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Die CSU und Karl-Theodor zu Guttenberg: Ein einziges Rumgeeiere

Karl-Theodor zu Guttenberg geht mit seiner Partei hart ins Gericht. Und was sagen die CSUler? Die stammeln und drucksen und sind schwer sauer auf den Abwesenden.

Von Hans Peter Schütz

Es war ein schwieriger Vormittag für Gerda Hasselfeldt, die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Sie musste über Karl-Theodor zu Guttenberg sprechen, weil die bei ihr traditionell in Sitzungswochen zum Weißwurstessen verabredeten Berliner Journalisten nichts anderes wissen wollten - als alles über zu Guttenberg.

Es wurde viel gelacht bei den Weißwürsten. Als die erste Frage nach Guttenberg und seinem Verhältnis zur CSU kam, sprang Stefan Müller, Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, blitzschnell auf und rannte aus dem Saal. Er wisse nichts, murmelte er auf dem Weg zur Türe.

So blieb Gerda Hasselfeldt allein zurück mit dem Problem zu Guttenberg. Es entwickelte sich ein amüsantes Spiel: der CSU-Politikerin Fragen zu stellen und keine klare Antwort zu bekommen.

"Noch hat er nicht gesagt, ob er zurückkehrt"

Frage: Wäre zu Guttenberg, kehrte er in den Bundestag zurück, eine Bereicherung für die CSU oder nicht? Anwort Hasselfeldt: "Das wird sich zeigen, wenn er da ist. Aber er ist ja noch nicht da." Zwischenruf: "Aber reich ist er schon." Es durfte gelacht werden - wie bei vielen Antworten der CSU-Politikerin.

"Noch hat zu Guttenberg nicht gesagt, ob er zurückkehren will und wann", sagte sie zum Beispiel. Oder: "Wir haben anderes zu tun, als uns mit der Person Guttenberg zu beschäftigen." Sie wisse nicht, "was Karl Theodor vorhat".

An einem Punkt zeigte Gerda Hasselfeldt allerdings einen klaren Standpunkt: "Wenn ein schon mal aktiver Politiker wieder kandidiert, dann wird das in seinem bisherigen Wahlkreis entschieden." Nach allem, was von dort zu hören ist, wollen sie ihren Karl-Theodor wiederhaben. Er hat schließlich 2009 68,1 Prozent der Stimmen geholt. Besser konnte es bundesweit keiner.

Man ist stinksauer

Einen Hauch Kritik wagte Frau Hasselfeldt dann doch noch. Sie glaube schon, "dass ein Stück Demut jedem Politiker gut tut". Immerhin sei das, was über sein Interview-Buch zu lesen war, nicht gut angekommen. Und dann resignierte die Parteifreundin zu Guttenbergs: "Ich wäre als seine PR-Agentin nicht geeignet." Es durfte wieder gelacht werden, denn diesen Satz fand Frau Hasselfeldt ebenfalls sehr amüsant.

Die Wahrheit in der CSU-Landesgruppe in Sachen zu Guttenberg allerdings ist: Man ist dort sauer, stinksauer. Als die allerersten Informationen kursierten, dass Guttenberg wieder in die Politik zurückkehren könne, kommentierte der CSU-Politiker Alfred Sauter auf Nachfrage von stern.de noch freundlich: "Der hat die CSU doch nie verlassen." Inzwischen jedoch scheinen zumindest in der Berliner CSU-Landesgruppe viele den Wunsch zu haben, den Ex-Superstar, der die CSU nicht mehr für eine Volkspartei hält und in ihr "ein gewisses Maß an Oberflächlichkeit und Sprunghaftigkeit" öffentlich ausmacht, nicht wieder in ihren Reihen sehen zu müssen.

Verspricht man den CSU-Gesprächspartnern, ihren Namen nicht zu nennen, dann reden sie freiweg schlecht über den Ex-Kollegen: Ein "alberner, aufgeblasener Wicht" sei er, eine "Adelsplage", ein "Kunstkopf". Wie es aussieht, werden die CSU-Abgeordneten ihm nicht so schnell vergessen, dass er die eigene Partei mit "Spinnweben" überzogen genannt hat.

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