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Eine Krankenschwester berichtet: Mein Alltag im Wahnsinn

In vielen deutschen Kliniken herrscht ein immerwährender Notstand: Es fehlt an Zeit, Geld und Personal, um die Kranken gut zu pflegen. In Berlin gehen heute Klinikmitarbeiter auf die Straße. Hier schreibt eine Krankenschwester über ihren Alltag, über den "ganz normalen Wahnsinn auf meiner Station".

Waschen, füttern, umdrehen: Eine Pflegerin erzählt aus ihrem Alltag

Waschen, füttern, umdrehen: Eine Pflegerin erzählt aus ihrem Alltag

In seiner aktuellen Ausgabe veröffentlicht der stern eine eindringliche Reportage über den Pflegenotstand in deutschen Kliniken. Redakteurin Doris Schneyink hat dafür den Alltag in einem Krankenhaus hautnah miterlebt. Den entscheidenden Anstoß zu Schneyinks Recherche gab eine Email, in deren Betreffszeile nur stand: "Der ganz normale Wahnsinn einer Krankenschwester." In der Nachricht beschrieb Heike S., eine Pflegerin in einem städtischen Krankenhaus in Bayern, ihren Arbeitsalltag. Hier lesen Sie den vollständigen Text dieser Zustandsbeschreibung aus erster Hand.

Ich habe heute zwölf Patienten zu versorgen. Meine anfangs gute Laune sinkt mit all den Informationen, die ich am Morgen über meine Patienten erhalte. Schnell steht fest, dass hier gar nichts geht. Bis auf drei Patienten können sich alle nicht selbst waschen, umdrehen, essen oder auf die Toilette gehen. Ich schnappe mir meine Ausrüstung - darunter Waschschüsseln, Hand- und Badetücher, Inkontinenzunterlagen - und jede Menge Windeln. Leider hat es die Wäscherei heute noch nicht zu uns geschafft, sodass ich schnell noch in vier Zimmer meiner Kollegen sausen muss, um Wäsche zu klauen.

Endlich kann es losgehen. Blutdruck, Puls und Temperatur müssen bei jedem Patienten gemessen werden, bei einigen kommt noch der Blutzuckerspiegel dazu, manchen muss Insulin gespritzt werden. Andere Patienten muss ich umlagern, nach vier Stunden in der derselben Position wird es mehr als Zeit dafür.

"Liegen Sie gut, Frau Maier?" "Guten Morgen Frau Schmitt, gut geschlafen? Nein? Warum denn nicht?"

Drei meiner Patienten läuten, und der Fahrdienst will auch schon den ersten Patienten zur Untersuchung abholen. "Einen Moment bitte." Der Patient riecht nicht gerade gut, und als ich schnell die Windelhose öffne, kommt mir schon die Duftwolke entgegen." Gib' mir nur fünf Minuten", rufe ich dem Fahrer zu, und nestle an der Windel weiter, wasche ihn im Intimbereich, wechsle die Wäsche, drehe ihn auf die andere Seite und ziehe dann eine neue Windelhose an.

Schnell beruhigen? Das geht oft nicht.

Einige Minuten später muss eine Parkinsonpatientin auf die Toilette, aber leider ist sie morgens noch sehr unbeweglich. Zuerst gebe ich ihr ihre Medizin, dann erst können wir schön langsam vom Bett ins Bad tippeln und zur Toilette gehen. Einen anderen Patienten will ich gerne duschen. Leider erkennt er mich heute nicht mehr und begrüßt mich drohend mit seinen Krücken. "Komm Du mir ja nicht her, du Teufel hast mich entführt", ruft er mir völlig entsetzt zu.

Schnell beruhigen geht leider nicht, also setze ich mich im sicheren Abstand dazu und versuche, seine Krücken zu fassen zu kriegen. Ganz schnell hat er meinen Zeigefinger zwischen den Krücken eingezwickt, sodass ich laut "Aua" schreie. Vor lauter Wut drückt er noch fester zu. Endlich kommt jemand, um mir zu helfen. Zu zweit schaffen wir es, den Mann zu beruhigen. Wir können ihn überzeugen, die Krücken rauszurücken. Der Zimmernachbar ist selbst ganz verstört und verlässt so bald wie möglich das Zimmer. Wir machen das auch!

Schnell geht's zurück zur Parkinsonpatientin, die leider noch nicht fertig ist. "Ich komme gleich wieder", rufe ich ihr zu und tauche im nächsten Zimmer unter. Dort habe ich zwei Frauen mit Schlaganfällen, die eine hat neben Ihrer Halbseitenlähmung auch eine Sprach- und Schluckstörung. Für mich bedeutet das eigentlich, dass hier Schnelligkeit nicht hilft. Die Patienten müssen sich mit ihrem Zustand erst einmal selber auseinander setzen, fliegendes Pflegepersonal verstört sie da eher. Und schließlich habe ich ja auch einen gewissen Pflegeanspruch an mich selbst, dem ich gerecht werden will. Ich tue so, als ob ich alle Zeit der Welt hätte, um Sie rundherum gut zu pflegen und die Frau nicht nur körperlich aufzurichten.

Im Kopf überlege ich mir schon, wie ich diese Zeit wieder reinholen kann. Jetzt aber schnell zur nächsten Frau, die auch einen Schlaganfall erlitten hat. Ihr geht es leider nicht mehr gut. Leider kann man hier nur noch hoffen, dass sie bald sterben darf. Aber auch hier kann und will ich nichts im Eiltempo machen. Pflege an Sterbenden braucht seine Zeit. Also bloß keine Hektik. Auch hier nicht.

