haben einen eher positiven Eindruck. Aber über die Konstellation der Teilnehmer muss man noch einmal sprechen." Vielleicht gibt es zu klärenden Gesprächen ja Gelegenheit nach einem möglichen gemeinsamen Besuch der Mozart-Oper.