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Ehrenmal-Debatte: Merkel contra Jung

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in der Standortdebatte des Ehrenmals für gefallene Bundeswehrsoldaten nicht hinter ihren Verteidigungsministers gestellt. Nach einer stern-Umfrage liegt sie damit auf einer Linie mit der Mehrheit der Deutschen.

Angela Merkel hält die Entscheidung über den Standort des geplanten Ehrenmals für die im Auslandseinsatz ums Leben gekommenen Bundeswehr-Soldaten offen. In einem Brief an den CDU-Politiker Nikolaus Graf Adelmann, der stern.de, dem Online-Dienst des Magazins stern, vorliegt, schreibt die CDU-Vorsitzende, sie habe sich "angesichts der derzeitigen intensiven Diskussion im politischen und vorpolitischen Raum, in der bislang keineswegs alle Argumente ausgetauscht sind, selbst noch kein abschließendes Urteil gebildet". Merkel schloss sich damit nicht der Haltung von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) an, der das Mahnmal auf dem Berliner Gelände seines Ministeriums errichten möchte. Sie verwies in ihrem Brief vielmehr auf Vorschläge aus den Reihen des Bundestages, das Ehrenmal "in der Nähe des Parlaments anzusiedeln, um damit die Verantwortung der Abgeordneten des Deutschen Bundestags bei der Entscheidung über Auslandseinsätze der Bundeswehr zu dokumentieren".

Nach einer stern-Umfrage liegt die Bundeskanzlerin damit auf einer Linie mit den meisten Bundesbürgern. Danach wünscht die Mehrheit der Bevölkerung einen Standort beim Parlament: Nur 28 Prozent halten den avisierten Standort im Verteidigungsministerium für richtig, 56 Prozent wollen, dass dies Mahnmal beim Reichstag errichtet wird. Mehr als zwei Drittel der Befragten sprachen sich in der Umfrage für ein Denkmal aus, gut ein Viertel lehnt ein derartiges Ehrenmal ab.

Die Errichtung des Ehrenmals am Berliner Reichstag hatte der stern vorgeschlagen. Mehrere Abgeordnete von SPD, FDP und Grünen aus dem Verteidigungsausschuss des Bundestages nahmen diese Idee auf und wandten sich gegen die Pläne Jungs. Bei Auslandseinsätzen sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums bislang 65 deutsche Soldaten ums Leben gekommen.