Ich hetzte zum nächsten Zimmer

Endlich bin ich raus aus dem Zimmer, hetze zum nächsten. Das Frühstück ist ja schon lange angekommen. Meine Parkinsonfrau hätte ich beinahe vergessen, also zurück zu ihr.

"Wollen Sie denn heute duschen?" frage ich sie. Ein bisschen hoffe ich dabei, dass sie vielleicht darauf verzichten will.

"Ja doch", antwortet sie. "Ich habe heute Nacht so geschwitzt." Auch hier kann ich nicht schnell machen. Sie wird zwar schon ein bisschen beweglicher, dennoch wird ihr der zwanzig Zentimeter hohe Einstieg in die Dusche zu viel - wie so vielen anderen Patienten auch. Stück für Stück helfe ich nach. Bis sie dann auf dem Stuhl sitzt, vergehen noch mal ein paar lange Minuten. Irgendwann bin ich hier fertig, und jetzt steht noch die Morgenbesprechung an. "Kommst Du mal schnell ans Telefon!" ruft unsere Stationsassistentin, ein Angehöriger will eine Auskunft. Ich hetzte durch die Station.

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Irgendwie riecht es im Zimmer nach Urin

Ich schaue noch mal schnell zu meinem Patienten mit den Krücken rein, und siehe da, er erkennt mich wieder. Gott sei Dank. Er hat sich wieder beruhigt.

Aber irgendwie riecht es im Zimmer nach Urin. Ich gehe der Spur nach, bis ich bemerke, was er jetzt wieder zustande gebracht hat. Der Patient hat seine befüllte Urinflasche quer durchs Zimmer geworfen. Sie ist im Nachbarbett gelandet. Gut, dass der Nachbar nicht im Zimmer war. Also schnell alle Betten ausgetauscht, den Boden gewischt und desinfiziert. Schnell schiebe ich den Patienten in die Dusche, was ihm so gut wie gar nicht gefällt. Danach geht's noch auf die Toilette. In der Zwischenzeit holen mich meine Kollegen zur Frühstückspause, ich brauche sie wirklich dringend. Gerade habe ich den ersten Bissen meiner Honigsemmel im Mund, als jemand läutet. Es ist der Patient mit der Flasche. Er ist in der Toilette. Er ist jetzt fertig. Schnell nehme ich noch einen Schluck Kaffee und einen Bissen von meiner Semmel. Ich befürchte, dass meine Frühstückspause schon beendet ist.

Herr S. ist von einer Duftwolke umgeben

Herr S. erwartet mich schon, von einer Duftwolke umgeben. Er beschimpft mich. Wo ich solange bleibe? Er will sofort ins Bett zurück. Nachdem ich nicht nur seinen Hintern, sondern auch die Toilette gesäubert habe, bringe ich ihn wieder ins Bett zurück. Mittags habe ich dann auch tatsächlich alle meine Patienten versorgt. Jetzt heißt es: Noch schnell mit zur Visite gehen, wenn das überhaupt noch möglich ist; die Anordnungen vom Arzt ausarbeiten, danach unsere getane Arbeit im PC dokumentieren, neue Patienten aufnehmen, andere entlassen. Dazu Pflegepläne neu schreiben oder aktualisieren, Betten in andere Zimmer schieben, Telefonate beantworten, Verbände wechseln, Kritik und Ärger von Angehörigen oder Patienten anhören und vielleicht noch schnell mit dem einen oder anderen Patienten sprechen - nur so, weil es doch auch dazu gehört, sich mit kranken Menschen zu unterhalten und sich um deren Sorgen und Ängste zu kümmern. Nebenbei klingelt der eine oder andere Patient noch, weil er mal was zu trinken braucht oder weil er Schmerzen hat oder es ihm einfach nicht gut geht, was ja mal vorkommen kann im Krankenhaus. Und da wäre noch eine Übergabe am Bett an die Kollegin, die ja auch noch stattfinden muss. Schnell und informativ natürlich.

Zuhause angekommen gönne ich mir erst mal einen Kaffee. Ohne Hetze. Wie immer bin ich froh, dass meine Familie und ich gesund sein dürfen.

Mein Mann geht joggen. Ich nicht.

Wenn mich meine Kinder fragen: "Na, Mama, wie war es denn bei dir heute so?", sage ich: "Ganz normal, wie immer". Mein Mann bekommt wie immer ein "Nein" zu hören, wenn er mich fragt, ob ich noch zum Joggen mitgehen will.

Meine Arbeit als Krankenschwester mache ich sehr gerne, genauso wie ganz viele meiner Arbeitskollegen. Es wäre jedoch endlich mal an der Zeit, dass unsere Arbeit eine dementsprechende Vergütung und Annerkennung erhalten würde. Unseren Beruf kann man nicht einfach so mit anderen vergleichen. Wir sitzen nicht am Schreibtisch oder arbeiten mit leblosem Material.

Wir arbeiten täglich mit dem Wertvollsten überhaupt

Gute Pflege braucht seine Zeit, und viele von uns haben den Anspruch, gute Pflegearbeit zu leisten. Wir arbeiten täglich mit dem Wertvollsten überhaupt. Aber warum werden wir dafür nur so schlecht bezahlt? Warum wird unsere Pflegearbeit so wenig geschätzt?

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(