Karlheinz Viereck Der Etappenhengst


Ein General, der als harter Hund bekannt ist, hält selbst nicht so genau mit der Disziplin. Wegen privater Betätigungen im Krisengebiet von Nord-Afghanistan wird gegen Karlheinz Viereck ermittelt. Das darf sich ein Verteidigungsminister nicht gefallen lassen.
Ein Kommentar von Hans-Peter Schütz

Man kann hier dem Zwang zum Kalauer nicht entkommen: Springt denn Verteidigungsminister Franz Josef Jung wenigstens jetzt endlich im Viereck? Feuert er Generalleutnant Karlheinz Viereck hochkant? Gründe genug gibt es: Pflichtvergessenheit, krasser Mangel an kameradschaftlichem Verhalten, Beschädigung des Ansehens der Bundeswehr, Verschwendung von ohnehin knappen Ressourcen der Armee.

Dieser General liebt es, den harten Hund zu geben. Beklagten sich Soldaten, sie seien nicht ordentlich untergebracht, knurrte er, das sei ihm schnurzegal. Entscheidend sei, dass sie einsatzbereit seien. Verstanden? Jawoll, Herr General!

Schmuseurlaub mit schwedischer Geliebter

Nur, wie halten Sie es selbst mit den soldatischen Tugenden? Als im Kongo auf deutsche Soldaten geschossen wurde, als dort die Herren Bemba und Kabila mit Panzerfäusten die anstehende Wahl auszutragen begannen, wo waren sie denn da Herr General Viereck? Im Schmuseurlaub mit seiner schwedischen Geliebten. Ein harter Einsatz, denn nebenbei galt es ja doch noch den Einsatz der deutschen Soldaten im fernen Afrika zu steuern. Machte er eben mit Laptop und Telefon und patzte hinterher herum, er habe doch nicht am Strand gelegen. Mag schon stimmen. Aber so wie die Umstände waren, musste er sich schon die Bezeichnung Etappenhengst gefallen lassen.

Daraus gelernt hat Viereck aber offenbar nichts, auch die scharfe interne Rüge seiner Vorgesetzen nicht ernst genommen. Jetzt tauchte seine Lebensgefährtin bei ihrem Generalsgefährten im Norden von Afghanistan auf, nahm Service, Schutz und Versorgungskapazitäten der Bundeswehr in Anspruch. Eine absolut unangemessene Dienstleistung der Bundeswehr in einem gefährlichen Einsatz. So gefährlich wird die Lage eingeschätzt, dass deutsche Bundestagsabgeordnete, die sich vor der Abstimmung im Bundestag im Herbst einmal mehr über die Situation vor Ort informieren wollen, nicht eingeflogen werden. Doch des Generals Geliebte bekommt grünes Licht.

Die Affäre belegt eine Instinktlosigkeit, die sich der gutmütige Minister Jung nicht gefallen lassen darf. Nicht auch das noch! Es reicht schließlich, dass seine Luftwaffe ohne Auftrag die Demos beim G-8-Gipfel intensiv bespitzelte und im nach hinein es irgendwie keiner gewesen sein wollte. Wenn Jung nicht durchgreift, wird er seiner politischen Verantwortung für Einsatzbereitschaft und Ansehen der Bundeswehr nicht gerecht. Sein Kommando kann nur lauten: Abtreten, Herr General. Zack, zack!


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