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Ermittlungen gegen General: Liebesurlaub im Bundeswehr-Camp?

Wegen privater Betätigungen im Krisengebiet von Nord-Afghanistan hat das Verteidigungsministerium, nach Informationen der "Leipziger Volkszeitung", "disziplinarische Vorermittlungen" gegen einen ihrer Top-Generäle eingeleitet.

Von Hans-Peter Schütz

Es geht um den Vorwurf, Generalleutnant Karlheinz Viereck, Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, könnte zur Organisation eines Aufenthalts seiner schwedischen Lebensgefährtin in einem Bundeswehr-Camp in Nordafghanistan im März 2007 Bundeswehrkapazitäten benutzt haben. Im Krisengebiet eingesetzte deutsche Soldaten haben den Informationen zufolge gegen den Eindruck des "privaten Vergnügens" des Generals protestiert. Viereck war zu einem Truppenbesuch vor Ort.

Das Ministerium betonte gegenüber der Zeitung, zu Personalmaßnahmen nehme man öffentlich "aus grundsätzlichen Erwägungen" keine Stellung. Viereck hatte bereits im August 2006 für Schlagzeilen gesorgt. Er war damals kommandierender General der EU-Truppen im Kongo und hielt sich während einer bewaffneten Auseinandersetzung seiner Truppen mit Aufständischen zu einer Privatvisite bei seiner Lebensgefährtin in Stockholm auf. Damals betonte Viereck, er sei "per Laptop" in stetiger Verbindung mit der Truppe gewesen. Soldaten nannten ihn daraufhin ihren "Laptop-General". Im Zusammenhang mit der Afghanistan-Reise und der Übernachtung seiner Lebensgefährtin bei Viereck im Camp ist nun vom "Container-General" die Rede.

"Container-General"

Für die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan ist ihre Mission seit geraumer Zeit brandgefährlich geworden. Neben Bemühungen zur Friedenssicherung, für den Aufbau des Landes und zur weltweiten Terrorbekämpfung ist der Kampf um die eigene Unversehrtheit ins Zentrum gerückt. Auch im Bundeswehr-Camp in Masar-i-Scharif im Norden. Bei teils über 40 Grad Hitze, härtesten Arbeits- und Lebensbedingungen und permanenter Bedrohung achten Soldaten in besonderer Weise auf die Vorbildwirkung ihrer Offiziere. Viereck, Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam, erhielt vor Ort Besuch von seiner Freundin und Lebensgefährtin, einer schwedischen Diplomatin. Soldaten haben später gegen die "Sondermaßnahmen" für des Generals Übernachtungsgast protestiert. Es ging dabei wohl auch um den Eindruck einer "privaten Vergnügung".

Radikaler Karrierebruch des Generals?

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Oberst Bernd Hellstern, erklärt dazu: "Das Bundesverteidigungsministerium gibt aus grundsätzlichen Erwägungen zu Personalmaßnahmen und allen damit in Zusammenhang stehenden Maßnahmen keine öffentliche Stellungnahme ab." Innerhalb der Bundeswehr ist von "nachhaltigen Zweifeln an der gebotenen politischen Sensibilität" des Luftwaffen-Generals die Rede. Ein Truppenbesuch dürfe "unter keinen Umständen" in die Nähe "eines privaten Vergnügens" unter dem Schutz der Bundeswehr gerückt werden. Mehrfach wurden im gleichen Zeitraum deutsche Politiker und andere interessierte Gäste gebeten, wegen der Sicherheitslage auf Informationsreisen zu verzichten. In Kreisen der politischen und militärischen Führung der Bundeswehr wird nunmehr vermutet, dass im Zuge dieser jüngsten Vorwürfe Viereck vor einem radikalen Karrierebruch als General stehen könnte.